Standort: science.ORF.at / Meldung: "Schnellster Rechner Österreichs vor dem Start"

VSC-2 vor – Österreichs schnellster Großrechner

Schnellster Rechner Österreichs vor dem Start

Der Vienna Scientific Cluster 2 (VSC-2) wird am Dienstag offiziell in Betrieb gehen. Der schnellste Computer Österreichs nimmt auf der neuen Liste der 500 leistungsfähigsten Rechner immerhin Platz 56 ein und spielt damit in der Oberliga der Supercomputer.

COMPUTER 20.06.2011

Am Dienstag werden die Wiener Universitäten offiziell ihren neuen Supercomputer Vienna Scientific Cluster 2 (VSC-2) in Betrieb nehmen. Der Rechner hat in den Auslastungstests eine Leistung von 135,6 Teraflops erreicht und belegt damit den respektablen Platz 56 in der Top-500-Liste. Der VSC-2 weist 21.024 Prozessorkerne auf. Die Kosten für Anschaffung und Betrieb teilen sich TU Wien, Universität Wien und die Universität für Bodenkultur. Die Hardware hat 4,2 Millionen Euro gekostet.

Stolz sind die Projektleiter Prof. Herbert Störi und Peter Berger auch darauf, dass die Energieeffizienz des neuen Superrechners doppelt so hoch ist wie jene des Vorgängermodells. Am neuen TU-Standort im Wiener Arsenal steht auch ein besseres Kühlsystem zur Verfügung als beim VSC-1, der im TU-Hauptgebäude angesiedelt ist und dort auch weiter betrieben wird.

Besseres Kühlsystem

Laut Störi werden die insgesamt 1.314 Rechnerknoten (Nodes) in wassergekühlten Schränken mit einer Vorlauftemperatur von 18 Grad Celsius arbeiten. Bei älteren Modellen habe diese noch bei sechs Grad gelegen, die Kosten für die Kühlung sind damit gesunken. In jedem Rechnerknoten stecken zwei Prozessoren vom Typ AMD Opteron 6132 HE, die mit 2,2 GHz getaktet sind und über je acht Rechenkerne verfügen. Die Knoten sind untereinander via InfiniBand vernetzt, das System schafft einen Datendurchsatz von 32 Gbit pro Sekunde.

Supercomputer werden für sehr aufwendige Berechnungen in der Forschung genutzt. Beispielsweise können damit der komplexe Aufbau und die Eigenschaften von Proteinen erforscht werden. Dafür werden gigantische Datenmengen analysiert. Auch in der Klimaforschung werden Supercomputer immer wichtiger, mit ihnen lassen sich beispielsweise Klimaveränderungen oder Erdbeben vorausberechnen.

Vorreiter Japan

Der schnellste Supercomputer der Welt kommt aus Japan. Mit acht Billiarden Rechenschritten pro Sekunde (Petaflops) hat sich das System "K Computer" von Fujitsu an die Weltspitze katapultiert und den vormaligen Spitzenreiter mit der mehr als dreifachen Leistung überrundet. Erstmals gibt es unter den ersten zehn Plätzen der am Montag veröffentlichten Liste der "Top 500" keine Anlage mehr, die nicht in der "Petaflop-Liga" spielt.

Japan hatte mit dem "Earth Simulator" des Herstellers NEC lange die Liste angeführt, bis der Klimarechner 2004 vom Thron gestoßen wurde. Der neue Rechner "K Computer" steht in Kobe und soll vom Institut RIKEN für physikalische und chemische Forschung genutzt werden.

Spitzenreiter ohne GPU-Unterstützung

Die Rechenarbeit übernehmen mehr als 80.000 Prozessoren (CPU) mit jeweils acht Kernen. Anders als die Spitzenreiter der jüngsten Zeit nutzt der "K Computer" keine Grafikchips, um seine Rechenleistung zu steigern. Dafür ist er einer der energieeffizientesten Systeme auf der Liste. Grafikchips (GPU) können auch einfache Rechenaufgaben in großer Menge übernehmen und so die Gesamtleistung erhöhen.

Noch im November die Nummer eins, rangiert der Computer "Tianhe-1A" ("Milchstraße") aus dem nordostchinesischen Tianjin nun mit 2,56 Petaflops in der Sekunde auf dem zweiten Platz. Auf dem dritten Platz landete "Jaguar" des Supercomputerspezialisten Cray, der in den USA im Oak Ridge National Laboratory des US-Energieministeriums mit 1,75 Petaflops arbeitet. Die Plätze vier und fünf werden wieder von Anlagen aus China und Japan mit 1,27 und 1,19 Petaflops belegt.

Die "Top 500"-Liste der weltweit schnellsten Supercomputer wird unter anderem auf Initiative des Mannheimer Informatikers Hans Werner Meuer zweimal im Jahr zur Internationalen Supercomputing Conference (ISC) veröffentlicht, die in dieser Woche in Hamburg stattfindet. Die ISC wird abwechselnd in den USA und Deutschland ausgerichtet.

science.ORF.at

Mehr zu dem Thema: