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Porträt von Wolfgang Amadeus Mozart

Den "Mozart-Effekt" gibt es nicht

Seit seiner "Entdeckung" 1993 gilt er als umstritten: der "Mozart-Effekt", wonach das Hören von Musik Mozarts intelligenzsteigernde Effekte habe. Nach der bisher größten Meta-Analyse bezeichnen ihn nun Wiener Psychologen als Mythos.

Psychologie 04.05.2010

Ein Forschungsteam um Jakob Pietschnig vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung der Uni Wien hat dazu 39 bisher durchgeführte Studien zu diesem Thema mit mehr als 3.000 Testpersonen untersucht.

Dabei ließ sich kein musikspezifischer Effekt auf das Raumvorstellungsvermögen nachweisen, teilte die Hochschule am Dienstag in einer Aussendung mit.

Umstritten seit 1993

1993 hatte die US-Psychologin Frances H. Rauscher im Fachmagazin "Nature" eine Arbeit über verbesserte Leistungen bei Intelligenztests nach dem Hören von Mozarts Musik publiziert. Demnach habe das Hören der 1781 von Mozart komponierten Sonate für zwei Klaviere in D-Dur (KV 448) kurzfristig leistungssteigernde Wirkungen auf die Raumvorstellung.

Der wissenschaftliche Artikel fand enormen Anklang: Mozarts Musik wurde als Wundermittel zur Steigerung des IQ von Kindern gefeiert. Einzelne US-Bundesstaaten veranlassten, dass jede Mutter eines Neugeborenen eine Klassik-CD kostenlos erhält. Mit dem Namen "Mozart-Effekt", den sich später Trittbrettfahrer sogar patentieren ließen, ließen sich trefflich Geschäfte machen.

Jedenfalls hat Rauschers Studie dazu geführt, dass von Wissenschaftlern unterschiedlichster Fachgebiete die Wirkung von Musik auf Mensch und Tier untersucht wurden - mit unterschiedlichsten Ergebnissen.

Mozart ist schön, macht aber nicht intelligenter

Die Studie von Jakob Pietschnig et al. in der Fachzeitschrift "Intelligence": " Mozart effect–Shmozart effect: A meta-analysis"

Die ursprünglich von Rauscher konstatierten Resultate wurden jedenfalls bei der von den Wiener Forschern Jakob Pietschnig, Martin Voracek und Anton K. Formann durchgeführten Meta-Analyse nicht bestätigt. Sie haben dazu die Ergebnisse von 39 Studien zu diesem Thema statistisch untersucht, ihre Arbeiten wurden nun in der Fachzeitschrift "Intelligence" veröffentlicht.

"Ich empfehle jedem, Mozarts Musik zu hören, aber die Erwartung, dadurch eine Steigerung der eigenen kognitiven Leistungsfähigkeit zu erzielen, ist nicht erfüllbar", erklärt Pietschnig.

Die Wissenschaftler entlarvten damit den "Mozart-Effekt" als Mythos - der auch von US-Psychologen kürzlich an die sechste Stelle der 50 größten Mythen der populären Psychologie gereiht wurde ("50 Great Myths of Popular Psychology" von Scott Lilienfeld). An erster Stelle steht dabei übrigens die Ansicht, dass wir nur zehn Prozent unseres Gehirns tatsächlich nutzen.

science.ORF.at/APA

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