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Negative Gefühle dominieren Online-Foren

Was User von Online-Foren tagtäglich erleben, haben Forscher nun mathematisch bestätigt: Je länger die Threads zu einem Thema sind, desto mehr negative Gefühle sind im Spiel.

Mathematik 09.12.2010

"Wenn man ein langes Online-Gespräch will, dann sollte man es nicht mit den Worten 'Das finde ich toll!' beginnen", fasst der Informatiker Mike Thelwall von der Universität Wolverhampton das Ergebnis von zwei Studien zusammen.

Beleidigungen, Raunzereien und ganz allgemein negative Gefühle führen viel eher zu einer Reaktion der anderen und somit auch zu längeren Online-Konversationen.

Zufriedenheitswert errechnet

Die Studien auf arXiv.org:

"Negative emotions boost users activity at BBC Forum" von Anna Chmiel und Kollegen

"Quantitative Analysis of Bloggers Collective Behavior Powered by Emotions" von Marija Mitrović und Kollegen

Gleich zwei Forschergruppen haben sich das Phänomen genauer angesehen und zum einen die Kommentare von BBC Online, zum anderen von digg.com, einem Anbieter von sozialen Lesezeichen, untersucht.

Sie errechneten eine Art Zufriedenheitswert für jeden einzelnen User-Kommentar, der auf Schlüsselwörtern, Emoticons und feinen linguistischen Gefühlshinweisen (wie z.B. Rechtschreibfehlern) beruht.

Dieser Zufriedenheitswert wird mit der Gesamtanzahl aller Kommentare innerhalb eines Themenstrangs immer geringer, sagen die Forscher. Mit anderen Worten: Je länger ein Thread, desto übler ist die Laune der Beteiligten.

Horte übler Laune

Radio Hinweis

FM4 berichtete am 6.12 über Cyber Hate.

Bei der Untersuchung von zweieinhalb Millionen Postings auf der BBC-Seite, die von rund 18.000 Usern stammten, zeigte es sich weiters, dass die aktivsten Teilnehmer überwiegend negativ kommentierten. Auch würden negative Postings fast immer am Anfang einer langen Konversation stehen.

Die digg-Studie wiederum lässt den Schluss zu, dass sich rund um einzelne negative Kommentare schnell "Horte der üblen Laune" selbst-organisieren. "Soziale Gruppen formieren sich wie aus dem Nichts", kommentierte Mike Thelwall gegenüber dem "New Scientist". Schon ein einziges Posting könne ausreichen, um schnell eine Gefühlsgemeinschaft zu schaffen - insofern es nur provokant genug ist.

science.ORF.at

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