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Mann trinkt aus einem Glas "hartes" Getränk, sitzend an einer Bar vor Flaschen

Gefällt mir: Einen über den Durst zu trinken

Auf Facebook kann man seinem Freundeskreis und der Welt mitteilen, was auch immer man für wichtig hält: welche Bücher man liest, welche Hobbys man hat und zu welchen Anlässen man gerne Alkohol trinkt. Letzteres haben sich Forscher zunutze gemacht und herausgefunden: Das Facebook-Profil reicht aus, um Jugendliche mit riskantem Trinkverhalten zu identifizieren.

Soziale Netzwerke 04.10.2011

Nachdem rund 98 Prozent der US-amerikanischen College-Studenten auf Facebook aktiv sind, könnte das ein neuer Zugang zu potenziellen Risikogruppen sein, schreiben Megan Moreno von der Universität Wisconsin in Madison und Kollegen in ihrer Studie.

Die Studie:

"Associations Between Displayed Alcohol
References on Facebook and Problem Drinking
Among College Students" ist in den "Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine" erschienen (DOI:10.1001/archpediatrics.2011.180).

Alkohol in Text und Bild

Was bei uns unter dem Schlagwort "Komatrinken" bekannt wurde, scheint es in den USA besonders unter College-Studenten häufig zu geben: So zitieren die Forscher eine Umfrage, nach der die Hälfte all jener Studierenden, die Alkohol konsumieren, bereits über Schäden durch hochprozentige Getränke berichten. Jährlich rund 1.700 Todesfälle unter College-Studenten gehen laut Untersuchungen auf Alkoholkonsum zurück.

Der Prävention sind dabei enge Grenzen gesetzt, denn die Gruppen mit dem höchsten Risiko sind genau jene, die am seltensten Ärzte aufsuchen und damit für Interventionen kaum zu erreichen sind. Megan Moreno und Kollegen suchten deshalb nach neuen Ansätzen und wurden bei den sozialen Netzwerken fündig. Unter den Informationen zur eigenen Person und den Neuigkeiten, von denen auf Facebook & Co. berichtet wird, finden sich häufig Bezüge zu Alkohol: auf Bildern, in Texten, in Selbstbeschreibungen.

Persönliches Trinkverhalten

Um zu überprüfen, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Einträgen in sozialen Netzwerken und dem persönlichen Trinkverhalten gibt, wählten die Forscher über 300 Facebook-Seiten von Angehörigen zweier US-Universitäten im Alter zwischen 18 und 20 Jahren aus. Die Seiten wurden in drei Kategorien eingeteilt: 1. kein Alkohol-Bezug im Facebook-Eintrag (64,3 Prozent der Seiten), 2. moderater Alkoholkonsum (19,6 Prozent) und 3. Hinweise auf regelmäßige Trunkenheit, eventuell auch auf Problem-bezogenes Trinken (16,1 Prozent).

Danach wurden die Facebook-User direkt kontaktiert und um die Beantwortung eines Online-Fragebogens gebeten. 224 stimmten zu und lieferten den Forschern anhand des an Jugendlichen erprobten "Alkohol Use Disorders Identification Test" (AUDIT) Angaben zum persönlichen Trinkverhalten.

Parallelen mit realer Welt

Der Vergleich von Fragebogen und Selbstdarstellung auf Facebook zeigte: 58,3 Prozent jener User, deren Einträge deutliche Hinweise auf intensiven Alkoholkonsum lieferten, bestätigte auch die Befragung "riskantes Trinkverhalten". Unter jenen Studierenden, die auf Facebook von gelegentlichem Alkoholgenuss berichten, fallen schon deutlich weniger, nämlich 37,8 Prozent in die Risikogruppe.

Am wenigsten gefährdet waren laut Fragebogen jene, die auf Facebook keinen Hinweis auf Alkohol lieferten. Es gibt also doch einen Zusammenhang zwischen realer und virtueller Welt, zumindest legt das die Studie von Megan Moreno und Kollegen nahe.

Abstinenz-Werbung auf Facebook?

Die Forscher haben auch schon einige Ideen, wie sich diese nunmehr belegte Korrelation nutzen lässt, um an jene Gruppen - vor allem junge Männer - heranzukommen, die für Präventionsmaßnahmen kaum ansprechbar sind: Man könnte Peers an den Universitäten definieren, die bei ihren Facebook-Kontakten auch ein Auge auf möglichen Alkoholmissbrauch haben. Ärzte könnten auch dafür sensibilisiert werden, auch Details zur Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken in ihre Anamnese einfließen zu lassen.

Und letztlich könnte man sich auch die Technik selbst zunutze machen, schreiben die Wissenschaftler: Nachdem die Werbung auf Facebook & Co. durch Schlagworte in den Einträgen selbst zugeordnet wird, könnte man Menschen mit ausgeprägtem Alkoholkonsum durch gezielte "Werbeeinschaltungen" auf ihr mögliches Problem aufmerksam machen.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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