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Kühe auf der Alm

Kühe sind keine Klimakiller

Kühe gelten aufgrund ihres Ausstoßes von Methangas als schädlich für das Klima. Dem widerspricht die deutsche Veterinärmedizinerin Anita Idel. In einem jüngst erschienenen Buch zeigt sie auf, dass nicht Rinder die Umwelt belasten, sondern die Agrarsysteme, die durch zu hohen Einsatz von Kraftfutter auf die Maximierung der Produktion abzielen.

Umwelt 11.05.2011

"Die Kuh steht fälschlicherweise am Pranger. In ökologisch-ganzheitlicher Landwirtschaft schützen Kühe das Klima", meinte Idel bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien, bei der sie Studienergebnisse über die Klimarelevanz von Kühen vorstellte.

Nachhaltiges Weidemanagement für Klimaschutz

Das Buch

Anita Idel: "Die Kuh ist kein Klima-Killer! Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können", Metropolis Verlag.

Entscheidend für die Klimabilanz der Kuh sei die Art ihrer Nutzung: Rinder sind Weidetiere und benötigen für die Produktion von Fleisch und Milch kein Getreide. Dies können sie aus Rohstoffen wie Gras, Klee, Kräutern und Heu bilden. Erst das Agrarsystem, in dem Nutztiere möglichst schnell wachsen und zur Schlachtreife kommen müssen, macht den Einsatz von energiereichem Kraftfutter nötig.

"Nachhaltiges Weidemanagement hat weltweit mehr Potenzial Kohlendioxid zu speichern als irgendeine andere landwirtschaftliche Praxis", so Anita Idel.

Rinderhaltung kann im Rahmen einer ökologisch-ganzheitlichen Landwirtschaft zum Klimaschutz beitragen, da so Dauergrünland erhalten bleibt und damit große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid unwirksam im Boden gespeichert werden können, sagte Idel.

Plädoyer für Biolandbau

"Die biologische Landwirtschaft bietet die besten Voraussetzungen, um das Klimaschutzpotenzial in der Rinderhaltung voll zu nutzen", so Rudi Vierbauch, Obmann des heimischen Biobauernverbands Bio Austria. Die Richtlinien des Vereins limitieren die Kraftfuttermenge in der Rinderfütterung auf maximal 15 Prozent. Die Tiere werden grundsätzlich mit hofeigenem und biologischem Futter ernährt, sagte Vierbauch.

Einen Wechsel von der Produktionsmaximierung hin zur Produktionsoptimierung fordert Vierbauch im Vorfeld der Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) für die neue Finanzperiode ab 2014.

"Der Blick auf die Zusammenhänge und die Notwendigkeit für ganzheitliche Lösungsansätze müssen auch bei der Reform für die Periode nach 2013 im Zentrum stehen. Nachhaltige und artgerechte Tierhaltung und der Schutz des Bodens müssen dabei stärker gewichtet werden als bisher, um dem Ziel des Klimaschutzes entsprechen zu können", so Vierbauch.

science.ORF.at/APA

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