Standort: science.ORF.at / Meldung: "Zu viel Fernsehen schadet Kindern nachhaltig"

Ein Kind sieht fern, einen Western.

Zu viel Fernsehen schadet Kindern nachhaltig

Wenn Kleinkinder viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, wirkt sich das langfristig negativ aus. Mit zehn Jahren haben sie in der Schule eher Probleme, ernähren sich schlechter und sind auch eher übergewichtig als ihre Altersgenossen.

Medizin 04.05.2010

Kinder, die mehr als zwei Stunden pro Tag fernsehen durften, neigen auch als Zehnjährige noch zu weniger Bewegung und hatten speziell mit Mathematik Schwierigkeiten, heißt es in einer kanadischen Langzeitstudie.

Die Studie "Prospective Associations Between Early Childhood Television Exposure and Academic, Psychosocial, and Physical Well-being by Middle Childhood" ist in den "Archives of Pediatric & Adolescent Medicine" (Bd. 164, S. 425) erschienen.

Entscheidende Phase für Gehirnentwicklung

"Die frühe Kindheit ist eine entscheidende Zeit für die Entwicklung des Gehirns und die Entstehung von Verhalten", erläuterte die Psychologin Linda S. Pagani von der Universität Montreal. Gemeinsam mit Kollegen verfolgte sie den Werdegang von 1.314 Kindern, die an der Quebec Longitudinal Study of Child Development teilnahmen. Dazu ließen sie die Eltern Tagebuch über den TV-Konsum ihrer Kleinen im Alter von 29 bis 53 Monaten (rund zweieinhalb bis viereinhalb Jahren) führen.

Jahre später baten die Forscher die Lehrer ihrer inzwischen zehnjährigen Probanden um einen ausführlichen Bericht über deren Verhalten und Leistungen in der Schule. Daraus ergab sich, dass die Schüler, die als Zwei- bis Vierjährige mehr als zwei Stunden am Tag ferngesehen hatten, sich durchschnittlich sieben Prozent weniger in der Klasse meldeten und ihren Mitschülern in Mathe hinterherhinkten.

Unterschiede zu Wenigschauern

Besonders auffällig war, dass die Vielschauer mehr Probleme mit ihren Klassenkameraden hatten und häufiger gehänselt, zurückgewiesen oder auch angegriffen wurden. Darüber hinaus waren sie am Wochenende 13 Prozent weniger aktiv und betätigten sich insgesamt neun Prozent weniger sportlich. Sie naschten zehn Prozent mehr zwischen den Mahlzeiten und wogen schon als Zehnjährige fünf Prozent mehr.

"Unsere Studienergebnisse liefern überzeugende Argumente gegen exzessives Fernsehen in der frühen Kindheit", sagte Pagani. Eltern sollten ihr zufolge den entsprechenden Richtlinien der amerikanischen Akademie für Kindermedizin folgen: Diese empfehlen so wenig wie möglich TV-Konsum für Kinder unter zwei Jahren, für Kinder generell nicht mehr als zwei Stunden täglich.

science.ORF.at/APA/dpa

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