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Ein Gepard schaut in die Kamera.

Geparden-Familien unterscheiden sich stark

Gepardenpopulationen unterscheiden sich offenbar genetisch stärker voneinander als bisher angenommen, was den Artenschutz vor neue Probleme stellt: Damit werde es viel schwieriger, eine stark reduzierte Population mit Tieren aus einer entfernten Region aufzustocken, so die Forscher.

Genetik 17.01.2011

Bisher ging man davon aus, dass sich die heute noch verbliebenen Bestände des Ende des 19. Jahrhunderts in Afrika und Asien weit verbreiteten Geparden genetisch wenig voneinander unterscheiden

"Man vermutete, dass es vor gut 10.000 Jahren bei Geparden einen demografischen Engpass gab, bei dem sich aus einer kleinen Population der heutige weltweite Bestand entwickelte", erklärt Pamela Burger vom Institut für Populationsgenetik der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) in einer Aussendung.

Die Studie:
"Phylogeography, genetic structure and population divergence time of cheetahs in Africa and Asia: evidence for long-term geographic isolates" ist im Journal "Molecular Ecology" erschienen (DOI: 10.1111/j.1365-294X.2010.04986.x).

Drei abgrenzbare Gruppen

Bei der Untersuchung von Gewebeproben von Geparden aus dem Nordwesten Afrikas, dem Süden Afrikas und der einzigen nachgewiesenen Population in Asien, einem winzigen Restbestand im Iran, zeigte sich aber, dass sich die einzelnen Populationen genetisch stark voneinander unterscheiden und sich in drei deutlich abgrenzbare Gruppen unterteilen lassen.

"Wir vermuten nun, dass sich die Populationen schon vor 30.000 bis 70.000 Jahren voneinander getrennt haben", so Burger.

Äußere Einflüsse

Auch wenn es keine wissenschaftliche Literatur über die Morphologie der Geparden in den verschiedenen Regionen gibt, nennt Burger im Gespräch mit der APA doch deutliche äußere Unterschiede.

So habe sich der asiatische Gepard an die doch deutlich kältere Umwelt angepasst, sei kleiner und habe auch unterschiedliche Beutetiere, so die Wissenschaftlerin, die für ihre Untersuchungen mit Forschern aus Portugal, Deutschland, den USA, dem Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus Frankreich und Südafrika zusammen gearbeitet hat.

Im Iran akut bedroht

Laut Vetmeduni ist die einzige noch verbleibende Population asiatischer Geparden im heutigen Iran akut bedroht. Der Bestand wird heute auf nur mehr 100 Tiere oder sogar weniger geschätzt. Gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen hat das Iranische Department für die Umwelt deshalb ein Arterhaltungsprogramm für die asiatischen Geparden (CACP) ins Leben gerufen.

Laut dem Leiter des Programms, Alireza Jourabchian, konnten die Zahl der Geparden im Iran zwar stabilisiert werden, "wir haben aber immer noch einen langen Weg vor uns, bis wir den Bestand als abgesichert bezeichnen können".

Auch wenn das bisher beim Geparden noch nicht geschehen ist: Die stark reduzierte Population im Iran mit Tieren aus einer entfernten Region aufzustocken, könnte aufgrund der nun vorliegenden Untersuchungsergebnisse ein Problem darstellen: "Die Tiere würden sich untereinander kreuzen, dabei würden die Besonderheiten in der genetischen Ausstattung verschwinden, die vermutlich Anpassungen an den jeweiligen Lebensraum und das besondere Nahrungsangebot dort sind", erklärte Burger.

science.ORF.at/APA

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