Standort: science.ORF.at / Meldung: ""Ähs" helfen beim Wörter lernen"

Kleinkind sitzt am Boden mit aufgeschlagenem Buch auf dem Schoß

"Ähs" helfen beim Wörter lernen

Eltern müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie viele "Ähs" und "Ähms" verwenden. Denn einer Studie zufolge dienen sie dadurch nicht - wie man meinen könnte - als schlechtes Vorbild, sondern helfen ihrem Nachwuchs sogar beim Lernen neuer Wörter.

Spracherwerb 15.04.2011

Signal für Neues

Kleine Kinder haben viel zu verarbeiten, wenn sie einem Erwachsenen zuhören. Besonders neue Wörter fordern die Kleinen und oft überhören sie dabei, was sonst noch alles gesagt wird. Verstehen gelingt laut Richard Aslin von der University of Rochester besser, wenn Zuhörer schon etwas Bestimmtes erwarten. Das gilt übrigens auch für Erwachsene.

Als Beispiel nennen die Forscher einen Besuch im Zoo. Wenn das Kind nach dem Namen eines bestimmten Tiers fragt, kommt es vor, dass der gefragte Erwachsene bei seiner Antwort etwas zögert: "Das ist äh, ein, ähm Nashorn." Unbewusst sende man damit ein Signal, dass es hier etwas Neues zu lernen gibt.

"Äh" macht aufmerksam

Diese Vermutung haben die Forscher nun im Rahmen von Experimenten mit Kleinkindern überprüft. Das Team um die Studienleiterinnen Celeste Kidd und Katherine White untersuchte drei Gruppen von Kindern im Alter von 18 bis 30 Monaten. Sie saßen dabei am Schoß eines Elternteils. Auf einem Bildschirm wurden jeweils zwei Objekte gezeigt: Eines war ein bekannter Gegenstand, wie etwa ein Ball; das zweite war frei erfunden und wurde auch mit einem erfundenen Namen, z.B. "dax" oder "gorp", bezeichnet.

Kleinkind am Schoß seiner Mutter, das Bildschirm mit Objekten betrachtet

university of Rochester

Ein Kleinkind beim Betrachten der Objekte.

Vom Band war eine Stimme zu hören, die in einfachen Worten über die Objekte sprach. Manchmal stockte sie jedoch und verwendete "Ähs" und "Ähms". Eine Analyse der Augenbewegungen ergab, dass die Kinder in diesem Fall weitaus länger auf das Objekt blickten, nämlich 70 Prozent der Gesamtzeit.

Hilfe beim Lernen und Verstehen

"Das heißt nicht, dass Eltern jetzt absichtlich weniger flüssig sprechen sollen", meint Kidd, aber sie sollten wissen, dass diese Pausen sehr hilfreich sind beim Spracherwerb. Der Effekt war nur bei über zweijährigen Kindern messbar. Jüngere, vermuten die Forscher, hätten noch nicht gelernt, dass sprachliches Stocken oft neue oder unbekannte Wörter einleitet.

Schon frühere Studien hätten gezeigt, dass "Ähs" und "Ähms" auch erwachsenen Menschen das Verstehen erleichtern.

science.ORF.at

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