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Ein Kind mit viereckigen Augen - die Pupillen in Gestalt von Fernsehern

Unbewusste Botschaften kommen an

Ob versteckte Werbebotschaften - für das Auge nur für den Bruchteil einer Sekunde sichtbar - wirksam sind oder nicht, ist umstritten. Britische Forscher haben die Effekte nun zumindest in einem Laborversuch nachgewiesen.

Psychologie 28.09.2009

Die sogenannten subliminalen - also unterhalb der Bewusstseinsgrenze liegenden - Botschaften wirken sich vor allem dann aus, wenn sie negativ sind, berichtet BBC Online. Die Originalstudie der Psychologin Nilli Lavie vom University College London und ihren Kollegen erscheint im Fachjournal "Emotion".

Versuch im Labor

Theorien, dass in Filmen versteckte Werbebotschaften das Unterbewusstsein ansprechen könnten, machten bereits in den 1960er Jahren die Runde. Der US-Marketing-Unternehmer James Vicary hatte auf eigene Tests verwiesen, die den Effekt belegen sollten. Er musste aber später einräumen, dass seine Tests gefälscht waren. Versuche von Wissenschaftlern, einen solchen Effekt zu erzielen, blieben bisher ergebnislos. Die Debatte führte aber in vielen Ländern dazu, dass versteckte Werbung in Film und Fernsehen verboten wurde.

Die Forscher zeigten 50 Versuchsteilnehmern eine Reihe von Wörtern auf einem PC-Monitor. Sie leuchteten nur ganz kurz auf, viel zu kurz um sie bewusst zu lesen. Ihre Inhalte waren entweder positiv (z.B. "fröhlich", "Frieden"), negativ ("Verzweiflung", "Mord") oder neutral ("Ohr", "Kiste"). Nach jedem Wort mussten die Probanden angeben, ob sie es positiv, negativ oder neutral einschätzen - und wie überzeugt sie von ihrer Entscheidung waren.

Das Resultat: Zwei Drittel der negativen Worte wurden tatsächlich auch negativ eingeordnet, bei den positiven Worten war es nur die Hälfte. Dass Menschen den emotionalen Gehalt von subliminalen Botschaften wahrnehmen können, sei damit bewiesen, meint Nilli Lavie.

Evolutionäre Ursachen

Dass dies speziell gilt, wenn es negative sind, habe einen evolutionären Ursprung, so die Psychologin. "Wir können nicht warten, bis unser Bewusstsein anspringt, wenn uns jemand mit einem Messer entgegenläuft oder wenn wir im Nebel auf ein Warnsignal treffen, das uns 'Gefahr' verheißt", erklärt Lavie gegenüber BBC online.

Da negative Botschaften offenbar unbewusst besser aufgenommen werden als positive, hat sie auch einen Ratschlag für die Verkehrsexperten parat: "Kill your speed" würde zur Abschreckung besser funktionieren als ein simples "Slow down".

science.ORF.at

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