Standort: science.ORF.at / Meldung: "Kein längeres Leben durch Oma-Rolle?"

Enkelkind flüstert ihrer Oma etwas ins Ohr

Kein längeres Leben durch Oma-Rolle?

Die sogenannte "Großmutter-Hypothese" besagt, dass Frauen im Gegensatz zu weiblichen Tieren ihre reproduktive Zeit deutlich überleben, weil sie sich als Omas nützlich machen. Einer neuen Studie zufolge ist diese soziale Rolle nicht ausreichend für die Evolution der Langlebigkeit.

Evolution 25.08.2010

Nützliche Omas

Schon 1966 hatte der Evolutionsbiologe William Hamilton die Idee, die menschliche Langlebigkeit an die Rolle der Großmütter zu knüpfen. Das wäre eine plausible Erklärung, warum Frauen deutlich länger leben, als sie sich fortpflanzen können.

In den 1980er und 90er Jahren wurden unter anderem von der US-amerikanischen Anthropologin Kirsten Hawkes von der University of Utah Feldstudien zum Thema durchgeführt.

Bei einer Jäger- und Sammler-Gesellschaft in Tansania zeigte sich dabei etwa, dass Kinder, wenn sich Großmütter an der Aufzucht beteiligten größer und gesünder waren. Evolutionär gesehen könnte diese Zunahme an Fitness zu einer Selektion von Frauen führen, die noch nach der Menopause lang weiterleben.

Keine Lebensverlängerung

Zur Studie in den Proceedings of the Royal Society": "Grandmothering and natural selection" von F. Kachel et al.

Dennoch gebe es laut Friederike Kachel vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie zu wenig handfeste Beweise für die These. In ihrer aktuellen Studien haben sie und ihr Team die Plausibilität nun mit einer mathematischen Simulation, welche die Aktionen und Interaktionen einer Ausgangspopulation von 1.000 Personen nachbildet, überprüft. Am Anfang starben alle "Frauen" - die Hälfte der virtuellen Bevölkerung, nachdem sie aufgehört hatten sich zu reproduzieren. Großmütterliche Fürsorge, die auch simuliert wurde, führte im Szenario zu einem gewissen Fitnessgewinn.

Nach 500 Generationen zeigte sich, dass die Töchter der kümmernden Großmütter zwar öfter Nachwuchs bekamen, aber an der Langlebigkeit änderte sich dadurch nichts.

Zweifelhafte Annahmen

Kirsten Hawkes hat jedoch Zweifel an den Ergebnissen der aktuellen Studie, wie sie gegenüber naturenews erklärt. Manche Annahmen über die Mortalitäts- und Fertilitätsrate seien zweifelhaft. "Wenn man einige der Annahmen ändern würde, bekäme man mit Sicherheit andere Resultate", so Hawkes.

Welche Faktoren das Leben der Menschen tatsächlich verlängert haben, kann Kachel nicht sagen. Vielleicht sei es bloß ein kulturelles Artefakt, da viele Todesursachen einfach verschwunden sind.

science.ORF.at

Mehr zum Thema: