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Ein Teilnehmer der japanischen Börse in Tokio schlägt sich nach einem Kursverlust vor den Kopf.

Finanzkrise: Alles weiter wie bisher

Die Verantwortlichen der jüngsten Finanzkrise sind bisher kaum belangt worden. Spekulationen aller Art sind nach wie vor gang und gäbe. Banken versprechen immer noch sagenhafte Renditen, die keinen realen Wertsteigerungen entsprechen, schreibt Heiner Flassbeck in einem Gastbeitrag.

Forum Alpbach 2010 13.08.2010

Der Ökonom der Vereinten Nationen leitet beim Europäischen Forum Alpbach 2010 ein Seminar zu dem Thema.

Finanzkrise und kein Ende

Von Heiner Flassbeck

Über den Autor

Porträtfoto des Wirtschaftswissenschaftlers Heiner Flassbeck

Heiner Flassbeck

Heiner Flassbeck ist Wirtschaftswissenschaftler und Direktor der Abteilung für Globalisierung und Entwicklungsstrategien bei der UNCTAD (Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung) in Genf.

Die große Krise der globalen Finanzen ist keineswegs zu Ende. Sie hat nur eine Pause eingelegt. Die Staaten haben zwar Notmaßnahmen ergriffen und die reale Wirtschaft stabilisiert, aber da die Politik in den meisten Ländern noch nicht einmal im Ansatz begriffen hat, was da eigentlich passiert ist, schwelt der Brand weiter und kann jederzeit neu ausbrechen.

Was ist geschehen? Es gab offensichtlich eine große Katastrophe, es gibt aber keine Schuldigen. War es eine Naturkatastrophe? Bisher ist nur ein einziger Banker rechtskräftig verurteilt worden. In New York wurde Bernard Madoff zu hundertfünfzig Jahre Gefängnis verurteilt worden, weil er etwa 65 Milliarden Dollar veruntreut hat. Was ist eigentlich mit den anderen 3.000 Milliarden passiert, die in der Krise untergegangen sind? Waren die anders und besser angelegt?

Verbotenes Schneeballsystem

Schon hier dringen wir zum Kern der Moral der Börsen vor, mit der sich Oswald von Nell-Breuning schon vor der letzten großen Krise im Jahr 1928 befasst hat. Was war in der Sache so anders zwischen dem, was Herr Madoff gemacht hat, verglichen mit den anderen Bankern, den "richtigen" Bankern sozusagen, oder den Investmentbankern und den übrigen Spielern in den globalen Kasinos?

Nun, Herr Madoff hat ein einfaches Spiel gespielt, ein sehr einfaches Spiel, das man in der deutschen Sprache "Schneeballsystem" und in Englisch "Ponzi-game" nennt, nach einem italienischstämmigen Betrüger in den USA der 20er Jahre. Das sind Spiele, bei denen man Leute mithilfe eines besonders attraktiven Renditeversprechens bittet, Geld in einen Topf zu geben, um - das ist das Versprechen - dieses Geld besonders Ertrag bringend anzulegen.

Das ist nicht verboten. Ein Verbrechen wird daraus erst, wenn man die versprochene Rendite gar nicht durch wirkliche Investitionen in Sachanlagen oder sonstige stabile Finanzanlagen erzielt, sondern und immer mehr Leute darum bittet, Geld zu geben, mit dem man dann die Rendite für die ersten Teilnehmer bezahlt. Irgendwann bricht das Schneeballsystem zusammen und alle wissen ganz genau, dass der Mensch, der es organisierte, ein Betrüger war und ins Gefängnis muss.

Wo ist der Unterschied zu 25 Prozent Rendite?

Seminar beim Forum Alpbach:

Heiner Flassbeck leitet gemeinsam mit Susan Schadler beim Europäischen Forum Alpbach 2010 das Seminar "Economic Theory and Economic Policy in Crisis?" (20.-25.8.2010). science.ORF.at stellt dieses und weitere Seminare in Form von Gastbeiträgen vor.

Folglich gewinnen die Ersten und die Letzten verlieren. Ist das ganz anders als bei den normalen Versprechen, die an den Kapitalmärkten abgegeben werden? Gibt es nicht scheinbar seriöse Banker, die immer noch oder schon wieder 25 Prozent Rendite versprechen? Machen die etwas fundamental anderes? Wird nicht auch dort Geld gesammelt, investiert und in der Krise verloren, wenn man nicht rechtzeitig aus seiner "Investition" aussteigt?

In der Tat, auch an den normalen legalen Finanzmärkten wird Geld hereingenommen und in verschiedenen Märkten angelegt. Man legt es in amerikanischen Hauspreispapieren an, in Derivaten von Rohstoffen, in Währungen oder in Aktien. Doch was geschieht dann? Woher kommen die Erträge für diese "Investition"? Kommen sie aus Erträgen von Investitionen in Sachkapital? Ist folglich der Ertrag, den Investmentbanker und Hedgefonds erzielen, realer Ertrag im Sinne von durch produktive Investitionen erwirtschaftetem Ertrag?

Offenbar könnten wir nur dann, wenn es Erträge aus produktiven Investitionen oder sicheren langfristigen Anlagen wie Staatsanleihen gewesen wären, zu Recht sagen, es war kein Ponzi-game.

Zwei Prozent Wachstum, zwei Prozent Rendite

Ö1 Hinweise:

Eine Reihe von Sendungen begleiten das Europäische Forum Alpbach 2010 in Ö1. Die Technologiegespräche stehen im Mittelpunkt von Beiträgen in den Journalen, in Wissen aktuell und in den Dimensionen (Freitag, 27.8., und Montag, 30.8, 19.06 Uhr).

Mitglieder des Ö1 Club erhalten beim Europäischen Forum Alpbach eine Ermäßigung von zehn Prozent.

Wie aber erzielen die Kunden der Bank mit produktiven Investitionen auf Dauer die 25 Prozent Rendite, die anscheinend alle Banken "brauchen", um ihre Eigenkapitalgeber, ihre Aktionäre zu befriedigen? Gesamtwirtschaftlich gesehen gibt es ja nur Kapital und keine Trennung von Eigen- und Fremdkapital, was bedeutet, dass man generell sehr hohe Renditen auf Kapital erzielen muss, will ein großer Akteur systematisch und auf lange Zeit 25 Prozent Eigenkapitalrendite erzielen.

Bei zwei Prozent realem Wachstum erzielt nämlich auch Kapital insgesamt nur zwei Prozent "nationale Dividende", und das auch nur dann, wenn die Arbeitnehmer sich ebenfalls mit zwei Prozent zufriedengeben.

Glaube an Wertsteigerung steigert "Werte"

Welchen anderen Ertrag kennt eine Volkswirtschaft als den, der sich aus Investitionen in Sachanlagen ergibt? Wird an den Finanzmärkten ein Spiel gespielt, bei dem es auf die Rendite von Sachanlagen gar nicht ankommt? Setzt man gar nicht auf die Dividende (oder den Zins), die man mit einer Anlage auf lange Sicht erzielen kann, sondern von vorneherein auf einen steigenden Preis der Anlage selbst?

Es ist aber offensichtlich: Wenn viele Leute mit viel anlagebereitem Geld glauben, dass die Aktienkurse steigen und daraufhin große Summen in Aktien investieren, dann steigen tatsächlich die Aktienkurse genau deswegen, weil so viele das glauben. Wenn aber der "Wert" eines Unternehmens an der Börse innerhalb eines halben Jahres um 100 Prozent steigt, ist dann der wirkliche Wert dieses Unternehmens im Sinne seiner Produktivkraft oder seiner Wettbewerbsfähigkeit notwendigerweise auch um 100 Prozent gestiegen?

Oder erhöhen sich, wenn viele Leute ihr Geld in Rohstofffutures anlegen und dabei die Rohstoffpreise steigen, Werte, außer, dass die Produzenten von Rohstoffen reicher und die Konsumenten um genau gleich viel ärmer werden? Dadurch ist mit Sicherheit auf dieser Welt kein Wert entstanden! Oder sind dadurch Werte entstanden, dass viele amerikanische Bürger, die sich eigentlich keine Häuser leisten konnten, Häuser auf Pump gekauft und später wieder verloren haben?

Beispiel Währungsspekulation

Das beste Beispiel für die Fragwürdigkeit der "Investition" in solche Finanzanlagen sind Währungen. Eigentlich kann eine Anlage in fremder Währung, für sich genommen, keinen Ertrag erbringen. Es ist ja nur der Tausch von Geld gegen Geld. Wer Aktien in einem anderen Land kauft, muss zwar auch in die fremde Währung tauschen, aber er hofft ja vielleicht auf Dividende.

Das Währungsgeschäft an sich ist nur die Verfügung über ein anderes Geld, das im Prinzip genauso wenig gewinnbringend sein sollte, wie das Halten des eigenen Geldes. Es ist auch sofort klar, dass das Halten von Geld selbst dann nicht gewinnbringend sein sollte, wenn man es kurzfristig auf einem Konto deponiert. Selbst wenn man dafür einen Zins kassiert, darf der nicht höher sein als im eigenen Land und sollte nahe Null liegen, weil ein höherer Zins in einem anderen Land ja nur ein höheres Inflationsrisiko dort signalisieren könnte.

Und wenn es dort ein höheres Inflationsrisiko gibt, sollte sich das systematisch in einem entsprechenden Währungsrisiko niederschlagen. So zeigt allein die Tatsache, dass Währungsspekulation eines der größten Geschäfte überhaupt ist, wie krank unser Finanzsystem geworden ist.

Die hohlen Phrasen der Banker

Hinzu kommt das, was man im Englischen eine "fallacy of composition" nennt, was nichts anderes meint, als dass nicht alle das Gleiche tun können, was ein einzelner tut. Wenn bestimmte Währungen durch die "Investition" von Banken und Hedgefonds aufwerten, müssen notgedrungen andere Währungen abwerten. Schon deswegen kann niemals ein Wert entstehen und das Gerede vom "Werte Schaffen", das die Banker so gerne benutzen, um ihr Tun zu tarnen, erweist sich sofort und ohne jeden Zweifel als hohle Phrase.

Zudem treibt die Aufwertung einer Währung, nehmen wir z. B. den ungarischen Forint, der in den letzten zehn Jahren vor der Krise aufgewertet hat, die Wirtschaft des aufwertenden Landes in eine Krise, weil die eigenen Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und, obwohl sie vielleicht kerngesund waren, in die Pleite gehen. Entsteht dann ein Wert?

Wenn viele Leute ihr Geld kurzfristig von japanischen Yen in ungarische Forint oder isländischen Krone tauschen und das getauschte Geld für drei Wochen, drei Tage oder drei Stunden in Ungarn oder Island deponieren, kann dann ein Wert entstehen? Offensichtlich nicht. In keinem dieser Fälle entsteht ein Wert, es werden sogar in großem Maßstab reale Werte vernichtet, wenn die Aufwertung ungerechtfertigter Weise die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften verändert hat!

Spekulationen führen zum Zusammenbruch

Die Folgen all dieser spekulativer Veränderungen von Preisen sind leicht zu verstehen. Irgendwann werden diese Preise für die reale Wirtschaft, für die Menschen also, die wirklich arbeiten und Geld verdienen könnten, für die Leute, die wirklich investieren und damit produktive Erträge erwirtschaften könnten, für diese Menschen werden die spekulativ verzerrten Preise irgendwann nicht mehr tragbar.

Irgendwann kann die ungarische Wirtschaft einen in die Höhe getriebenen ungarischen Forint nicht mehr verkraften. Oder die isländische Wirtschaft kann eine gewaltig aufgewertete isländische Krone nicht mehr durchhalten und bricht zusammen. Irgendwann können die Marktteilnehmer keine 150 Dollar Ölpreis mehr zahlen und irgendwann können auch die amerikanischen Haushalte insgesamt mit massiv nach oben getriebenen Hauspreisen nicht mehr besser gestellt werden, weil es niemanden mehr gibt, der sich noch ein neues Haus leisten kann.

Scheingewinne und Blasen

Und genau dann bricht diese ganze Pyramide, bricht dieses ganze Kettenbriefsystem zusammen. Und dann sehen wir, dass es nichts anderes war als ein Ponzisystem. Es ist nur ein verzögertes Ponzisystem sozusagen. Ein paar Jahre lang konnte man sich der Illusion hingeben, man habe aus Nichts Einkommen und Gewinn gemacht, weil es gelungen ist, diese Preise nach oben zu treiben.

Der einzige Unterschied zum Ponzigame ist die Tatsache, dass es gelingt, für ein paar Jahre die Preise an entscheidenden Märkten so zu verzerren, man kann auch sagen, so zu verunstalten, so weit von der Wirklichkeit zu entfernen, dass man auf dieser Basis für ein paar Jahre Gewinne machen kann.

Vorübergehend sieht das toll aus, die Banken erzielen prächtige (Buch)gewinne und schwellen die Brust. Die Medien bejubeln nach der Krise in gleicher Weise wie vor der Krise die Scheingewinne der Banken wie eine nationale Großtat. Weil das, was in den Büchern steht, aber zum größten Teil aus solchen Scheingewinnen besteht, bei denen die zwingend notwendigen Verluste der späteren Jahre nicht eingerechnet waren, ist die ganze Blase von vorneherein eine Katastrophe?

Verluste werden von allen getragen

Die Antwort auf die Frage, welche Werte geschaffen werden, ist also ganz einfach, und jeder vernünftige Mensch kann sie sofort geben: Null Werte sind im allerbesten Fall entstanden. Aus dem Kasino kommt eben nicht mehr heraus, als man hineingetragen hat. Null wäre aber noch gut! Für fast alle Menschen ist es weit weniger als Null, weil der Staat gezwungen ist, die Verluste der Kasinogeschäfte zu übernehmen und die angerichteten Schäden zu beseitigen.

Die während der Scheinblüte materialisierten Gewinne aber, die in Form von schönen Yachten auf dem Mittelmeer schaukeln, dürfen natürlich nicht angetastet werden. So wird aus dem Nullsummenspiel ein gewaltiges Negativsummenspiel für die Gesellschaft als Ganzes.

Lösung: Banken von Investmentbanken trennen

Vor der großen Krise haben ganz viele Zocker mit ganz viel geliehenem Geld Nullsummenspiele gespielt, um die berühmten 25 Prozent Rendite zu verdienen. Da man aber mit Nullsummenspielen weder 25 Prozent noch irgendeine andere Rendite erzielen kann, musste es schief gehen. Etwas anderes war logisch unmöglich.

Der Großteil der Investmentbanker hat nichts anderes getan, als sich mit Hilfe solcher Spiele kurzfristig reich zu rechnen. Der Großteil der Aktivitäten der Helden der neuen Finanzindustrie, der "Masters of the Universe", der Investmentbanker, waren Nullsummenspiele, die früher oder später zusammenkrachen mussten, weil man die Preise soweit von der Wirklichkeit entfernt hat, dass die wirkliche Wirtschaft sie nicht mehr darstellen konnte.

Die Lösung ist einfach: Man muss wieder strikt trennen zwischen normalen Bankaktivitäten und solchen, die reine Nullsummenspiele sind. Nur wer normale Bankgeschäfte betreibt, darf sich Bank nennen und hat Zugang zur Refinanzierung durch die Notenbanken und wird im Ernstfall gerettet. Investmentbanken dürfen mit dem Geld ihrer Kunden auf einigen wenigen Märkten spielen, erhalten aber niemals Kredit von einer normalen Bank, weil die für Nullsummenspiele keine Kredite vergeben dürfen.

Mehr zu dem Thema:

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Forum

 
  • ist jetzt ein guter Zeitpunkt um aus Aktien auszusteigen?

    hitcher, vor 2171 Tagen, 21 Stunden, 21 Minuten

    http://orf.at/stories/2009008/

  • Entweder er hat es nicht gecheckt, oder er lügt.

    format, vor 2172 Tagen, 3 Stunden, 31 Minuten

    Hier mal ein paar Fakten:
    1. Die Summe aller Guthaben und aller Schulden ist immer Null. Logisch, da Geld durch Kredite in Umlauf gebracht wird. Welche Schlüsse das erzwingt, ist klar.
    2. Geld arbeitet nicht. Niemals. „Lassen Sie Ihr Geld für Sie arbeiten“ ist ein blöder Marketingspruch. Alle Werte müssen real geschaffen werden und entstehen nicht von selbst.
    3. Wer Geld hat, kassiert Zinsen.
    4. Wer kein Geld hat, zahlt Zinsen. Dabei ist es unerheblich, ob er selbst Schulden hat oder z.B. über den Kauf von mit Zinsen belasteten Produkten, Verpackungen, Rohstoffen, Transportkosten usw. mitzahlt oder auf anderem Weg wie z.B. über Steuern, die zu einem nicht gerade kleinen Teil dafür aufgewendet werden, um Staatsschulden nicht noch rasanter wachsen zu lassen.
    5. Inflation bedeutet NICHT, daß „alles teurer wird“. Inflation ist eine künstliche und absichtliche Erhöhung der Geldmenge und damit eine Geldentwertung.
    6. Die Geldmenge M3 steigt im Euroraum (und nicht nur dort) jedes Jahr um ca. 11-12 %. Mit anderen Worten: Es wird Geld gedruckt was das Zeug hält. Die tatsächlich geschaffenen Werte steigen aber natürlich nicht jedes Jahr um 12 %. Gleichzeitig bekomme ich aber jedes Jahr nur um die 3 % Gehaltserhöhung....

    • Fortsetzung...

      format, vor 2172 Tagen, 3 Stunden, 30 Minuten

      Gleichzeitig bekomme ich aber jedes Jahr nur um die 3 % Gehaltserhöhung. Was schließen wir daraus? Richtig: Erstens werden wir alle saftig über's Ohr gehauen und zweitens MUSS Geld im Wert sinken, siehe Punkt 5.
      usw.
      Übrigens: Wer unser auf Schulden aufgebautes Währungssystem und das Zinssystem sowie seine Folgen verstanden hat, der weiß, daß die "Großzügigkeit" mancher Reichen eine scheinheilige ist, denn dadurch geben sie nur einen Bruchteil dessen zurück, was sie den Menschen, die ihnen systembedingt das Geld in den Popo stecken müssen, wegnehmen. Wie gesagt: Geld arbeitet nicht.

    • Weiters:

      format, vor 2172 Tagen, 3 Stunden, 29 Minuten

      Geld arbeitet nicht. Niemals. „Lassen Sie Ihr Geld für Sie arbeiten“ ist ein blöder Marketingspruch. Alle Werte müssen real geschaffen werden und entstehen nicht von selbst. Einfaches Beispiel: Ich habe 20.000 Euro und kann darum ein Auto kaufen. Das mache ich aber nicht, sondern ich investiere die 20.000 Euro. Nach 10 Jahren bekomme ich einen Geldbetrag ausbezahlt, um den ich mir zwei Autos kaufen kann, und zwar vergleichbar mit dem, das ich 10 Jahre zuvor um 20.000 Euro hätte kaufen können. Nein, nicht das Geld hat gearbeitet, sondern reale Menschen, die für ihre Arbeit um diesen Betrag weniger Lohn erhalten haben. Fast jeder von uns ist davon betroffen. Aber als Opfer, nicht als Täter.

    • Der Kern des Problems:

      format, vor 2172 Tagen, 3 Stunden, 28 Minuten

      Wer das Problem verstehen will, muss sich mit unserem Geldsystem beschäftigen. Da gibt es massenhaft gute Informationen im Internet. Wer nicht lesen will, kann sich dieses Video bei youtube angucken. Ist echt gut gemacht, ich kann es jedem empfehlen. Besteht aus 3 Teilen, in Summe etwa 15 Minuten:

      Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ

      Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=aK2yZlHk4cA

      Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=0VOtdQrCoyk

    • @format

      sensortimecom, vor 2171 Tagen, 20 Stunden, 59 Minuten

      Fast in allen Details richtig. Bravo.

      "Die Summe aller Guthaben und aller Schulden ist immer Null..."

      Was folgern wir daraus?
      Das komplette Finanzwesen ist ein Pyramidenspiel! Und zwar ein ultra-kriminelles!
      a) Es erzwingt, dass auf bestehende Kredite immer neue dazu kommen müssen, mit denen die alten Schulden abbezahlt werden.
      b) die Gesamtsumme aller Kredite MUSS also stetig steigen. Sie darf nicht einmal KONSTANT bleiben. Schon da wäre Feuer am Dach.
      c) Wegen b) darf es nicht einmal zu der Situation kommen, dass die Menge aller bestehenden Sicherheiten auf denen die Kredite basieren an ein Limit stößt. Sind am Planeten Erde nicht mehr genügend Sicherheiten für die Banken zu lukrieren, heißt es auswandern;-)
      d) Können die Schulden (aus Gründen egal wie immer) nicht zurückgezahlt werden, VERSCHWINDEN auch alle GUTHABEN.

    • Sorry format aber vielleicht glaubst du nur an eine Traumwelt...

      dino49, vor 2171 Tagen, 7 Stunden, 57 Minuten

      Schaue dir einem diesen Film an
      Zeitgeist: Addendum
      Teil I kritisiert die Handlungsweisen des amerikanischen Bankwesens (fractional-reserve banking), im Speziellen das Erschaffen von Geld durch Darlehen. Der Film argumentiert folgendermaßen: Dollarnoten werden gedruckt oder es wird elektronisch Geld erzeugt, wenn die Federal Reserve Bank Schatzanweisungen und Schuldverschreibungen kauft. Dieses Geld landet dann in kommerziellen Banken. Wenn das Geld in einer Bank deponiert ist, wird es durch die Anwendung des Fractional-Reserve-Systems „vermehrt“ und an die Kunden der Bank durch Kredite weiter verliehen. Der Film behauptet, dass dieses System „absurd“ sei, da der Zins, der bei einem Kredit irgendwann zurückgezahlt werden muss, nicht ebenfalls zu Beginn als Geld erschaffen wurde. So wird im Gesamtsystem immer Geld fehlen. Der Film vergleicht diesen Sachverhalt mit dem Spiel „Reise nach Jerusalem“, bei dem auch immer einer zu kurz kommen muss. So entstehen irgendwo zwangsläufig Schulden, die niemals zurückgezahlt werden können, da die Zinsen nicht existieren, weil sie nicht mit erschaffen wurden.

      Jede Dollarnote ist "geliehen", also schon verschuldet... jeder Staat ist verschuldet; Österreich mit 190Mrd. Euro

      GELD HAT KEINEN REALWERT, es ist nur ein Stück Papier und jongliert wird nur mit Zahlen; was glaubst du würde passieren, falls...

    • wer kommen würde und

      dino49, vor 2171 Tagen, 7 Stunden, 54 Minuten

      alle Schulden eintreiben würde?

      Wizard of Oz: Pay no attention to that man behind the curtain.

    • PS: er lügt!

      dino49, vor 2171 Tagen, 7 Stunden, 44 Minuten

      Dieses Wirtschaftssystem wurde errichtet, um in einem Supergau unterzugehen!

      Dein 1 Punkt ist aber auch schon nur eine Ideologie, die es nicht gibt!

      Als man den Goldstandard abgeschafft hatte, haben ein paar wenige Leute der Weltwirtschaft einen Selbstzerstörungsknopf eingebaut, weil keiner scheint gecheckt zu haben, dass die Wirtschaft nach 1971 nur ein "Brettspiel" wurde!

    • nasserfetzn, vor 2171 Tagen, 7 Stunden, 13 Minuten

      alles richtig soweit. der herr in dem interview hat aber dennoch recht, denn die grundlage seiner überlegungen ist die aufrechterhaltung dieses systems. eure grundlage hier war jetzt die kritik an dem eigentlichen system, dessen fehler immer deutlicher werden. aber habt ihr auch lösungen, alternativen?

    • nein, aber den eigentlichen Sinn dieser Krise habe

      dino49, vor 2171 Tagen, 4 Stunden, 49 Minuten

      ich hier auf orf schon irgendwo gepostet!

      Es handelt sich nämlich um keine Wirtschaftskrise sondern um den 3.Weltkrieg.

      5-6m ~? und in der Wirschaft kommt es zum Big-Bang, zurück in die Steinzeit!

      "novus ordo seclorum" (Steht seit Jahrzehnten auf der 1Dollarnote!)

      Für manche seit Jahrhunderten nur eine Verschwörungstheorie, aber auch wenn man sie heute als Tatsache akzeptieren würde, wäre es schon längst zu spät!

      Die ganze Menschheit hätte mit ihrem Materialistischen Denken aber so wieso nicht überleben können.
      Der Mensch ist zum Höheren geboren, als
      "mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Pferd...!"

  • Finanzspekulanten sind kultivierte Schmarotzer,...

    neutrino, vor 2172 Tagen, 3 Stunden, 34 Minuten

    dies wäre hier auch annähernd der korrekte Begriff für solche Schandtaten gegen den Rest der Menschheit, als eine moderne Variante des blutsaugenden Vampirs, (Blut = Symbol für Lebensenergie, in weiterer Folge auch Geld als Konzentrat für Möglichkeiten) ...also Jemand der ohne echte Arbeit nur mittels Spekulation, und somit stets auf Kosten der ehrlich arbeitenden Menschen zu Reichtum gelangt, und der Staat samt seinen krakenartigen verschleiernden Anhang hängt da irgendwie drin!,...ergo sind wir mitten im Krieg, einige wenige gegen alle, hochintelligente Parasiten gegen den genügsamen Durchschnitt,...und was macht die neue Generation!?, seit ihr mit all dem parasitären Sauhaufen zufrieden!?,...na dann Schlaft schön weiter,...;-)
    .:.

  • burnside, vor 2172 Tagen, 5 Stunden, 31 Minuten

    Ein weiteres Problem, das in diesem Artikel nicht angesprochen wird, ist: Tausende von Investmentbankern haben nie gelernt, anders zu arbeiten und auf andere Weise Geld zu verdienen. Sie werden das System mit ihrem "daily business as usual" immer weiter am Laufen halten.

  • Leider hat er vergessen, dass Politik und Finanzwirtschaft sozusagen dasselbe sind

    louiswu, vor 2172 Tagen, 6 Stunden, 37 Minuten

    Allein aus diesem Grund sind Änderungen des Systems extrem unwahrscheinlich. Welcher Politiker lässt sich seine Einfluss auf die Wirtschaft einschränken? Und ein Blick in die Aufsichtsräte der Banken zeigt auch hier die umfassende politische Verfilzung.

  • Frage, besonders @chartart et al.

    smoothapproach, vor 2172 Tagen, 6 Stunden, 56 Minuten

    Angenommen, man eliminiert einfach alles, was über Anleihen und Aktien mit "Realwirtschaftshintergrund" hinausgeht, führt eine gewisse Behaltefrist für Wertpapiere ein und beschränkt vielleicht noch das Spekulationsvolumen mit _Fremd_kapital. Ansonsten freier Handel, keine staatlichen Interventionen. Wo wäre da der große Nachteil (außer dass ein paar Wenige nicht ganz so viel Reichtum in kurzer Zeit anhäufen könnten)?

    BTW, Hoffnung Gier (von wegen "Hoffnung ist einer der größten Motivatoren, die der Mensch kennt"), und die Metapher von der "Spekulationsnatur" einer Unternehmensgründung hinkt m.E. ebenfalls: ein Unternehmen zielt doch üblicherweise (auch) darauf ab, eine bestimmte Leistung zu erbringen (und nicht nur Ertrag abzuwerfen, völlig egal wie), und vor allem trägt gerade der Unternehmensgründer auch ein großes wirtschaftliches Risiko, weil für den springt kein Staat und keine Nationalbank ein, im Unterschied zu den Finanzgroßzockern.

    • Berichtigung

      smoothapproach, vor 2172 Tagen, 6 Stunden, 54 Minuten

      Sollte "Hoffnung ist nicht gleich Gier" heißen; die Größer-Kleiner-Zeichen werden hier offenbar geschluckt.

  • Bin von der Klarheit des Artikels beeindruckt!

    außerirdischer, vor 2172 Tagen, 7 Stunden, 37 Minuten

    Ich würde gerne sagen, dass ich von der Wirtschaftsmaterie soviel Ahnung hätte, dass ich das alles bestätigen könnte! Aber es erscheint mir glaubwürdig, weil logisch nachvollziehbar.

    Mein Instinkt und die vielen Bücher der Weltliteratur sagen mir und anderen schon lämger: die Methoden mit denen die jeweils Mächtigen die Menschen unterdrücken und ausbeuten sind nicht so kompliziert! Siehe obiger Artikel!

    Aber zumindest die ÖVP, die ja mantra-artig ''Man kann nicht mehr ausgeben, als man einnimmt'' wiederholt (wenn es ums Sparen am Sozialstaat geht), hätte mit dieser Logik die letzte Blase locker voraussehen können. Und die anderen davor. Und die kommenden.

  • wie lange geht es so weiter wie bisher? Das nächste...

    hitcher, vor 2172 Tagen, 8 Stunden, 16 Minuten

    ...Unheil droht:

    "A Hindenburg Omen occurred on August 12th, 2010, the first since the market lows of 2009. One nearly occurred on August 11th, failing only in that 67 stocks hit new lows, rather than the required 69."
    Quelle:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Hindenburg_Omen

  • Verantwortlich

    iggi, vor 2172 Tagen, 15 Stunden, 23 Minuten

    ist in erster Linie die auf Pump kaufende Oeffentlichkeit die entweder zu dumm oder zu gierig ist, um das Verkaeuferblaba kritisch zu untersuchen, und die nicht ein paar Jahre oder Jahrzehnte des Ansparens fuer Grosskaeufe herunterbiegen will. Da nutzt auch kein staatlicher Eingriff nach dem die (geschorenen) Schafe schreien, denn die naechsten legalen Investitionsprodukte sind schon unterwegs. Statt staatlicher Bevormundung verlangt den muendige, freiheitsliebende Buerger nach Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung.

    • da hast du freilich auch recht.

      mantispa, vor 2172 Tagen, 9 Stunden, 23 Minuten

      die geschorenen schafe sind teil des systems - die träumen auch immer nur von höheren renditen und fallen periodisch auf die nase dabei (weil sie immer am "kürzeren ast" sitzen) - die müssten zu allererst ihre casino- oder lotteriementalität aufgeben.
      wird aber sicherlich nicht passieren.

    • denke doch einmal nach du Schaf!

      dino49, vor 2172 Tagen, 7 Stunden, 37 Minuten

      Wie du schon geschrieben hast, sind das Volk nur dumme Schafe, die blöcken wenn sie nichts zu fressen haben und auch wenn sie überfressen sind...

      Aber wer vergibt die Kredite, sind die Hirten die mit dem Schafen machen was sie wollen?

      Übrigens ist das keine Wirtschaftskriese, sonder der Dritte Weltkrieg; wer glaubt, dass dazu gewalt bedürfte ist selbst ein dummes Schaf!
      Griechenland pleite, Sp, GB, Österreich ...
      wenn alle pleite sind, was bleibt dann noch?
      Vielleicht aber doch noch der Gnadenschuss!

    • hitcher, vor 2172 Tagen, 6 Stunden, 58 Minuten

      wenn Schuldner nicht bezahlen, dann holt man sich eben zurück was einem gehört, oder zerstört es, damit alles auch gerecht abläuft. Das heisst dann wohl Krieg, im großen Maßstab.

  • cmben, vor 2172 Tagen, 17 Stunden, 44 Minuten

    Die Hoffnung von der du schreibst, sind die Träume der Menschen welche in dieser Hinsicht auf Neid gegenüber anderen basieren die mehr als jene haben, wodurch sie manigfaltige Pfade der Spekulationen beschreiten, da es ihnen unfair vorkommt, nicht auch vom Käse ein grosses Stück für sich selbst zu haben. Wie wäre es mit globalen Leistungsbedingten Löhnen die nicht unmoralisch sein dürfen gegenüber anderen. Die fehlende Motivation durch den Kapitalismus können locker durch unsere innneren Fertigkeiten wie Musik Kunst etc wettgemacht werden. Mit persöhnlichkeit und Humanität. Aber das wäre natürlich nicht den Träumen der Geldschäffler zuträglich. Und wir würden ja vie zu schnell Mensch werden.