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Polymersäulen unter dem Elektronenmikroskop

Wissenschaft von ihrer schönsten Seite

Seit 2002 prämiert die US-Fachzeitschrift "Science" jährlich die besten Visualisierungen von Wissenschaft. Auch die Sieger von heuer können sich sehen lassen: Darunter befinden sich eine riesige Skulptur aus Lungenbläschen sowie spektakuläre Bilder von "Quallen-Burgern" und natürlichen Solarzellen.

Kunstwettbewerb 18.02.2010

Alle Siegerbilder und viele weitere Aufnahmen sind auf der Website von "Science" in einem Spezialbereich zur Visualization Challenge 2009 zu sehen.

Lungenbläschen bei der Arbeit

Lungenbläschen bei der Arbeit

Peter Lloyd Jones, Andrew Lucia, Annette Fierro, und Jenny E. Sabin, University of Pennsylvania's Sabin + Jones Lab Studio

Lungenzellen

Das ist das Siegerbild im Bereich "Illustrationen", das auch das Cover des aktuellen "Science" ziert: Es drückt die Kräfte aus, die Lungenzellen auf ihre Umgebung ausüben, wenn sie sich zu Kapillaren formen.

Bei "Branching Morphogenesis", handelt es sich um eine dreieinhalb Meter große Skulptur des Biologen Peter Lloyd Jones und der Architektin Jenny Sabin, das umfangreiche und komplexe Datensammlungen veranschaulicht - in dem Fall von Endothelzellen in der Lunge, die gegen die Proteinmatrix der Umgebung drücken.

"Die Skulptur zeigt nicht nur die innere Schönheit und Komplexität der Interaktion von Zellen und ihrer Umgebung, sondern versucht auch die Kräfte darzustellen, die dabei ausgeübt werden", erklärt Peter Lloyd Jones.

Bald Quallenburger statt Hamburger

Quallen-Burger statt Hamburger

Dave Beck und Jennifer Jacquet, Clarkson University

Quallenburger

Wenn wir nicht besser mit der Natur umgehen, wird es bald nur noch Quallenburger statt Hamburger zum Essen geben. Diese Aussage hat der Künstler Dave Beck ins Bild gesetzt und damit eine lobende Erwähnung der Wettbewerbsjury erhalten

"Überfischung hat die Feinde der Quallen reduziert, und der Klimawandel hat die Ozeantemperaturen erhöht. Quallen gedeihen prächtig in leeren, wärmeren Ozeanen. Ohne Änderungen der globalen Fischereirichtlinien werden die Meeresfrüchte in Zukunft gummiartig sein - der Quallenburger ist so nah dran, Realität zu werden, dass wir ihn schon schmecken können..."

Mit diesen Worten überschreiben die Meeresforscherin Jennifer Jacquet und Digitalkünstler Dave Beck einen Burger, der außer Tomate, Zwiebel und Salatblatt auch eine eklig-graue Qualle enthält. "Ich wollte, dass es beides wird: witzig und beängstigend", sagt Beck über sein Werk. Oberstes Ziel sei, die Menschen so zu lenken, dass sie nicht so sehr auf das Bild blicken, sondern über das größere Problem nachdenken.

Für Solarzellen zurück in die Zukunft

Für Solarzellen zurück in die Zukunft

Mario De Stefano, Antonia Auletta, Carla Langella, Zweite Universität in Neapel

Natürliche Solarzellen

Vor Millionen von Jahren baute die Natur bereits Solarzellen. "Lasst uns dieser Führung nun folgen", erklärt der Meeresbiologe Mario de Stefano von der Zweiten Universität in Neapel. Er und sein Team haben mikroskopisch kleine Kieselalgen analysiert und glauben, dass ihre Struktur ein Vorbild für neue Solarflächen sein könnte.

Im Vordergrund sind elektronenmikroskopische Aufnahmen von Algen (Licmophora flabellata) zu sehen, die sich an ein Sandkorn geheftet haben. Jede Zelle ist ein flacher Keil mit glasähnlichen Wänden, um möglichst viel Licht einzufangen.

Im Hintergrund sind computergenerierte Bilder zu sehen. Das Team um De Stefano arbeitet bereits an solchen Solargebilden, um eines Tages womöglich Straßenlampen herzustellen.

Meditation über Euklid

Meditation über Euklid

Richard Palais und Luc Benard, University of California in Irvine

Euklid denken

In der ebenfalls prämierten Illustration "Kuen's Surface: A Meditation on Euclid, Lobachevsky, and Quantum Fields" wird versucht, die Geschichte des vom Mathematiker Euklid aufgeworfenen Parallelenproblems darzustellen.

Die Lösung bzw. Nichtlösung des Problems durch Nikolai Lobatschewski führte zur modernen Geometrie und ist in der heutigen Quantentheorie von Interesse - hier symbolisch dargestellt durch den Mathematiker Richard Palais von der University of California in Irvine und den Grafiker Luc Benard.

Nanofasern in Selbstorganisation

Nanofasern in Selbstorganisation

Sung Hoon Kang, Boaz Pokroy, and Joanna Aizenberg, Harvard University

Selbstorganisierende Nanofasern

Die Materialwissenschaftlerin Joanna Aizenberg von der Harvard University und Kollegen arbeiten an Polymeren, die sich selbst zusammenfügen und energieeffizient sind. Auf dem Gewinnerbild in der Kategorie "Fotografie" sind Kunststofffasern zu sehen mit einem Durchmesser von 250 Nanometern, die sich spontan um einen winzigen Plastikball wickeln, sobald sie in eine verdunstende Flüssigkeit getaucht werden.

Das Self-Assembling wurde im Vorjahr in einer Studie in "Science" vorgestellt, das Bild mit Hilfe eines Rasterelektronenmikroskops aufgenommen und digital eingefärbt.

Flower Power, Mikroben und Selbstbefruchtung

Zehn Mikrometer hohe Polymersäulen; in der Mitte sind salzanziehende Mikroben; Ackerschmalwand bei der Selbstbefruchtung.

Russell Taylor, Briana K. Whitaker, und Briana L. Carstens, University of North Carolina; Michael P. Zach, University of Wisconsin; Heiti Paves und Birger Ilau, Tallinn University of Technology

Mikroblumen, Mikroben, Ackerschmalwand

Die drei letzten Bilder in der Kategorie "Fotografie" wurden von der Jury lobend erwähnt. Das Blumenarrangement ganz links sind kollabierte zehn Mikrometer hohe Polymersäulen unter dem Elektronenmikroskop, in der Mitte sind salzanziehende Mikroben in der Wüste zu sehen, rechts eine Ackerschmalwand bei der Selbstbefruchtung.

science.ORF.at/dpa

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