Standort: science.ORF.at / Meldung: "Gestillte Babys sind nicht still"

Schreiendes Baby in Nahaufnahme

Gestillte Babys sind nicht still

Laut britischen Forschern ist es normal, dass gestillte Babys reizbarer sind und häufiger schreien. Mütter sollten sich dadurch nicht verunsichern lassen, denn Muttermilch ist dennoch die beste Nahrung für das Kind.

Ernährung 11.01.2012

Gesunde Muttermilch

Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe, die ein Säugling in den ersten Lebensmonaten braucht. Zudem schützt sie den Nachwuchs vor Erkrankungen, beispielsweise vor Infektionen. Studien legen nahe, dass gestillte Kinder auch langfristig profitieren, sie leiden unter anderem später seltener unter Übergewicht und den damit verbundenen Zivilisationskrankheiten. Laut offiziellen Empfehlungen sollten Mütter daher zumindest sechs Monate lang stillen. Das gelingt aber nicht allen, viele geben bereits nach kurzer Zeit auf. Einen Grund dafür haben britische Mediziner nun in einer aktuellen Studie herausgefunden.

Die Forscher um Ken Ong vom Medical Research Council haben dafür 300 Mütter zum Temperament ihrer Babys befragt. 137 Säuglinge wurden ausschließlich mit Muttermilch gefüttert, 88 nur mit der Flasche, der Rest bekam beides. Laut den Aussagen der Mütter waren die gestillten Säuglinge in der Regel schwieriger und weinten öfter.

Überfütterung macht ruhig

Die Frauen würden die Reizbarkeit ihres Nachwuchses häufig fälschlicherweise als Zeichen für Hunger deuten: "Stillen allein hat nicht ausgereicht", ist der häufigste Grund, warum Mütter damit aufhören und zu Flaschennahrung greifen, wie die Forscher gegenüber der BBC sagten. Dabei müssen unruhige Babys nicht unbedingt hungrig sein. Sie kommunizieren ihnen zufolge natürlicherweise mit Weinen und Schreien.

Die Erklärung, warum gestillte Babys das häufiger tun, liegt laut den Forschern vermutlich auf der anderen Seite. Flaschenbabys seien vielleicht nur deswegen so ruhig und pflegeleicht, weil sie überfüttert sind. Andere Studien hätten bereits gezeigt, dass diese tatsächlich zu wohlgenährt sind und viel zu schnell Gewicht zulegen. Zu viel des Guten mache auch Erwachsene ruhig und müde. Müttern raten die Mediziner zu realistischeren Erwartungen - vielleicht lässt sich so das Stillen besser durchhalten, denn dass Babys quengeln und schreien, ist völlig normal.

science.ORF.at

Mehr zum Thema: