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Klimawandel bedroht Kunstwerke

Seit Jahrtausenden trotzen die Pyramiden von Gizeh dem Zahn der Zeit - doch in den vergangenen Jahrzehnten haben Mensch und Umwelt ihnen besonders heftig zugesetzt. Ähnlich ergeht es Denkmälern, Kunstwerken und historischen Gebäuden auf der ganzen Welt.

Weltkulturerbe 10.11.2009

Welche Auswirkungen der Klimawandel und die Touristen-Ströme auf die Weltkulturerbestätten der UNESCO haben und wie man sie schützen kann, untersucht ein neues Forschungsprojekt: "Climate for Culture".

Suche nach Standards zum Schutz

Über einen Zeitraum von fünf Jahren wollen Klimaforscher, Physiker, Architekten, Restauratoren, Ökonomen und weitere Wissenschaftler aus Europa und Nordafrika einen Katalog entwickeln, wie künftig weltweit Kunstwerke geschützt werden können. "Es sollen Standards erarbeitet werden, die auf der ganzen Welt eingesetzt werden können", sagte Janis Eitner vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Holzkirchen bei München.

Das Fraunhofer IBP hat das Projekt laut Eitner ins Leben gerufen und wird es auch koordinieren. Die Europäische Union fördert die Forschungen mit fünf Millionen Euro. 30 Einrichtungen aus 16 Ländern in Europa und Nordafrika werden mitarbeiten, darunter mehrere Fraunhofer-Einrichtungen, die London School of Economics und die Universitäten in Bern und Padua.

Bedrohte Bausubstanz

"Veränderte klimatische Bedingungen können die Bau-Substanz der Kulturerbestätten nicht nur beschädigen, sondern auch zerstören", erläuterte Eitner. So seien zum Beispiel viele historische Gebäude in Europa - etwa die Londoner Westminster Abbey oder das Kolosseum in Rom - aus Karbonatgestein wie Marmor und Kalkstein gebaut.

Weil es wegen des Klimawandels in Nordeuropa immer häufiger regne, werde die Bausubstanz stark angegriffen. Auch steigende Temperaturen brächten Gefahr mit sich. Gleichzeitig setze der Massentourismus den Kulturstätten Jahr für Jahr stärker zu. Wegen der vielen Menschen komme es zu Temperaturschwankungen in den Räumen und die Luftfeuchtigkeit steige.

Die Untersuchungen reichen von Messungen an Wetterstationen über Computersimulationen bis zu wirtschaftlichen Berechnungen, erläuterte Eitner. Dabei soll auch viel vor Ort an den Kulturstätten gearbeitet werden. "Dort wird die Belastung durch sauren Regen, Feinstaub oder Smog ermittelt", kündigte Eitner an. In Deutschland sollen unter anderem einige bayerische Königsschlösser von Ludwig II. unter die Lupe genommen werden.

sciene.ORF.at/APA/dpa