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Nahaufnahme einer Kreditkarte

Plastikgeld stärkt das Ego

Wer Minderwertigkeitsgefühle hat, neigt eher zum Kauf von Luxusgütern, wie eine Studie zweier US-Psychologen zeigt. Ein Detail: Zur Kompensation des geschwächten Egos ist vor allem die Kreditkarte beliebt.

"Rolex-Effekt" 06.05.2011

Der alte Witz von Männern in dicken Autos dürfte einen wahren Kern haben. Dass Konsum auch zur Kompensation eingesetzt werden kann, ist jedenfalls gut belegt. Im Prinzip gibt es dafür zwei Motive: Luxusgüter dienen oft als Statussymbole, und interessanterweise neigen, wie Studien zeigen, vor allem jene zum Kauf solch teurer Symbole, die sie sich gar nicht leisten können. Zweitens dienen Konsumgüter auch als Surrogat des Selbstwertgefühls.

Wer sich selbst nicht genügt, rüstet das Ich eben mitunter konsumatorisch auf. Wobei es nicht nur darauf ankommt, was man kauft, sondern auch wie man es kauft. Diesen Zusammenhang haben nun die beiden Wirtschaftswissenschaftler Nathan Pettit und Niro Sivanathan untersucht.

Die Studie

"The Plastic Trap: Self-Threat Drives Credit Usage and Status Consumption" ist im Fachblatt Social Psychological and Personality Science erschienen.

Die beiden baten Probanden zu einem Computertest und erzählten danach der Hälfte der Teilnehmer, ihre räumliche Orientierung und ihr logisches Denken hätten sich unterhalb des zwölften Perzentils aller Probanden befunden - eine wissenschaftlich klingende Art ihnen mitzuteilen, sie seien nicht sehr klug. Der anderen Hälfte wurde gesagt, ihre Performanz habe sich oberhalb des 88. Perzentils befunden, sei also sehr gut gewesen.

"Schmerzfreier" Konsum

Die künstliche Auf- bzw. Abwertung des Egos wirkte sich auf das Konsumverhalten aus: Die erste Gruppe gab nämlich in einer Befragung deutlich häufiger an, bei zukünftigen Einkäufen die Kreditkarte zu verwenden. Die Interpretation der Forscher: "Plastic money" wird zu Kompensationszwecken bevorzugt, weil es "schmerzfreien" Konsum zu ermöglichen vorgibt. Kleine gebrauchte Scheine zeigen eben konkreter an, wie viel Geld man wieder zum Fenster hinausgeworfen hat.
Pettit und Sivanathan wiederholten den Test mit anderen Teilnehmern unter leicht variierten Bedingungen.

Diesmal wurden die Probanden vor die Wahl gestellt, sich entweder ein Paar "normale Jeans" zu kaufen oder solche, die von einem bekannten Designer stammen. Das Ergebnis war ähnlich: Die Teilnehmer mit beschädigtem Ego wählten um 30 Prozent häufiger die Luxus-Variante und griffen um 60 Prozent häufiger zur Kreditkarte. Bargeldlos zu zahlen, hat offenbar eine starke psychologische Komponente. Vielleicht auch eine Möglichkeit, die Texte von Falco neu zu lesen: "No plastic money an der Bar, was seh' ich oh lala - wunderbar."

Robert Czepel, science.ORF.at

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