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Zwei Paviane kuscheln aneinander

Paviane: Freundinnen verlängern Leben

Menschen mit stabilen Freundschaften sind gesünder und werden auch älter. Ähnliches gilt laut einer neuen Studie auch für weibliche Paviane. Der Hang zu beständigen Sozialbeziehungen scheint somit eine lange Vorgeschichte zu haben.

Verhaltensforschung 01.07.2010

Diesen Schluss ziehen die Anthropologin Joan B. Silk von der University of California in Los Angeles und Kolleginnen in ihrer in "Current Biology" veröffentlichten Arbeit.

Pavianinnen müsste man sein

"Freundinnen müsste man sein", sang der deutsche Liedermacher Funny van Dannen vor 15 Jahren und karikierte darin das Bild der "besten Freundin", mit der man bzw. frau alles machen und bereden könne.


Funny van Dannen: Freundinnen

Während die in dem Lied beschworene Freundinnenschaft an ihre Grenzen stößt, sobald ein beide interessierender Mann ins Leben tritt, sind stabile Sozialbeziehungen für den Menschen ganz allgemein äußerst wichtig - nicht zuletzt für den Gesundheitszustand, wie bereits zahlreiche Studien nachgewiesen haben.

Um nur zwei zu nennen: Bei der Untersuchung von Angestellten eines französischen Energiekonzerns zeigten sozial gering integrierte Männer in einem bestimmten Zeitraum ein viermal höheres Sterblichkeitsrisiko als Geschlechtsgenossen, die besonders integriert waren. Laut einer anderen Studie wirken sich Freunde besonders bei sehr alten Menschen lebensverlängernd aus, und zwar wesentlich stärker als Verwandte.

Affen in Botswana untersucht

Dass dieses Phänomen eine gesunde evolutionäre Basis hat, zeigt das Forschungsprojekt von Joan B. Silk und ihren Kolleginnen. Zwischen 2001 und 2007 haben sie eine Gruppe von Pavianen im Moremi-Wildreservat am Delta des Okavango im südafrikanischen Staat Botswana beobachtet.

Im Durchschnitt hielten sich in den sieben Jahren 27 Weibchen in der Gruppe auf, der Grad ihrer Freundinnenschaft stand im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Im Gegensatz zu Menschen ist dieser relativ einfach und einschlägig zu ermitteln: Als Freundschaftsbeweis gilt in erster Linie die gegenseitige Fellpflege der Individuen.

Diese wiederum aber ist komplex, weshalb die Forscherinnen sowohl den Beginn der Fellpflege als auch die Anzahl und Länge der jeweiligen Pflegesitzungen in Betracht gezogen haben. Daraus berechneten sie die Top-3-Freundinnen pro Jahr und verglichen die Änderungen dieser Rangliste über den Untersuchungszeitraum.

Beziehungsqualität wichtiger als Sozialrang

Mantelpaviane kuscheln

dpa/dpaweb/dpa/Frank Leonhardt

Mantelpaviane beim Kuscheln

Es zeigte sich ein starker Zusammenhang zwischen der Stabilität der Freundschaften und dem Gesundheitszustand der Paviane - zumindestens bei den weiblichen, männliche wurden nicht untersucht: Exemplare, die ihre besten Freundinnen über Jahre beibehielten, bekamen mehr gesunden Nachwuchs und lebten selbst auch länger.

Dieser Zusammenhang ist wichtiger als die Position in der Sozialhierarchie. Zwar leben auch dominante Weibchen tendenziell länger, Freundschaft wirkt sich aber stärker positiv aus. "Wenn man davon ausgeht, dass dominante Weibchen besseren Zugang zu Futter haben, hätte man annehmen können, dass der Sozialrang der wichtigste Faktor für die Lebenserwartung ist", sagt die Biologin Dorothy Cheney, eine Ko-Autorin der Studie von der University of Pennsylvania.

"Unsere Ergebnisse legen aber nahe, dass die Qualität der Sozialbeziehungen der Weibchen wichtiger ist. Sie können damit offenbar einige der Wettbewerbsnachteile, die sie gegenüber dominanten Tieren haben, ausgleichen."

Dauerhafte Sozialkontakte bevorzugt

Befreundete Äffinnen müssen nicht notwendigerweise miteinander verwandt sein, wichtiger ist die Stabilität der Beziehung, berichten die Forscherinnen. Da die meisten Tiere als Beute natürlicher Feinde ums Leben kommen, könnte auch simples Glück die unterschiedlichen Lebensdauern erklären: Tut es aber nicht, versichern Joan Silk und ihre Kolleginnen.

In knapp 80 Prozent aller Fälle, in denen die Freundin von einem zum nächsten Jahr gewechselt wurde, war diese immer noch Teil der Gruppe. Nicht wenige Tiere bevorzugen also dauerhafte Sozialkontakte - ein Merkmal, das sich ob seiner Fitnessvorteile in der natürlichen Selektion herauskristallisiert haben könnte.

Wie beim Menschen

Warum sich die lebensverlängernden Effekte einstellen, wissen die Forscherinnen nicht genau. Eine nahe liegende, und durch frühere Studien belegbare These ist aber, dass Tiere mit stabilen Sozialbeziehungen weniger Stress haben. Das deckt sich mit den erwähnten Gesundheitsstudien bei Menschen, bei denen sich weniger Stress positiv auf Herz, Gefäße und Immunsystem auswirkt.

"Freunde sind für uns wichtig und für weibliche Paviane, vielleicht sogar aus den gleichen Gründen", meint Joan Silk. "Unsere Erkenntnisse sind jenen über Menschen verblüffend ähnlich. Wir vermuten, dass unser Bestreben, enge und dauerhafte Beziehungen zu knüpfen, eine lange Geschichte der Evolution hat."

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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