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Massenhochzeit im Libanon

Ehe und Scheidung machen dick

Der Beginn und das Ende einer Liebesbeziehung können sich nicht nur auf das Herz auswirken, sondern auch auf die Leibesfülle. Laut einer aktuellen Studie steigt die Chance auf eine Gewichtszunahme sowohl in der Zeit nach einer Hochzeit als auch nach einer Scheidung.

Medizin 23.08.2011

Vor allem Frauen legen an Gewicht zu, aber auch Männer sind betroffen. Das gilt auch, wenn wenn andere Faktoren wie Bildung, Gesundheit und Einkommen aus der Statistik heraus gerechnet werden, berichten die Studienautoren Zhenchao Qian und Dimitry Tumin.

Die Studie:

"Marital Transitions and Short-Term Weight Changes" wurde beim jährlichen Treffen der American Sociological Association (20.8. - 23.8.) vorgestellt.

Sie haben die Veränderungen des Body Mass Index (BMI) von 10.000 frisch Vermählten, Geschiedenen und Singles zwischen 1986 und 2008 statistisch untersucht. Dass der Ring am Finger oft zum Zunehmen verleitet, war bereits von früheren Studien bekannt, jedoch nicht dass auch die Scheidung diesen Effekt haben kann.

Unterschiede zwischen Frau und Mann

Heiraten Frauen, so ist ihr Risiko, in den ersten zwei Ehejahren stark an Gewicht zuzunehmen, um 48 Prozent erhöht, was mehr als drei Punkten des BMI entspricht. Bei einer 160 Zentimeter großen und 50 Kilogramm schweren Frau bedeuten drei Punkte eine Steigerung von etwa acht Kilogramm.

Auch Männer nehmen nach der Hochzeit zu, allerdings weniger als Frauen. Die Wahrscheinlichkeit einer zumindest kleinen Gewichtszunahme nach der Hochzeit erhöht sich bei ihnen um 28 Prozent.

Haben frühere Studien angenommen, dass regelmäßig eingenommene, gemeinsame Mahlzeiten zu diesem Kilozuwachs führen, so ist das Plus nach Scheidungen umso verblüffender: Laut den Forschern erhöht sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern nach einer Trennung die Wahrscheinlichkeit "kleinerer Gewichtszunahmen" um rund 20 Prozent.

Auch eine Frage des Alters

Ö1-Sendungshinweis

Regeln für die Zweisamkeit. 200 Jahre Ehe und
Recht. Ö1-Dimensionen, Mittwoch, 31. August 2011 um 19:05 Uhr

Der Grund dafür dürfte im allgemeinen Verlauf der Körperfülle liegen. In den 23 Jahren ihres Untersuchungszeitraums nahmen alle untersuchten Gruppen zu: die Verheirateten, die Geschiedenen, die Wiederverheirateten und auch die niemals Verheirateten. Frühere Studien haben angenommen, dass Scheidungen eher zu einer Gewichtsabnahme führen. Quian und Tumin stellen nun klar, dass sich die Zunahme in den ersten zwei Jahren nach einer Trennung nur verlangsamt.

Von allen untersuchten Gruppen waren es ledige Frauen, die den größten BMI hatten. Frisch verheiratete Frauen hatten aber das größte Risiko in den ersten beiden Jahren deutlich zuzunehmen. Und zwar so, dass die Zunahme in manchen Fällen sogar ein Gesundheitsrisiko darstellte.

Laut der Studie sind auch Unterschiede im Alter feststellbar. Die Gefahr, dass sich die Hochzeit oder die Scheidung um den Bauch herum bemerkbar macht, soll erst ab 30 gegeben sein. "Für jemanden Mitte zwanzig macht es keinen großen Unterschied, ob man verheiratet ist oder nicht. Später wird der Unterschied dafür umso deutlicher", sagt Zhenchao Qian in einer Aussendung.

science.ORF.at

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