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Untertitel in einer Szene aus "Trainspotting"

Untertitel helfen beim Fremdsprachenlernen

Untertitel bei fremdsprachigen Filmen erleichtern nicht nur das Verständnis, sie können auch helfen, die gesprochene Sprache zu erlernen. Besser als Untertitel in der Muttersprache sind dafür aber solche der Fremdsprache.

Linguistik 11.11.2009

Auch und besonders gilt das für jene Fälle, wo letztere in einem Dialekt gesprochen wird, haben die Linguisten Holger Mitterer und James McQueen vom Max Planck Institute for Psycholinguistics herausgefunden.

Untertitel in der Muttersprache fördern den Fremdsprachenerwerb hingegen deutlich weniger, berichten die Forscher in einer Studie.

Aussie-English und Schottisch

Mitterer und McQueen haben 120 Versuchsteilnehmern aus den Niederlanden zwei Videos gezeigt: In der australischen Sitcom "Kath & Kim" wird "Aussie English" gesprochen, in dem Film "Trainspotting" ein für ungeübte Ohren nicht minder schwer zu verstehendes Schottisch-Englisch. Je zu einem Drittel waren die Videos mit niederländischen, englischen bzw. ohne Untertitel ausgestattet.

Die prinzipiell gut Englisch sprechenden Probanden hatten nicht viel Zeit, um sich an die Dialekte zu gewöhnen. Nach 25 Minuten waren die Videos zu Ende, und danach spielten ihnen die Forscher Tonaufnahmen der Hauptakteure daraus vor. Eine Hälfte der Aufnahmen kannten die Probanden schon aus den Videos, die übrigen waren ihnen neu.

Englische Untertitel helfen für Dialektverständnis

"Wir haben ihnen Sätze oder Halbsätze vorgespielt und gebeten, sie in normalem Englisch zu wiederholen", erklärt Mitterer gegenüber science.ORF.at, "die Leistungsunterschiede je nach vorher gesehenen Untertiteln waren signifikant." Besonders deutlich zeigte sich das bei bereits bekannten Phrasen aus "Kath & Kim", wo Probanden mit englischen Untertiteln gleich um sechs Prozent mehr korrekte Wiederholungen zustande brachten.

"Australisch": Ambo, arvo und gyno

Im australischen Englisch werden Wörter nicht nur anders ausgesprochen, sondern es gibt auch eine Reihe eigener Ausdrücke und anderer Besonderheiten. Wissen Sie etwa was ein "ambo" ist? Laut dem Australian National Dictionary Centre ein Sanitäter, die Abkürzung von "ambulance officer". Weiters heißt es auf der Website: "This is an abbreviation that follows a very common Australian pattern of word formation, with –o added to the abbreviated form. Other examples include: arvo (afternoon), Salvo (Salvation army officer), dermo (dermatologist), and gyno (gynaecologist)."

Bei australischem Englisch waren die Lernunterschiede im Vergleich zu jenen mit muttersprachlichen Untertiteln größer als bei schottischem Englisch - ein Hinweis darauf, dass ersteres für niederländische Ohren noch exotischer ist. Auffällig ist nach Angaben der Forscher auch, dass die Lernerfolge sowohl für bereits bekannte Phrasen als auch für die neuen gelten.

Wie man sich gewöhnt

"Wie funktioniert das Eingewöhnen an den ungewohnten Dialekt in der Fremdsprache? Nehmen wir ein Beispiel: Im australischen Englisch wird 'caveman' mit 'ai' ausgesprochen, das klingt wie 'caiveman'. Wenn man das mehrmals hört und die dazu passenden englischen Untertitel liest, ergibt sich bei den Zusehern der Schluss, dass Wörter mit 'a' tendenziell 'ai' ausgesprochen werden", so der Psychlinguist Holger Mitterer.

Damit erklärt sich auch, warum die Probanden im Versuch auch Wörter, die sie gar nicht zuvor gehört hatten, besser verstehen und wiederholen konnten.

Verarbeitungskonflikt im Gehirn

Die muttersprachlichen - in diesem Fall niederländischen - Untertitel sind zwar gut fürs Verständnis, sie lenken aber von der lautsprachlichen Ebene des Gesprochenen ab. Und genau die ist für das Erlernen der Sprache wesentlich. "Auch das Lesen der Untertitel ist lautsprachlich, und das steht in Konflikt mit dem Gehörten", so Mitterer.

Der Verarbeitungskonflikt im Gehirn führt dazu, dass muttersprachliche Untertitel den Spracherwerb stören. Beim australischen Englisch haben sie so stark abgelenkt, dass die Probanden nahezu gleiche Ergebnisse wie Mitglieder einer Kontrollgruppe erzielten, die beim Test überhaupt zum ersten Mal mit dem "Aussie-English" konfrontiert wurden.

Klare Untertitel-Empfehlung

Aus der Studie leitet Mitterer klare Empfehlungen ab: "Wenn Sie einen englischsprachigen Film auf DVD schauen, benutzen sie auch englischsprachige Untertitel. Das wird sich positiv auf ihre Sprachkenntnisse auswirken."

Kleine Einschränkung: Für Lernanfänger empfiehlt sich das natürlich nicht, denn sie würden vom Inhalt wenig mitbekommen. Ab welchem Kenntnisgrad die Untertitel zum Einsatz kommen sollen - das will Mitterer in einer Folgestudie klären.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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