Standort: science.ORF.at / Meldung: "Sind Sonderschulen menschenrechtswidrig? "

Sind Sonderschulen menschenrechtswidrig?

Der Monitoringausschuss, der die Einhaltung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen überwacht, erachtet Sonderschulen als menschenrechtswidrig und fordert deren Abschaffung.

Bildung 07.04.2010

Dies ist ein Punkt der Stellungnahme des unabhängigen Monitoringausschusses, der im Rahmen seiner zweiten öffentlichen Sitzung Ende April diskutiert werden soll.

Neues Bildungssystem gefordert

Bildung ist ein Menschenrecht. Um dieses Menschenrecht allen zu gewähren, muss sich das Bildungssystem ändern - fordert jenes ExpertInnen-Gremium, das überwacht ob in Österreich die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen eingehalten wird. Vorsitzende des unabhängigen Monitoringausschusses ist Marianne Schulze.

"Menschen mit Behinderungen werden aus der allgemeinen Bildung ausgeschlossen, weil es soziale Barrieren gibt - nicht nur physische Barrieren, sondern vor allem Vorurteile und Stereotypen, die dazu führen, dass Menschen mit Behinderungen als anders gesehen werden, anders behandelt werden und deshalb keinen Zugang haben zur gesellschaftspolitischen Mitte und damit auch zu allgemeinen Bildungseinrichtungen," so Schulze gegenüber science.ORF.at

"Das ist eine Diskriminierung einzig aufgrund des Merkmals einer Beeinträchtigung bzw. einer Behinderung. Und das verletzt die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen."

"Inklusive Bildung"

Konkret befasst sich Artikel 24 der UN-Konvention mit der inklusiven Bildung, also Bildung zugänglich alle. "Im Fall von Bildung wird ein gravierendes Problem offenkundig: dass Menschen mit Behinderungen - besonders Kinder mit Behinderungen - separat/ segregiert unterrichtet werden.

Das widerspricht der Konvention - deshalb sieht sich der Monitoringausschuss v.a. auch in der moralischen Verantwortung, das aufzuzeigen und eine Forderung zu stellen, dass das Bildungssystem für Menschen mit Behinderungen und andere soziale Gruppen, die ausgegrenzt werden, zugänglich gemacht wird. Was auch zur Folge hat, dass die Sonderschulen als solche abzuschaffen sind“, so Schulze.

Das Bildungssystem müsse sich ändern - steht im Entwurf einer entsprechenden Stellungnahme; diese soll am 28. April diskutiert werden. An diesem Tag lädt der Monitoringausschuss gemeinsam mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer zu einer öffentlichen Sitzung ins Parlament. Abgesehen von Interessensverbänden erhofft man sich bis dahin Reaktionen von den zuständigen Ministerien - also Bildung, Wissenschaft, Soziales, Familie - sowie von den Ländern.

Barbara Daser, Ö1 Wissenschaft