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Nicole Kuntner und Andy Lee Lang waehrend der ORF-Show „Dancing Stars“ am Freitag, 21. Maerz 2009.

Wohin Frauen bei tanzenden Männern schauen

Freunde des ausdrucksstarken Tanzstils wird das freuen: Laut einer Studie finden Frauen jene Männer besonders attraktiv, die sehr abwechslungsreich und ausufernd tanzen. Auch der dynamische Einsatz des rechten Knies kommt gut an.

Psychologie 08.09.2010

Sie hätten zum ersten Mal die biomechanischen Feinheiten von erfolgreichem Männertanz herausgefunden, nimmt die Forschergruppe um den Psychologen Nick Neave von der Northumbria University in Newcastle für sich in Anspruch.

Die Studie:
"Male dance moves that catch a woman's eye" in den "Biology Letters" (sobald online).

Erfolg definieren sie als Interesse und Wohlgefallen, die heterosexuelle Frauen an ebensolchen Männern finden, wenn sie ihnen beim Tanz zuschauen.

Zwei Beispiele für gute Tänzer:

John Travolta 1978 in "Saturday Night Fever" ...

Hinweise auf reproduktive Fähigkeiten

Wie in der Evolutionspsychologie üblich geht es auch bei der Frage nach attraktivem Männertanz letztlich um die Reproduktion, sprich die Aussicht auf gemeinsamen Nachwuchs. Seit Charles Darwin geht man davon aus, dass gewisse äußerliche Merkmale von männlichen Tieren die Partnerwahl der Weibchen beeinflussen.

Körperschmuck und andere Ornamente sind aber nicht bei allen Tieren vorhanden, sodass Biologen auch den Einfluss von Körperhaltung und Bewegungsformen bei der Partnersuche untersucht haben. Da wie dort geben "gute" äußerliche Eigenschaften Hinweise auf die Gesundheit und letztlich die reproduktive Fitness der Beteiligten.

Abstraktion des "reinen" Tanzes

... und Janelle Monáe 2010 in dem Videoclip "Tightrope"

Die Natur des durch Jahrtausende von Kultur überformten Menschen zu finden, ist keine ganz einfache Angelegenheit. Die Soziobiologie versucht es dennoch: Im aktuellen Fall haben die Forscher den Tanz untersucht, was "bei Menschen intentionale, rhythmische, von Kultur beeinflusste, nonverbale Körperbewegungen" sind, "die einen wichtigen Aspekt der Sexualität darstellen", wie sie in ihrer Studie schreiben.

Mit den Intentionen und der Kultur haben sich Nick Neave und seine Kolleginnen gemäß ihrer Disziplin nicht beschäftigt. Im Gegenteil: Sie haben versucht, Tanzbewegungen komplett aus ihrem Zusammenhang von Diskotheken, Bällen oder Musikantenstadeln zu reißen und ihre "reine" Wirkung zu beobachten.

Rumpf und Hals am wichtigsten

Die zwei Tanzstile im Vergleich:

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Der "gute" Tanz der Männer ...

Dazu ließen sie 30 Männer im Labor zu einem einfachen Rhythmus tanzen. Ihre Bewegungen wurden mittels Motion Capture System erfasst und im Computer bearbeitet. Herausgekommen sind 19 Avatare: Software-generierte, menschenähnliche Figuren, die zwar tanzen, denen aber wesentliche Eigenschaften des Menschen fehlen. Sie sind geschlechtsneutral, haben keine Kleidung, kein Gesicht etc. - lauter Qualitäten, die vom reinen Tanzstil ablenken und auf andere Attraktivitätsmerkmale hinweisen könnten.

Der Tanz der Avatare wurde danach 37 heterosexuellen Frauen am Monitor vorgeführt, und zwar ohne Musik. Diese hatten nun die Attraktivität des Gesehenen hinsichtlich einer Reihe von Variablen zu bewerten.

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... und hier der "schlechte", sprich für Frauen wenig attraktive.

Am meisten sexy fanden es die Frauen, wenn die Männer ihren Rumpf und ihren Hals großzügig und abwechslungsreich bewegten. Auch die Geschwindigkeit des rechten Knies war für sie ein wichtiger Indikator, ob sie den Tanz der Männer gut fanden oder nicht. (siehe Video oben)

"Ein 'guter' Tänzer zeigt mehr und variablere Bewegungen, Biegen und Beugen im Bereich von Hals, Nacken und Oberkörper sowie schnelleres Beugen des rechten Knies", schreiben die Forscher in ihrer Studie. Wer hingegen über das Tanzparkett schleicht, sich eher schlicht bewegt und wenig mit den Armen fuchtelt, hat bei der Damenwelt weniger gute Karten. (siehe Video unten)

Verhältnisse zum Tanzen bringen

Die Bewegungen sind den Forschern zufolge "ehrliche Signale", die für Gesundheit, Fitness und genetische Qualität der Tänzer stehen. So sehr in ihrer Studie versuchen, in harter naturwissenschaftlicher Münze zu rechnen, so sehr beziehen sie sich bei der Interpretation ihrer Ergebnisse wieder auf die Alltagskultur:

"Die Männer in der ganzen Welt werden daran interessiert sein, welche Tanzbewegungen bei Frauen gut ankommen. Mit dem Wissen können sie daran trainieren und ihre Chancen bei Frauen verbessern", sagt Nick Neave in einer Aussendung. Und legen damit nahe, dass man die Verhältnisse der Natur zum Tanzen bringen kann, sobald man sich nur ein paar Tricks von ihr abschaut.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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