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Grippeimpfstoff

H1N1-Sterblichkeit bei Älteren am höchsten

Eine retrospektive Analyse der ersten Schweinegrippe-Welle in Mexiko im Frühjahr dieses Jahres zeigt, dass junge Menschen zwar deutlich häufiger erkrankten als Ältere. Bei Letzteren gab es aber die meisten Todesfälle.

Schweinegrippe 12.11.2009

Die Studienautoren werteten dafür alle national verfügbaren Erkrankungsdaten von Ende April bis Ende Juli aus.

Erste Grippewelle in Mexiko

Erst im April war bekanntgeworden, dass ein bis dato unbekannter Subtyp des Grippevirus Influenza-A H1N1 identifiziert worden sei - die Erkrankung wurde unter den Namen Schweinegrippe bzw. "Neue Grippe" bekannt. Zwei US-Amerikaner waren daran erkrankt, sie hatten die Krankheit aus Mexiko mitgebracht.

Dort wurden zu diesem Zeitpunkt 18 Erkrankte registriert. Hier hatte die Grippe offenbar ihren Ausgang genommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte noch Ende des Monats vor einer drohenden Pandemie.

Ende September hatte die Krankheit weltweit bereits mehr als 4.100 Todesfälle verursacht. In Mexiko selbst waren es 146 Tote. Die Grippe hat sich mittlerweile in über 168 Länder ausgebreitet. Wie auch der momentane Ausbruch der Grippewelle hierzulande zeigt, sind weitere Untersuchungen über Ausbreitung, aber auch über mögliche Risiko- und Schutzfaktoren gefragt. Die mexikanischen Forscher rund um Victor Borja-Aburto haben nun die Daten der ersten Welle diesbezüglich analysiert.

Junge erkranken, Alte sterben

Die Studie "Infection and death from influenza A H1N1 virus in Mexico: a retrospective analysis" von Santiago Echevarría-Zuno et al. ist im "Lancet" erschienen.

Von 28. April bis 31. Juli traten in Mexiko 63.479 grippeartige Erkrankungen auf, 6.945 davon waren bestätigte H1N1-Fälle. 475 wurden stationär betreut, 63 von ihnen starben. 56 Prozent der Infizierten waren zwischen zehn und 39 Jahre alt. Die häufigsten Todesfälle gab es bei den über 70-Jährigen mit einer Todesrate von 10,3 Prozent. Bei den 30- bis 39-Jährigen lag die Rate nur bei zwei Prozent, bei Jüngeren noch deutlich darunter.

Eine Impfung gegen die saisonale Grippe reduzierte das Infektionsrisiko laut den Autoren um 35 Prozent. Ein langer Krankenhausaufenthalt erhöhte das Risiko zu sterben, jeder weitere Tag nach dem vierten Tag seit Ausbruch der Krankheit steigerte es um 20 Prozent. Chronische Krankheiten führten sogar zu einer Versechsfachung.

Besonderer Schutz für Schwangere

Sechs Prozent der Verstorbenen waren schwangere Frauen. Das sind etwas weniger als in den USA, dort waren es acht Prozent. Für diesen Unterschied gibt es laut den Autoren auch eine Erklärung: "In Mexiko wurden während des Höhepunkts der Pandemie alle schwangeren Arbeiterinnen nach Hause geschickt."

Die verstorbenen Schwangeren hätten weder Grippemedikamente in den ersten 48 Stunden bekommen, noch seien sie geimpft worden. Dabei gebe es keine Kontraindikation. Eine Impfung sollte daher erwogen werden.

Immunität durch Grippeimpfung

Zum Schutz durch die "normale" Grippeimpfung meinen die Mediziner: "Die mexikanische Bevölkerung wird seit 1977 gegen Grippe geimpft. Diese enthält auch H1N1-Komponenten, was die Immunität zusätzlich verbessert haben könnte."

Die hohe Infektionsrate unter den jungen Menschen könnte also nicht nur eine Folge ihres unterschiedlichen Alltagslebens sein, sondern auch damit zu tun haben, dass Ältere eine gewisse Immunität gegen das H1N1-Virus ausgebildet haben.

Öffentliche Maßnahmen sinnvoll

Die Analyse zeigte laut den Forschern auch, dass öffentliche Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung sinnvoll seien. Das heißt, das Schließen von Schulen und die Einschränkung von Massenveranstaltungen reduzierten nachweislich die Verbreitung.

Laut den Autoren ist es generell wesentlich, auch weiterhin alle Seucheninformationen zu sammeln und zu analysieren, auch wenn die Pandemie bis heute nicht das anfangs befürchtete historische Ausmaß erreicht habe. Das Virus entwickle sich dennoch weiter, und die Gefahr sei weltweit noch nicht gebannt.

science.ORF.at

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