Standort: science.ORF.at / Meldung: "Plastikverschmutzung im Atlantik stagniert"

Plastikteile, die im Meer gefunden wurde

Plastikverschmutzung im Atlantik stagniert

Die Verschmutzung des Atlantiks durch Plastik ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht schlimmer geworden. Das behauptet ein Forscherteam aus den USA. Während die Menschen zwar mehr Plastik produzieren und benutzen, scheint es so, als lande nicht mehr davon im Meer.

Umwelt 20.08.2010

Bleibt die Frage offen, wohin der zusätzliche Kunststoff verschwindet.

22 Jahre lange Untersuchung

1986 begannen Kara Lavender Law von SEA und ihr Team aus mehr als 7.000 Studenten Plastikteile aus dem nordwestlichen Atlantik und dem Karibischen Meer zu fischen. 22 Jahre lang sind sie mit Schiffen hinaus aufs Meer gefahren, haben an insgesamt 6.100 Orten Schleppseile zum Fangen von Oberflächenplankton ausgeworfen und damit über 64.000 Plastikteilchen gefunden und per Hand gezählt.

Die Studie:

"Plastic Accumulation in the North Atlantic Subtropical" Gyre von Kara Lavender Law et al. aus dem Wissenschaftsjournal "Science".

Das Ergebnis der Zählungen war eher unerwartet: Zwar wurden bei über 60 Prozent der Entnahmen Plastikteile in den Netzen festgestellt. Innerhalb des Untersuchungszeitraums ist der Anteil jedoch nicht wesentlich gestiegen, sagen die Forscher. Die schlimmste gefundene Verschmutzung befinde sich im subtropischen Bereich, wo sich vom Wind beeinflusste Oberflächenströmungen treffen.

Wohin verschwindet das Plastik?

Die Forschungsergebnisse stellen die Wissenschaftler vor ein Rätsel. Obwohl es keine genauen Zahlen für die weltweite Plastikproduktion gibt, weiß man trotzdem, dass diese angestiegen ist. Folglich nehmen die Forscher an, dass auch mehr Plastik ins Meer gelangt sein muss. Als Erklärung für das Phänomen wurden einige Hypothesen aufgestellt:

Es könnte anderes, schwereres Plastik verwendet werden, das auf den Meeresgrund sinkt und so nicht von den Netzen ergriffen werden kann. Oder das Plastik löst sich in so kleine Teile auf, dass es vom Netz nicht gefasst wird. (Die jetzt gefangenen Teile sind zwischen einem und zehn Millimeter groß.) In den Mägen von Vögeln und kleineren Meerestieren hat man bereits Plastik nachgewiesen. Somit wäre es denkbar, dass auch kleinere Meeresorganismen das Plastik fressen.

Erste richtige Zahlen

Die Wissenschaftler betonen, dass diese Zahlen die ersten wissenschaftlichen Beweise für die tatsächlich im Meer herumschwimmende Menge an Plastik sind. Trotzdem sei die Umweltverschmutzung der Meere noch nicht ausreichend untersucht.

Weitere Studien und Forschungsarbeit seien notwendig, um zu erfahren, wohin das Plastik wirklich verschwunden ist.

Günter Stummvoll, science.ORF.at

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