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Kein Weltuntergang im Jahr 2012

Der Start des Weltuntergangsfilms "2012" von Roland Emmerich hat die US-Raumfahrtbehörde NASA im November 2009 zu einer Stellungnahme veranlasst. Darin wurden weit verbreitete Verschwörungstheorien dementiert, wonach am 21. Dezember 2012 die Erde mit einem Planeten namens Nibiru kollidieren und untergehen wird.

Wissenschaftler 10.11.2009

"Diese Behauptungen sind durch keinerlei Fakten gerechtfertigt", erklärte die NASA. Wenn sich tatsächlich ein Planet auf Kollisionskurs mit der Erde befände, "hätten Astronomen ihn schon seit mindestens zehn Jahren verfolgt, und mittlerweile wäre er mit bloßem Auge sichtbar".

Ein deutscher Forscher wiederum hält das Weltuntergangsszenario aus rechnerischen Gründen für falsch. Laut ihm muss man nämlich die Maya-Geschichte umdatieren.

Keine Gefahr in Sicht

Glaubwürdige Wissenschaftler rund um die Welt hätten keinerlei Erkenntnisse über eine wie auch immer geartete Bedrohung im Zusammenhang mit dem Jahr 2012. "Unserem Planeten ist es in den vergangenen vier Milliarden Jahren wohlergangen", und es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich das in naher Zukunft ändern werde. Zwar treibe ein Zwergplanet namens Eris durchs All, doch werde er sich der Erde nicht auf weniger als 6,4 Milliarden Kilometer nähern.

Zahlreiche Websites und Bücher beschäftigen sich mit Weltuntergangsszenarien im Zusammenhang mit dem Jahr 2012. Ursprünglich hatten Theoretiker das Ende der Welt bereits für Mai 2003 vorausgesagt - als nichts passierte, wurde das Datum auf die Wintersonnenwende 2012 verschoben, die angeblich nach einem alten Kalender der Maya zeitgleich mit einer seltenen Planetenkonstellation das Ende eines Zyklus markiert.

Die NASA betonte, der Maya-Kalender ende keinesfalls mit dem 21. Dezember 2012, denn direkt danach beginne ein neuer Zeitabschnitt. Auch außergewöhnliche Planetenkonstellationen seien in den nächsten Jahren nicht abzusehen - und selbst wenn es sie gäbe, wäre ihre Auswirkung auf die Erde "vernachlässigbar".

Maya-Geschichte umdatieren

Eine andere Begründung, warum der Weltuntergang 2012 ausfallen wird, hat ein deutscher Forscher gefunden. Der Archäoastronom Andreas Fuls vom Institut für Geodäsie und Geoinformationswissenschaft der TU Berlin zumindest datiert den Untergang der Maya-Hochkultur 208 Jahre nach hinten.

Danach wäre erst 2220 das letzte Stündlein der Menschheit gekommen. Seit Jahren arbeitet Fuls mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms daran, die in Quellen dokumentierten Einzelereignisse der Maya-Kultur anhand von astronomischen Kalenderdaten genau zu berechnen.

Maya-Forscher zweifeln

Die meisten Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die Maya-Kultur vom dritten bis neunten Jahrhundert nach Christus ihre kulturelle Blüte hatte und danach langsam unterging. Diese Datierung stützt sich vor allem auf Dokumente der Kolonialherrschaft aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Fuls ging andere Wege.

So benutzte er vor allem den "Dresdener Kodex", die umfangreiche Abschrift eines Maya-Kalenders, der religiöse Kulte und ihre astronomischen Merkmale auflistet. Solche Kalender und auch andere erhaltene Maya-Monumente berichten nicht nur von Herrschern, Kriegen und Festen, sondern nennen auch Sonnenstand, Finsternisse und die Sichtbarkeit der Venus als Anhaltspunkte.

So könne das gleichzeitige Auftreten von Wintersonnenwende, Neumond und Venus, das im "Dresdener Kodex" genannt wird, genau auf den 19. Dezember 830 datiert werden - und damit 208 Jahre später als bisher angenommen, so Fuls, der seine Außenseiterthese auch in einem TV-Beitrag von "National Geographic" vertrat. Die häufigste Reaktion anderer Maya-Forscher sei bisher jedoch total ablehnend, sagte Fuls. Dabei würden die gängigen Datierungsmittel wie etwa die Radiokarbonmethode durch eine Ungenauigkeit von 150 Jahren seinen Ergebnissen gar nicht widersprechen. "So taggenau wie die Astronomie ist einfach keine andere Methode", so der Forscher.

science.ORF.at/APA/AFP/dpa