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Parasitischer Fadenwurm

"Methusalem-Gen" ist keines

Kalorienarme Diät verlängert das Leben: Bisher glaubten Wissenschaftler, dass bestimmte Anti-Aging-Enzyme dafür verantwortlich seien. Eine neue Studie stellt diese Verbindung nun in Frage.

Alterung 23.09.2011

Studien widerlegt?

Laut einer Studie aus dem jahr 2001 ist die Aktivierung von SIR2 und ähnlichen Genen, die Sirtuine herstellen, für den lebensverlängernden Effekt bei entsprechender Diät verantwortlich. Ursprünglich wurde das in der Hefe nachgewiesen, später auch bei Fadenwürmern und Fruchtfliegen. Das gab Anlass zur Hoffnung, man könne auf diese Weise auch die Lebenserwartung von Menschen erhöhen. Eine neue Arbeit im Fachblatt „Nature“ hat diese Verbindung untersucht - und scheint sie zu widerlegen.

Studien

"Absence of effects of Sir2 overexpression on lifespan in C. elegans and Drosophila", Nature (Bd. 477, S. 482; doi:10.1038/nature10296).

"Regulation of Caenorhabditis elegans lifespan by sir-2.1 transgenes", Nature (Bd. 477, E1–E2; doi:10.1038/nature10440

"Increased dosage of a sir-2 gene extends lifespan in Caenorhabditis elegans", Nature (Bd. 410, S. 227; doi:10.1038/35065638)

Die Forscher statteten Fadenwürmer und Fruchtfliegen mit einem genetisch veränderten SIR2-Gen aus, das zur vermehrten Produktion von bestimmten Sirtuinen führt. Durch Kreuzungen stellten sie zusätzlich sicher, dass keine anderen genetischen Effekte die Lebensdauer beeinflussen würden. Das Ergebnis: Die Tiere hatten zwar ein „verbessertes“ SIR2-Gen, waren aber nicht langlebiger als ihre Artgenossen. David Gems, einer der Autoren, glaubt daher, dass SIR2 und verwandte Gene irrelevant für eine erhöhte Lebensdauer sind.

Mutation übersehen

In derselben Ausgabe von „Nature“ beharren die Autoren der Studie aus dem Jahr 2001, welche die Verbindung zwischen SIR2 und Langlebigkeit aufzeigte, auf ihrer Entdeckung. Sie geben jedoch zu, dass eine ihnen damals unbekannte Mutation in einem weiteren Gen die Lebensdauer der Versuchstiere beeinflusste. Ursprünglich erzielte man eine Steigerung der Lebensspanne um bis zu 50 Prozent in den Fadenwürmern.

Ohne Zutun dieser zweiten Mutation (also durch alleinige verstärkte Aktivierung von SIR2), könne die Lebensdauer der Fadenwürmer um immerhin 10 bis 14 Prozent gesteigert werden, schreiben sie in „Nature“. Das wäre zwar nicht so spektakulär wie 50 Prozent - aber nicht Nichts. Vermutlich ist es also noch zu früh, die Sirtuine ganz abzuschreiben. Für Einigkeit sollen nun weitere Studien sorgen.

Pia Melichar, Ö1-Wissenschaft

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