Standort: science.ORF.at / Meldung: "Piranhas bellen, bevor sie beißen"

Ein Piranha mit geöffnetem Maul.

Piranhas bellen, bevor sie beißen

Von wegen "stumm wie ein Fisch": Piranhas beißen nicht nur, wenn sie mit anderen konkurrieren, sie geben auch eine Art Bellen von sich. Und nicht nur das: Sie sind auch imstande, ihre Laute auf drei verschiedene Weisen zu variieren. Forscher haben nun geklärt, wie die Laute produziert werden.

Biologie 12.10.2011

"Man muss einen Piranha nur in die Hand nehmen, schon produziert er Geräusche", schildert Eric Parmetier von der Universität Liege in Belgien, der gemeinsam mit den Biologen Sandie Millot und Pierre Vandewalle den Kontakt mit den bissigen Fischen suchte. Bisher sei nicht klar gewesen, wie und warum die Tiere die Laute produzieren.

Die Studie:

"Sound production in red-bellied piranhas (Pygocentrus nattereri, Kner): an acoustical, behavioural and morphofunctional study" ist im "Journal of Experimental Biology" erschienen.

Bellen, Trommeln, Knacken

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Hunger macht laut

Die Biologen konzentrierten sich in ihrer Arbeit auf eine Gruppe von roten Piranhas, die in einem großen Aquarium gehalten wurden. Zuerst zeichneten sie mit Hilfe eines Unterwassermikrophons die Laute auf, die die Fische während ihrer Suche nach Futter von sich gaben.

Die gut genährten Fische verhielten sich laut Forschern meist ruhig, geräuschvoller wurde es, wenn die Tiere hungrig wurden und ein Konkurrent ihnen das Futter streitig machen wollte. Dann gaben sie dieselben bellenden Laute (Audio) von sich, die die Forscher auch hören konnten, wenn sie ein Exemplar mit der Hand aus dem Wasser hoben.

Drei Varianten

Ein Schwarm Piranhas in einem Aquarium.

Canoneer - Fotolia.com

Wenn sie satt sind, sind sie ruhig. Erst mit dem Hunger beginnen Piranhas zu bellen.

"Zuerst dachten wir, sie geben nur einen Laut von sich, der sich fortwährend wiederholt", beschreibt Eric Parmetier. Dann aber bemerkten die Biologen, dass es drei verschiedene Varianten gibt: das erwähnte Bellen, ein trommelähnliches Geräusch (Audio) und einen krächzenden Laut (Audio) - zumindest bei letzterem war es relativ einfach festzustellen, wie er entsteht: durch die Kiefer der Piranhas, wenn sie nach einander schnappen.

Um dem bellenden und dem trommelähnlichen Geräusch auch auf die Spur zu kommen, sahen sich die Forscher die Schwimmblase der Fische genauer an. Genauer gesagt: Sie stimulierten die Muskeln, die durch ihre Kontraktion die Schimmblase zum Vibrieren bringen. Sobald die Spannung durch die Muskeln nachlässt, hört auch die Blase mit ihren Schwingungen auf. Je nachdem, in welcher Frequenz und mit welcher Intensität sich die Muskeln zusammenzogen, ertönten unterschiedliche Klänge: entweder das leise Trommeln oder das deutlichere Bellen.

Piranhas, die bellen, beißen

Als nächsten Schritt wollen Eric Parmetier und seine Kollegen nun klären, ob die Piranhas ihre "Musikalität" auch zu anderen Zwecken nutzen, etwa in der Paarungszeit. Dazu müssten sie sich aber in die freie Natur begeben, weil sich Piranhas in Gefangenschaft normalerweise nicht vermehren.

Dort heißt es dann wahrscheinlich noch besser aufpassen als bei der bisherigen Forschungsarbeit. Denn eines haben die Biologen am eigenen Körper festgestellt: Piranhas, die bellen, beißen sehr wohl - alle drei Studienautoren mussten zumindest einmal zum Nähen diverser Finger ins Krankenhaus.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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