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Ein Flugzeug im Landeanflug stößt durch Wolken, dahinter die Sonne

Den Lebensstil ändern!

Staaten und Interessensvertretungen streiten derzeit in Cancun darüber, welches Ausmaß an CO2-Emissionen für den Planeten Erde gerade noch klimaverträglich ist. Dabei sind die Entscheidungen jedes Einzelnen in der Klimadebatte genauso wichtig.

Klima 30.11.2010

Ob beim Einkauf oder bei der Wahl der Verkehrsmittel: Auch der individuell gewählte Lebensstil beeinflusst das Klima - im Positiven wie im Negativen.

Faktor Fleischkonsum

Ö1-Sendungshinweis

Mit diesem Thema befasst sich auch das Mittagsjournal, Dienstag, 30.11.2010, 12:00 Uhr

Die Hauptverursacher des durch Menschenhand verursachten Klimawandels sind der Industriesektor, der Verkehr und der Energiesektor. Auch in Österreich. Die CO2-Emissionen kann man allerdings auch auf unser tägliches Konsumverhalten beziehen.

Der tägliche Fleischkonsum stellt sich als einer der großen Verursacher von Treibhausgase im globalen Klimawandel dar. Das lässt sich gut bei einem Vergleich der CO2-Emissionen von Fleisch und Getreide zeigen, werden bei einem Kilo Weizen etwa 300g CO2 in die Atmosphäre gelassen, sind es bei einem Kilo Schweinefleisch bereits das Zehnfache, bei Rindfleisch das Hundertfache.

Der Grund: Für die Produktion von einem Kilo Fleisch werden allein bis zu 10 Kilo Getreide benötigt, und wiederkäuende Kühe produzieren beim Verdauen Methan, wobei das Treihausgas Methan umgerechnet mehr als Zwanzigmal so klimaschädigend ist wie CO2.

Die Entscheidung was auf den Mittagsteller kommt, wie oft wir fliegen, wie wir also unseren Lebensstil auslegen, ist maßgeblich für die weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

CO2-Verbrauch in allen Gesellschaftsklassen gleich

Eine Studie der Karmasin-Marktforschung zusammen mit dem Nachhaltigkeitsinstitut SERI wollte der Frage auf den Grund gehen, warum trotz unterschiedlicher zum Teil durchaus nachhaltig orientierter Strömungen und Typen in der Gesellschaft sich insgesamt beim Energiesparen so wenig tut.

Ernüchterndes Resultat: Es gibt keine Gruppe, die ein besonderes Vorbild beim nachhaltigen Energiekonsum wäre, alle haben in etwa die gleichen CO2-Emissionen, den gleichen CO2-Fußabdruck. Es wurden mehrere Gesellschaftsgruppen definiert: das Harmonie-Milieu etwa, meist ältere Menschen, typischerweise Häuslbauer mit eher ineffizienten Geräten, die wenig reisen, gerne zu Hause bleiben.

Oder die Gruppe der Selbstverwirklicher, das sind junge gebildete Personen mit sehr effizienten Geräten, kleineren Wohnungen – aber, und das fällt bei der CO2 Bilanz besonders ins Gewicht - den meisten Flugreisen aller Milieugruppen. Das heißt: Effizienz bei Produkten alleine reicht nicht aus.

Konsum kompensiert Energieeffizienz

Fritz Hinterberger, Geschäftsführer vom Nachhaltigkeitsinstitut SERI: "Wenn wir nur mehr ein Fünftel oder ein Zehntel des derzeitigen Ressourcenverbrauches verursachen wollen, dann ist die Gefahr groß, dass man den Gewinn in zusätzlichen Konsum investiert. Etwa, indem man dort energiesparende Lampen verwendet, wo vorher gar keine Lampen waren. Dann hat man eigentlich gar nichts gewonnen."

Ein günstiges Auto etwa, das einen geringen Verbrauch hat, suggeriert dem Besitzer auch mehr zu fahren und es werden auch neue Käuferschichten angesprochen – insgesamt wird schlussendlich trotz einer Effizienzsteigerung mehr CO2 emittiert. Nachhaltigkeitsforscher meinen, dass nur regulative Maßnahmen, wie höhere Besteuerung von Ressourcen oder die Produktkennzeichnung von CO2 Emissionen, einen sanften Druck auf unsere Lebensstile ausüben.

Neben steuernden Maßnahmen ist es notwendig Zielgruppen, sei es im Bildungsbereich, sei es generell durch Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft zu sensibilisieren.

CO2-Schleuder Eigenheim

Im vor kurzem fertiggestellten Projekt Lebensklima, erstellt vom Nachhaltigkeitsinstitut Seri im Auftrag vom Lebensministerium, wurde konkret in zwei Regionen, in Gmunden und in Graz der Lebensstil und die Lebensqualität hinsichtlich der Kompatibilität auf den zu erwartenden Klimawandel "abgeklopft".

Auch hier gab es keine gesellschaftliche Gruppe, die sich besonders durch einen kleinen Fußabdruck (ökologisch oder CO2) hervortut: Denn der große Traum für die Gmundner und Grazer ist laut Umfrage weiterhin "das Eigenheim im Grünen". Und: Das Ersparte für eine Flugreise auszugeben.

Rainer Schultheis, Ö1-Wetterredaktion

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