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Mensch schnupft Kokain von einem Spiegel

Warum nicht alle süchtig werden

Während manche den Konsum von Drogen unter Kontrolle haben, entwickeln andere eine Abhängigkeit, die sie nie wieder los werden. Eine Studie an Ratten liefert dafür eine mögliche Erklärung: Das Gehirn der abhängigen Tiere ist weniger flexibel.

Suchtverhalten 25.06.2010

Plastizität des Gehirns geht verloren

Auch Tiere konsumieren Drogen, wenn man sie ihnen anbietet. Schon 2004 konnte das Team rund um Pier Vincenzo Piazza von der Université de Bordeaux feststellen, dass manche Ratten ähnliche Verhaltensweisen zeigen wie süchtige Menschen, wenn sie Zugang zu Kokain bekommen, während andere die Drogen nur in Maßen konsumieren.

In ihrer aktuellen Studie beobachteten die Forscher, dass Kokain zu Beginn bei allen Nagern die gleiche Wirkung im Gehirn hatte: Es verändert einen wesentlichen kognitiven Mechanismus, der für die Stärkung und Schwächung von Verbindungen zwischen Nervenzellen zuständig ist, also einen Teil der Plastizität des Gehirns ausmacht.

Diese sogenannte Langzeit-Potenzierung bzw. -Depression spielt auch beim Lernen eine wesentliche Rolle. Das Gehirn kann sich dadurch immer wieder an neue Umgebungen anpassen.

Möglicher Therapieansatz

Zu Beginn des Drogenkonsums verschwand die Langzeit-Depression bei allen Ratten. Bei jenen, die nach zwei Monaten ein typisches abhängiges Verhalten zeigten, blieb sie weiter beeinträchtigt. Bei den anderen Tieren, die ihren Verbrauch unter Kontrolle hatten, kehrte die Funktionalität hingegen wieder zurück. Offensichtlich verfügen sie über die Fähigkeit, der Beeinträchtigung durch das Kokain entgegenzuwirken.

Die Forscher vermuten, dass die fehlende neuronale Plastizität den suchtkranken Individuen das Loskommen von der Droge erschwert. "Möglicherweise findet sich im Gehirn der nicht suchtgefährdeten Konsumenten der Schlüssel zu einer neuen Suchtbehandlung", so die Autoren.

science.ORF.at

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