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Weinende Frau

Wer traurig ist, interessiert sich nicht für Neues

Schlechte Stimmung lässt Vertrautes in warmem und tröstlichem Licht erscheinen. Glücklich hingegen fühlt man sich zu Neuem hingezogen und Bekanntes erscheint langweilig. Das hat eine experimentelle Untersuchung ergeben.

Psychologie 10.02.2010

Ist Vertrautheit immer tröstlich?

Es zählt zu den klassischen psychologischen Beobachtungen, dass viele Menschen das Vertraute bevorzugen. Der englische Psychologe Edward Titchener bezeichnete dieses Phänomen schon vor 100 Jahren als "warmen Glanz des Vertrauten" (engl.: "the warm glow of familiarity"). Sowohl die Werbung als auch die Politik operiert daher gern mit bekannten und vertrauten Symbolen.

In ihrer aktuellen Studie wollten die Forscher rund um Piotr Winkielman von der University of California nun herausfinden, ob diese Präferenz für alle gleichermaßen gilt oder ob sie unter Umständen von der eigenen seelischen Verfassung abhängt.

"Wir vermuteten, dass der Wert der Vertrautheit vom Kontext bestimmt wird", so die Ko-Autorin Marieke de Vries. "Vertrautheit signalisiert Sicherheit, was in einer unsicheren Umgebung angenehm sein kann, in einer sicheren aber auch langweilig."

Emotionale und körperliche Reaktionen

In ihrem Experiment mussten die Teilnehmer zufällige sternenbildartige Punktmuster betrachten, die ihnen zum Teil durch häufigeres Betrachten vertraut wurden. Zuvor waren sie in gute oder schlechte Stimmung versetzt worden; das heißt, sie mussten sich an besonders traurige oder gute Momente in ihrem Leben erinnern.

Die emotionalen Reaktionen der Probanden auf die Muster wurden mittels subjektiver Ratings und physiologischer Messungen erfasst.

Glücklich wird Neues interessant

Wie von den Wissenschaftlern vermutet, zeigten die traurigen Testpersonen die klassische Präferenz für das Vertraute. Manche lächelten sogar, wenn sie ein ihnen bekanntes Muster erblickten. Bei gut gelaunten Menschen allerdings verschwand zumindest im Test diese Tendenz.

Die Schlussfolgerung von Winkielman: "Wenn man glücklich ist, verlieren bekannte und vertraute Dinge ihre Anziehung und werden langweilig." Neues hingegen werde attraktiv und interessant.

science.ORF.at

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