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Eine computergenerierte Rekonstruktion der Gebäude.

Antike Gladiatorenschule "Sensationsfund"

Die Entdeckung von umfangreichen Fundamenten einer antiken Gladiatorenschule auf dem Areal des Archäologischen Parks Carnuntum als archäologischer Sensationsfund von internationaler Bedeutung einzuschätzen.

Carnuntum 05.09.2011

Das bekräftigte Markus Scholz (Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz) per Videobotschaft in einer Pressekonferenz am Montag in Petronell.

Animierte Simulation

Eine computergenerierte Rekonstruktion der Gebäude.

APA

Eine computergenerierte Rekonstruktion der Gebäude

Die Untersuchungen wurden vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie durchgeführt. Dessen Leiter Wolfgang Neubauer berichtete über die Dimensionen der 1.700 Jahre alten Anlage unmittelbar beim Amphitheater: Das Gesamtareal umfasst 11.000 Quadratmeter, davon 2.800 Quadratmeter der zentrale Hof, das Wohngebäude 170 Quadratmeter.

Die größere Trainingsarena wies einen Durchmesser von 19 Metern auf, eine beheizbare Trainingshalle 100 Quadratmeter. Die in nur wenigen Stunden durch modernste Bodenradargeräte erstellten Aufnahmen zeigen Grundrisse und Grundmauern, die nun auch eine animierte Simulation der einzelnen Gebäude ermöglichen. Sogar die Estrichböden sind erhalten, "eine ganz große Besonderheit", so Neubauer.

40 bis 60 Gladiatoren

Laut Franz Humer, wissenschaftlicher Leiter des Archäologischen Parks, gehen fündige Messtiefen bis zu zwei Meter in den Untergrund. Verfeinerte Aussagen werden durch weitere Oberflächensurveys möglich sein. Humer: "Das ist sicherlich nicht die letzte Entdeckung, die wir hier in Carnuntum in den nächsten Monaten und Jahren zu bieten haben werden."

Die Ausbildungs- und Wohnstätte war vermutlich mit 40 bis 60 Gladiatoren belegt. Erfolgreiche Kämpfer konnten zu regelrechten Superstars aufsteigen. Allerdings, so Neubauer: "Die Lebenserwartung überdauerte meist nur vier, fünf Kämpfe."

Auf die Frage, wann mit den Ausgrabungen begonnen werde, antwortete Neubauer mit einem medizinischen Vergleich: "Auch vor einer Operation sollte man noch alle möglichen tomographischen Befunde einholen, bevor man sich aufschneiden lässt."

science.ORF.at/APA

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