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Lachen ist das (fast) beste Schmerzmittel

Was gibt es Schöneres als einen lustigen Abend mit Freunden? Zumindest hinsichtlich des eigenen Schmerzempfindens so gut wie nichts, berichten britische Forscher. Denn durch gemeinsames Lachen werden körpereigene Morphine freigesetzt, die Schmerzen lindern und den Zusammenhalt der Gruppe stärken.

Anthropologie 14.09.2011

Aber Achtung: Es funktioniert nur, wenn man wirklich herzlich lacht - freundliches Lächeln hat keinerlei Effekt. Das haben die Anthropologen um Robin Dunbar, Vorstand des Instituts für Soziale und Kulturelle Anthropologie der Universität Oxford, durch Schmerztests herausgefunden.

Die Studie:

"Social laughter is correlated with an elevated pain threshold" ist in den "Proceedings" der britischen Royal Society erschienen (doi:10.1098/rspb.2011.1373 - nach Veröffentlichung online).

Warum lacht man?

Lachen ist etwas völlig Selbstverständliches, möchte man meinen. Aber so "normal", wie es uns scheint, ist es zumindest in der Welt der Wissenschaft nicht. Schließlich lachen nur Menschen und manche Affenarten, in der restlichen Tierwelt ist diese Reaktion nicht bekannt. Deshalb stellen sich Anthropologen schon seit langem die Frage, warum das Lachen überhaupt zu einer so weit verbreiteten Praxis wurde.

Verschiedene Hypothesen wurden formuliert: Lachen signalisiere dem Gegenüber (Paarungs-)Interesse bzw. eine grundsätzlich freundliche Haltung, lautete eine davon. Eine andere besagt, dass Lachen die Bindungsfähigkeit erhöhe und damit die Bildung von Gruppen erleichtere - eine Grundlage für die Entwicklung von Gesellschaften. All diese Thesen bieten aber keine Erklärung zu den rein biologischen Effekten des Lachens.

Nur in Bezug auf die schmerzmildernde Wirkung gab es schon in der Vergangenheit konkrete Hinweise: So zeigten mehrere Studien (z.B. diese), dass Patienten nach dem Konsum von Comedy-Shows weniger Schmerzmittel brauchten als ohne Unterhaltung - jedoch ohne zu messen, wie oft gelacht wurde und wie stark sich die Schmerzen reduzierten. Verantwortlich für die Schmerzlinderung sind die körpereigenen Morphine, die beim Lachen ausgeschüttet werden.

Schmerztests und Resistenz

Robin Dunbar und seine Kollegen machten es sich zur Aufgabe, den Zusammenhang zwischen Lachen in einer Gruppe und Schmerzreduktion systematisch zu testen. Die Versuchspersonen mussten sich jeweils vor und nach einer gemeinsam mit anderen konsumierten Folge von "Mr. Bean", in denen ein britischer Komiker in eine Reihe absurder Situationen schlittert, diversen Schmerztests unterziehen: Einmal wurde ihnen eine eiskalte Bandage angelegt und gemessen, wie lange sie die Kälte ertragen konnten. Ein anderes Mal bekamen sie eine Manschette eines Blutdruckmessgeräts um den Arm, und sie wurde bis zum Maximum aufgepumpt.

Um festzustellen, ob tatsächlich das Lachen die Schmerztoleranz erhöht, bekamen Vergleichsgruppen einen angenehmen Naturfilm bzw. eine langweilige Sendung zu Golf vorgespielt. Lachen verfehlte seine Wirkung nicht: Die Testpersonen waren nach der gemeinsamen Belustigung um zehn Prozent schmerzresistenter als nach den anderen Programmen.

Zwei Voraussetzungen

Danach wollten die Forscher den Effekt auch noch außerhalb der Laborsituation überprüfen, weshalb sie sich zum "Edinburgh Fringe Festival" begaben und Menschen bei "Stand-up-Comedies" im Vergleich zu Publikum von ernst gehaltenen Dramen beobachteten. Bei den Schmerztests danach zeigte sich auch hier die schmerzmildernde Wirkung von Lachen.

Damit dieser Effekt eintritt, braucht es allerdings zwei Voraussetzungen: Erstens muss man wirklich herzlich lachen, d.h. Luft mehrmals ausatmen ohne dazwischen einzuatmen. Dadurch tritt ein körperlicher Erschöpfungseffekt ein, der wiederum die Ausschüttung von Endorphinen auslöst.

Verstärkt wird die Wirkung, wenn sich die Versuchspersonen die lustigen Videos nicht allein, sondern in Gruppen ansahen. Dann ist die Reizschwelle gegenüber Schmerz sogar noch höher. Darin könnte laut Forschern auch der Sinn des Lachens liegen: Gruppen in ihrem Zusammenhalt zu stärken.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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