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Sonnenflare

Die Sonne wird wieder aktiv

Seit 2006 lag unser Gestirn im "Sonnenfleckenschlaf". Seit kurzer Zeit sind aber wieder große Sonnenflecken auf ihr sichtbar: ein unverkennbares Zeichen für das Wiedererwachen der Sonnenaktivität, wie die beiden Astronomen David Kuhness und Werner Pötzi in einem Gastbeitrag schreiben.

Astronomie 05.02.2010

Wiedererwachen der Sonne

Von David Kuhness und Werner Pötzi

Porträtfotos der Astronomen David Kuhness und Werner Pötzi

privat

Werner Pötzi (links) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Observatorium Kanzelhöhe des Instituts für Geophysik, Astrophysik und Meteorologie der Karl-Franzens-Universität Graz und dort für die Sonnenbeobachtung und Datenverarbeitung zuständig. David Kuhness ist Student im Bereich Astrophysik am Institut für Physik der Karl-Franzens-Universität Graz.

Die Sonnenaktivität folgt in etwa einem elfjährigen Zyklus, in dem sich Zeiten hoher und niedriger Sonnenaktivität abwechseln. Mit dem aktuellen Auftauchen von Sonnenflecken beginnt der 24. Sonnenzyklus seit Beginn der systematischen Erfassung vor ca. 250 Jahren.

Laut den Berechnungen der NASA sollte das nächste Aktivitätsmaximum im Jahr 2013 stattfinden. Wegen der starken Schwankungen der Intensität der Aktivität der Sonne von einem Zyklus zum anderen ist eine Prognose, wann das nächste Aktivitätsmaximum tatsächlich sein wird, jedoch mit großer Unsicherheit behaftet.

Langes Sonnenfleckenminimum

Das eben vergangene Sonnenfleckenminimum begann im Jahr 2006 und zog wegen seiner langen Dauer bereits die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler auf sich. Beobachtungen am Observatorium Kanzelhöhe zeigen, dass die Dauer dieses Aktivitätsminimums mit Betrachtung der letzten Aktivitätszyklen durchaus etwas Außergewöhnliches darstellt.

In den Aufzeichnungen muss man mehr als 100 Jahre zurückblättern, um auf ein ähnlich langes und tiefes Sonnenfleckenminimum zu treffen. Dabei zeigt sich, dass die letzten Zyklen ungewöhnlich stark waren.

Kanzelhöhe ist idealer Beobachtungsort

Das Observatorium Kanzelhöhe der Universität Graz (IGAM) auf der Gerlitzen in Kärnten stellt einen international wichtigen Sonnenbeobachtungsstützpunkt dar und gehört einem wetlweiten Netzwerk von Sonnenobservatorien an. Im Jahr 2009 war die Kanzelhöhe der Ort mit den meisten Sonnenstunden in Österreich und ist somit ideal, um die Aktivität der Sonne zu dokumentieren.

Nun wieder große Flares

Sonnenflare im Vergleich zu Erde

Observatorium Kanzelhöhe der Universität Graz

Aufnahme vom Observatorium Kanzelhöhe der Uni Graz des ersten großen Flares seit mehr als zwei Jahren am 20.1.2010. Obwohl dieses Flare relativ klein ist, sind seine Dimensionen weitaus größer als die gesamte Erde (wie der Vergleich zeigt).

Am 20. Jänner wurden die ersten großen Flares seit mehr als zwei Jahren beobachtet. Flares zählen zu den stärksten Aktivitäten der Sonne in Form von hochenergetischer Sonnenstrahlung und der Beschleunigung von geladenen Teilchen auf Bruchteile der Lichtgeschwindigkeit. In Zusammenhang mit Flares treten auch koronale Massenauswürfe aus: riesige Wolken an magnetisierter Sonnenmaterie, die mit Millionen von km/h in den interplanetaren Raum katapultiert werden.

Gegenüberstellung 2010 - 2003

Gegenüberstellung der Sonnenflecken 2010 - 2003

Observatorium Kanzelhöhe der Universität Graz

Links: Aktuelle Weißlichtaufnahme der Sonne zu Beginn des neuen Zyklus mit noch recht kleinen Sonnenflecken (links oben). Rechts zum Vergleich: Weißlichtaufnahme der Sonne im Aktivitätsmaximum des letzten Zyklus 2003 mit mehreren großen Sonnenflecken. Aus der aktiven Region entstand zu dieser Zeit einer der stärksten Sonnenausbrüche, der je beobachtet wurde.

Flares und koronale Massenauswürfe sind die energiereichsten Ausbrüche in unserem Sonnensystem und können enorme Störungen unseres Weltraumwetters („space weather“) bewirken. Die Folge sind oft störende Auswirkungen auf Satellitenbahnen, Funkverkehr und GPS/Navigation und in höheren Breitengraden können als beobachtbares Naturschauspiel vermehrt Polarlichter sichtbar werden.

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