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Künstlerische Darstellung von Zellen/Mikroben

Die "Superbakterien" kommen mit dem Wasser

Dass die Armut in Indien ein akutes Gesundheitsproblem für jedes Land der Welt darstellt, beweist ein ausgesprochen unerfreulicher Fund in Neu-Delhi. Dort spürten britische Experten sowohl in Ab- als auch in Trinkwasser mehrfach "Superbakterien" mit dem NDM-1-Gen auf, das sie gegen fast alle Antibiotika immun macht.

Weltgesundheitstag 07.04.2011

Die Wissenschaftler um Timothy Walsh von der Cardiff University berichten darüber in der neuesten Ausgabe von "Lancet Infectious Diseases".

"Superbakterien" im Vorjahr aufgetaucht

Im Jahr 2010 hatte eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift zunächst in den britischen Medien, dann auch weltweit für Aufsehen gesorgt. In Großbritannien waren Keime mit dem NDM-1-Gen (New Delhi metallo-beta-lactamase) bzw. der dadurch vermittelten Resistenz auch gegen das bisher von Bakterien kaum "schlagbare" Carbapenem bei Patienten registriert worden.

Sie kamen offenbar anfänglich aus Indien und Pakistan. Bei einer solchen Infektion bleiben nur noch wenige Medikamente zur Behandlung übrig. Auch in Österreich wurden schon NDM-1-positive Keime in geringem Ausmaß registriert.

Gemeinsame Suche von Medizin und TV

Walsh machte sich ausgesprochen publikumswirksam auf die Suche nach solchen Bakterien. Gemeinsam mit Journalisten des britischen Channel-4-TV-Programms entnahmen er und sein Team 171 Proben aus Wasserlacken und 50 Trinkwasserproben in einem Umkreis von zwölf Kilometern vom Zentrum Neu-Delhis.

Ö1 Sendungshinweis:

Über Antibiotika-Resistenzen anlässlich des Weltgesundheitstags berichtete auch das Ö1-Morgenjournal: 7.4.

Das für die Hygiene ziemlich niederschmetternde Ergebnis: Hochresistente Keime wurden in zwei der Trinkwasserproben und 51 der 171 Proben aus Sickerwasser entdeckt. In Kultur ließen sich die Bakterien dann in zwei Fällen in Trinkwasser und in zwölf Fällen in Sickerwasser sogar künstlich "züchten".

Das wohl größte Problem: Damit ist belegt, dass diese höchst gefährlichen Keime wahrscheinlich über mit Fäkalien verunreinigtes Wasser auch oral übertragen werden können. Und das ist in Ballungsräumen wie Neu-Delhi eine riesige Brutstätte für Infektionen.

Hauptursache: Fehlendes reines Wasser

Hinzu kommt, dass die NDM-1-Bakterien insgesamt 14 verschiedene Mikrobenarten umfassten. Bei elf davon war das Gen für das durch NDM-1 kodierte Metallo-Beta-Laktamase-Enzym bisher noch nicht beobachtet worden. Und schließlich: Auch so gefährliche Keime wie Shigella boydii (Shigellen-Infektionen) und Vibrio cholerae (Cholera) wiesen das Gen auf.

Die Autoren der wissenschaftlichen Publikation: "Die oral-fäkale Übertragung von Bakterien ist ein weltweites Problem. Das Risiko hängt aber vom Standard der Wasser- und Abwasserversorgung ab. In Indien ist das aber ein besonderes Problem. Denn 650 Millionen Einwohner haben keinen Zugang zu Wassertoiletten und wahrscheinlich noch mehr Menschen keinen Zugang zu reinem Wasser."

science.ORF.at/APA

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