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Pillen auf einer Hand.

Markt illegaler Arzneimittel boomt

Eine "explosionsartige Zunahme" an illegalen Arzneimitteln hat es in Österreich in den vergangenen Jahren laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) gegeben.

Österreich 22.09.2011

Während vor zehn Jahren lediglich rund 50 Proben von Arzneimitteln illegaler Herkunft untersucht worden seien, werden es im Jahr 2011 voraussichtlich über 1.000 sein, sagte Andreas Mayrhofer, der Chef des AGES-Kontrolllabors, im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft in Innsbruck.

Bei rund 75 Prozent der Proben sei eine "potenzielle Gesundheitsgefahr" gegeben, erklärte Mayrhofer. Im Jahr 2009 seien laut dem Experten rund 600 Proben genommen worden, ein Jahr darauf seien es bereits 900 gewesen. Der illegale Arzneimittelmarkt habe sich leider "von einer Nebenbeschäftigung zu einer Hauptbeschäftigung" entwickelt, erklärte Mayrhofer.

Anabolika, Schlankheitsmittel, Drogen

Am legalen Markt sei jedoch bisher keine Arzneimittelfälschung dokumentiert, betonte der AGES-Kontrolleur. Über 90 Prozent der Proben seien laut Mayrhofer im Zuge von polizeilichen Ermittlungen und Zoll-Stichproben bei der Kontrollbehörde gelandet. Der illegale Arzneimittelmarkt sei inzwischen auch die "Nummer eins" bei den Beschlagnahmungen am Zoll. "Allein im Jahr 2009 wurden beispielsweise 27.000 Einzelpackungen aufgegriffen", sagte der Experte.

Bei rund 50 Prozent der im Labor untersuchten Proben habe es sich um Doping-Anabolika, Wachstumshormone, Schlankheitsmittel sowie sonstige Fitness-Präparate gehandelt. 20 Prozent würden die sogenannten "Legal Highs", rauschgiftähnliche Präparate, ausmachen. Der Rest verteile sich vor allem auf Libido- und Sexprodukte.

Mayrhofer forderte wesentliche härtere Strafen für den Handel und Gebrauch von illegalen Arzneimitteln. "Derzeit gibt es in solchen Fällen nur Geldstrafen. Es fehlen die Haftstrafen wie etwa im Bereich des Dopings", meinte der Chef des Kontrolllabors. Derzeit liege aber ohnehin auf europäischer Ebene eine in diese Richtung gehende Konvention unterschriftsreif vor. Diese müsse laut Mayrhofer dann ohnehin mit entsprechenden nationalen Gesetzen umgesetzt werden.

science.ORF.at/APA

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