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Zwei Fiakerpferde, im Hintergrund der Wiener Stephansdom

Studienobjekt: Fiaker

"Die Fiaker könnte man als gesellschaftliche Minderheit bezeichnen, die Schutz braucht." Zu diesem Schluss kommt die Stadtpsychologin Cornelia Ehmayer. Sie hat das Leben der Wiener Fiaker nun im Rahmen einer Studie untersucht.

Stadtpsychologie 13.07.2010

"Mir tun die Pferde leid"

Ehmayer hat in ihrer gut einjährigen Untersuchung Interviews mit 34 der rund 100 aktiven Fiaker geführt und via Internetumfrage die Stimmung von 340 Wienern bezüglich ihrer Pferdekutschen erhoben. Demnach stimmten 40 Prozent der Befragten der Aussage zu "Mir tun die Pferde leid". Die mit 17 Prozent zweithäufigste Zustimmung erhielt der Satz: "Wien wäre nicht Wien ohne die Fiaker". "Das Bild der Fiaker ist nicht immer ein positives", konstatiert Ehmayer.

Ihrer Selbsteinschätzung zufolge ist die Bedeutung der Fiaker für die Touristen hoch - für die Wiener hingegen nur mittelmäßig. Ein Grund für ihren schlechten Ruf sei der ökonomische Druck, durch den sich etwa unter den Fiakern Mobbing entwickle, vermutet Ehmayer. Dadurch sei es auch noch nicht zu einer schlagkräftigen Vereinigung der Fuhrunternehmer gekommen: "Natürlich sind die Fiaker keine Engel."

Allerdings gingen die positiven Entwicklungen wegen der schlechten Presse oftmals unter. Schließlich würde die überwiegende Mehrheit der befragten Fiaker ihren Beruf lieben.

"Das haben wir seit 400 Jahren"

Zu diesen gehört Fiaker-Unternehmerin Martina Michelfeit, die mit ihrem Betrieb "Chamotte-Fabrik" den Rahmen für die Studienpräsentation stellte: "Unsere Kunden sind die Touristen, die das Klischee-Wien kaufen." Das Geschäft mit den Wienern zur Firmung, zu Hochzeiten oder zum Begräbnis sei beinahe gänzlich verschwunden - genauso wie der Alkoholismus unter den Lenkern, der früher tatsächlich ein virulenteres Problem gewesen sei.

Ihre Forderung sei, dass die schwarzen Schafe unter den Pferdehaltern stärker bestraft werden müssten. Ansonsten mahnt Michelfeit in der Diskussion um ihre Zunft zur Gelassenheit: "Wenn man sich das anschaut: Das haben wir seit 400 Jahren."

Psychologie und Hundehaufen

Das Fiaker-Projekt ist die vierte Wienstudie von Stadtpsychologin Ehmayer. Begonnen hatte sie mit dem Verzieren von Hundehaufen mit kleinen Fähnchen, um ein Umdenken bei Hundehaltern zu erreichen. 2003 präsentierte sie das "Wesen Wien" als Ergebnis einer Studie und 2007 widmete sie sich in einer breiten Befragung dem Donaukanal.

science.ORF.at/APA

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