Standort: science.ORF.at / Meldung: "Ozonloch schützte Antarktis vor Erwärmung"

Bläulich schimmernder Eisberg im Eismeer.

Ozonloch schützte Antarktis vor Erwärmung

Entgegen dem Trend der allgemeinen Klimaerwärmung sind die Temperaturen in Teilen der Antarktis in den vergangenen 30 Jahren sogar gesunken. Verantwortlich dafür ist das Ozonloch über dem Südpol - die "schützende Hand" wird es aber nicht mehr lange geben.

Klima 01.12.2009

"Für mich ist das Erstaunlichste der Nachweis, dass ein menschlicher Umwelteinfluss - das Ozonloch - den Großteil der Antarktis vor der globalen Erwärmung geschützt hat", erklärte John Turner vom British Antarctic Survey, leitender Redakteur eines internationalen Antarktis-Berichts.

Der Ausschuss für Antarktisforschung (Scientific Committee on Antarctic Research - SCAR) hat am Montag die Studie "Antarctic Climate Change and the Environment" veröffentlicht. Dabei handelt es sich den Autoren zufolge um den ersten umfassenden Bericht über den Stand des Klimas in der Antarktis und seine Beziehung zum globalen Klimasystem. Dieser fasse die neuesten Erkenntnisse von mehr als 100 weltweit führenden Wissenschaftlern aus 13 Ländern zusammen.

Der Grund liege in einer verstärkten Luftmassenströmung um die Antarktis herum, betonte das an der Studie beteiligte Alfred-Wegener-Institut. Diese habe "die treibhausgasbedingte Erwärmung mehr als kompensiert, so dass es netto zu der beobachteten Abkühlung kommt".

Dies müsse aber nicht so bleiben: Die erwartete Erholung des Ozonlochs bis etwa 2070 könne zu einer "Umkehr des Abkühlungstrends in der Antarktis" führen.

Bis 2100 wird es auch am Südpol wärmer

Die entsprechenden Prognosen sind wenig rosig: Schmelzendes Eis kann bis Ende des Jahrhunderts zu einem Anschwellen der Meeresspiegel von bis zu 1,4 Metern führen. Zudem droht die Temperatur am Südpol in diesem Zeitraum um drei Grad Celsius zu steigen.

Diese Erwärmung löse zwar nicht die Haupteisfläche auf. Gefahr drohe der Antarktis vielmehr von steigenden Temperaturen des Ozeans. Das wärmere Wasser zerstöre Eiswände, die ins Meer hineinragen und bislang als Barriere die Schmelze verzögerten, teilten die Wissenschaftler mit. Abgesehen von den Folgen für den weltweiten Meeresspiegel wirke sich die Erwärmung der Antarktis auch auf das Ökosystem der Region aus. Die Zahl der Pinguine gehe zurück, Muscheltiere seien bedroht.

Derzeit schrumpfe im westlichen Teil der Antarktis die Eisfläche stark, während sie in anderen Gegenden des Kontinents aufgrund des Ozonlocheffekts zuletzt wuchs.

science.ORF.at/APA/AP/dpa

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