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Zwei Pinguine vis-à-vis

So halten sich Pinguine warm

Bei minus 50 Grad und Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 km/h wird selbst Pinguinen kalt. Forscher haben herausgefunden, wie sie die Körpertemperatur konstant halten: durch Rotation im Rudel.

Antarktis 03.06.2011

Der deutsche Physiker Daniel Zitterbart hat vor drei Jahren den August in der Neumayer Antarctica Research Station verbracht. Während in Europa zu dieser Zeit die Sommerhitze brütet, erreicht in der Antarktis der Winter seinen Höhepunkt - bzw. seinen Tiefpunkt, sofern man die Temperatur als Maßstab nimmt. Zitterbart beobachtete während seines Aufenthaltes eine Kolonie von Kaiserpinguinen mit ungefähr 2.000 Tieren. Hochauflösende Videoaufnahmen zeigten: Die Vögel folgen einer ganz bestimmten Choreographie, um sich vor der Kälte zu schützen.

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Die Studie:

"Coordinated Movements Prevent Jamming in an Emperor Penguin Huddle", PLoS ONE (6(6): e20260. doi:10.1371/journal.pone.0020260).

Wenn die Temperatur fällt, rücken die Tiere zunächst immer näher zusammen, "huddling" heißt das Kuschelverhalten im Englischen. Wird es noch kälter, stellt sich plötzlich eine kollektive Bewegung ein und die Pinguine beginnen im Rudel zu rotieren. Damit ist sichergestellt, dass sich jedes Tier im Zentrum der Gruppe aufwärmen kann, nachdem es an der Peripherie dem kalten Wind ausgesetzt war. Diese Rotation folgt, wie Zitterbart und seine Kollegen im Fachblatt "PLoS ONE" schreiben, einem sich wiederholenden Muster. Durch die Kolonie ziehen periodische Wellen - für das nackte Auge sind sie unsichtbar, weil sie sich mit 12 Zentimetern pro Sekunde nur langsam fortbewegen.

Doch im Zeitraffer sieht man sie: Zitterbart, ganz Physiker, vergleicht diese Wellen mit Phänomenen aus der Materialforschung. In Gläsern und Kolloiden gebe es ganz ähnliche Phänomene, schreibt er. Das Zusammenrücken sei "kolloidalen Aggregaten" analog, die Wellen in der Kolonie entsprächen "temporären Verflüssigungen". Wenn das die Pinguine wüssten!

Robert Czepel, science.ORF.at

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