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Steinzeit-Klimawandel kein Menschenwerk

In der Spätsteinzeit ist der CO2-Gehalt in der Atmosphäre angestiegen. Manche Forscher vermuten, der Mensch habe diesen Trend verursacht. Laut einer aktuellen Studie kann man das ausschließen - der historische Klimawandel hatte offenbar natürliche Ursachen.

Klimageschichte 23.09.2009

Ein anthropogener Einfluss auf den CO2-Haushalt sei erst seit der industriellen Revolution nachweisbar, schreiben Schweizer und deutsche Forscher im Fachblatt "Nature" (Bd. 461, S. 507).

Eisbohrkerne geben Auskunft

Ein Team um den Berner Umweltphysiker Thomas Stocker zeigt, dass der menschliche Einfluss auf das Weltklima erst ab dem 18. Jahrhundert messbar ist. Damals begann mit der industriellen Revolution die CO2-Konzentration wegen der Verbrennung von Kohle rasant anzusteigen.

Stocker hat mit seinen Kollegen Luftbläschen aus bis zu 11.000 Jahre alten antarktischen Eisbohrkernen untersucht und herausgefunden, dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre bis vor 6.500 Jahren kontinuierlich abfiel, dann aber wieder anstieg. Die Umweltforscher untersuchten auch das Verhältnis der Kohlenstoffisotope C-12 und C-13 im selben Zeitraum. Demnach steig der C-13 Anteil bis vor 6.500 Jahren, blieb dann aber fast konstant.

Ursachen: Ozeane und Korallenriffe

Die Forscher deuten dieses Muster wie folgt: Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren breiteten sich die Ökosysteme aus. Die Pflanzen speicherten mehr CO2, was die Abnahme in der Luft erklärt. Weil aber Pflanzen für die Stoffumwandlung das Kohlenstoffisotop C-12 bevorzugen, nahm der C-13-Anteil in der Atmosphäre zu.

Dass sich die C-13-Konzentration beim nachfolgenden CO2-Anstieg nicht mehr änderte, entlastet demnach den Menschen. Denn hätten die Steinzeitmenschen durch frühe und weiträumige Rodungen das in Pflanzen gespeicherte CO2 in die Atmosphäre gebracht, müsste der Anteil an C-13 seit damals deutlich abgenommen haben.

Stattdessen sei der CO2-Anstieg vom Anfang der Steinzeit wohl zum großen Teil auf Reaktionen in den Ozeanen zurückzuführen, schreiben die Autoren. Nehmen etwa die Meere durch Gasaustausch Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf, verändert sich das Isotopenverhältnis C-13 zu C-12 kaum.

Ein zweiter Grund: Nach der Eiszeit begannen sich Korallenriffe großflächig zu verlagern und neu zu bilden. Auch das beförderte Kohlendioxid in die Atmosphäre.

science.ORF.at/APA/sda

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