Standort: science.ORF.at / Meldung: "Europas Doktoranden sind unterfinanziert"

Ein Sparschwein auf einem Taschenrechner, das einen Doktorhut auf dem Kopf trägt

Europas Doktoranden sind unterfinanziert

Die Finanzierung ihrer Arbeit ist für die meisten Doktoratsstudenten in Europa das größte Problem. Zu diesem Schluss kommt eine europaweite Umfrage, die heute vorgestellt wird. Außerdem kennen demnach viele Jungforscher weder ihre Rechte noch Pflichten.

Universität 30.09.2011

Große nationale Unterschiede

Die Umfrage wurde in den Jahren 2008 und 2009 vom European Council of Doctoral candidates and Junior Researchers (Eurodoc) in insgesamt 30 europäischen Ländern durchgeführt. In den heute in Straßburg im Rahmen eines Eurodoc-Meetings präsentierten Bericht flossen die Daten von 7600 Doktoratskandidaten und Jungforschern aus 12 Ländern ein.

Die Auswertung zeigt, wie unterschiedlich die Situation in den einzelnen Ländern ist. In den Niederlanden und in den skandinavischen Ländern erhalten etwa 90 Prozent der Doktoranden eine Förderung oder ein Gehalt für ihre Arbeit, in vielen anderen Staaten bekommen 20 bis 30 Prozent gar nichts dafür, in Österreich sogar bis zu 46 Prozent. "Wir haben nicht erwartet, dass der Mangel so groß ist", so die Koautorin des Berichts Karonline Holländer gegenüber dem Onlinemagazin von "Science". Die meisten seien gezwungen, eine andere Form des Einkommens oder der Versorgung zu finden.

Die schlechte Finanzierung hat auch andere negative Auswirkungen, unter anderem schränkt sie die Mobilität der angehenden Forscher - im Alter von 26 bis 35 Jahren - stark ein. Manche versuchen Arbeitslosenunterstützung zu beziehen, andere borgen sich Geld von ihren Familien, um Teile ihrer Studienzeit im Ausland verbringen zu können. Die schlechte Versorgung sei aber auch eine Folge mangelnder Informationen, denn es gebe durchaus mehr Förderungsmöglichkeiten in Europa.

Rechtliche Situation unklar

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Viele Jungforscher wissen nicht Bescheid, wie es mit der intellektuellen Urheberschaft ihrer Arbeit aussieht. So durften in Frankreich und Spanien 25 Prozent der Doktoranden die Inhalte ihrer Arbeit nicht kommerziell weiter verwenden, in Slowenien waren es 21, in Belgien 12 und in Deutschland 10 Prozent. Die Studierenden achten laut Holländer generell nicht genug auf ihre Rechte. Viele hätten keine Ahnung, inwieweit sie vertraglich gebunden sind.

Ein überraschender Aspekt der Auswertung zeigte sich im Bereich der Ungleichbehandlung. Denn im Durchschnitt fühlen sich mehr Männer als Frauen wegen ihres Geschlechts ungerecht behandelt. In Finnland z.B. haben sogar 78 Prozent der männlichen Studenten das Gefühl, dass ihre Geschlechtszugehörigkeit ein sehr großer Nachteil ist, bei den Frauen sind es nur 37 Prozent. Warum das so ist - dafür haben die Studienautoren bis jetzt noch keine Erklärung.

science.ORF.at

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