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Amazonas

Flüsse weltweit in schlechtem Zustand

Fast 80 Prozent der Weltbevölkerung leben im Einzugsbereich belasteter Flüsse. Ein internationales Forscherteam hat Karten erstellt, die zeigen, wo die Schäden durch Abwässer aus der Landwirtschaft, Verschmutzung oder eingeschleppte Arten am größten sind.

Ökologie 30.09.2010

Die Studie "Global Threats to human water security and river biodiversity" von C. J. Vörösmarty et al. ist im "Nature" erschienen.

Dabei kombinierten sie erstmalig Faktoren, die sich auf die menschliche Nutzung von Flüssen und auf die Artenvielfalt auswirken. Zusätzlich zeigten die Forscher im Fachmagazin "Nature" auf, wo mit welchem Erfolg investiert wird, um diesen Schäden entgegenzuwirken.

Vier Fünftel der Menschheit betroffen

Flüsse sind wichtige Trink- und Nutzwasserspeicher für den Menschen und Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten. Ihr Zustand sei weltweit schlecht, schreiben die Autoren, was sich auf ihre Funktionsfähigkeit auswirke.

Die Forscher um Charles Vörösmarty von der Stadtuniversität von New York und Peter McIntyre von der Universität Wisconsin haben räumlich hochaufgelöste Weltkarten vom Gefährdungszustand der Flüsse mit Hilfe eines neu entwickelten Computerprogramms gezeichnet. Sie führten insgesamt 23 verschiedene Faktoren zu einem Index zusammen, um einen möglichst umfassenden Überblick über den Zustand der Fließgewässer zu liefern.

Nach ihrer Analyse leben mit etwa fünf Milliarden Menschen fast 80 Prozent der Weltbevölkerung im Einzugsbereich belasteter Flüsse. Starke Verschmutzungen treten vor allem in menschlichen Ballungszentren auf, die typischerweise nahe der Mündung liegen.

In unbesiedelten Gebieten wie im Amazonas-Regenwald kann die Wasserqualität ansteigen, weil Schadstoffe verdünnt werden oder sich am Grund absetzen. Die Karten bilden aber auch positive Auswirkungen von Natur- oder Wasserschutzgebieten auf die Wasserqualität ab.

Das Projekt "Rivers in Crisis" bietet die Möglichkeit, beim Schutz der Flüsse zu helfen.

Wasser gegen Armut und Artensterben

Die Forscher zeigten auf, dass in Ländern mit hohem Einkommen viel Geld in die Verbesserung der Wasserqualität gesteckt wird, ohne jedoch die Ursachen der Verschmutzung zu bekämpfen. Das erhöhe einerseits die Kluft zwischen armen und reichen Ländern, andererseits verschärfe es den Konflikt zwischen menschlicher Nutzung und dem Schutz der Artenvielfalt.

Caroline Sullivan, eine Koautorin der Studie, dazu in einer Presseaussendung: "Ein sicherer Zugang zum Wasser ist für eine angemessene Lebensqualität notwendig, und wer kein Wasser hat, wird höchstwahrscheinlich arm bleiben."

Um Konflikte zu vermeiden, sollte zukünftig vorausschauender geplant werden. So könne der Erhalt von Flussauen Überschwemmungen entgegenwirken und der Schutz von Wassereinzugsgebieten eine teure Aufbereitung von Trinkwasser überflüssig machen.

science.ORF.at/APA

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