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Boykott gegen Elsevier gewinnt an Fahrt

Mehr als 4.800 Forscher aus der ganzen Welt haben bereits eine Protestnote gegen Elsevier unterschrieben, in der sie gegen die Publikationspolitik des Verlagsmultis mit Sitz in Amsterdam protestieren. Der Vorwurf: Elsevier erschwere die Zugänglichkeit von Wissen.

Publikationen 10.02.2012

Sie kündigen an, in Elsevier-Journals nicht mehr publizieren und keine Gutachten für eingereichte Studien mehr verfassen zu wollen.

Hohe Kosten und restriktive Politik

Am Anfang der Initiative stand Timothy Gowers, Mathematiker an der Universität Cambridge und Träger der renommierten Fields-Medaille. Er gab am 21. Jänner 2012 den Boykott von Elsevier auf seinem Blog bekannt und sammelt seitdem Unterstützungsunterschriften unter dem Titel "The Cost of Knowledge".

Konkret sprach er sich laut einem Bericht von "Nature Online" gegen die hohen Preise von Elsevier-Publikationen (darunter auch "The Lancet" und "Cell") und die Praxis der Bündelung: Bibliotheken würden damit gezwungen, Journale des Verlags im Paket zu hohen Preisen zu kaufen, obwohl sie oft nur an einer Zeitschrift interessiert seien, so die Kritik. Außerdem lobbyiere Elsevier massiv für eine Änderung der US-Gesetze, damit öffentlich geförderte Forschung nicht mehr in kostenlos zugänglichen Journalen publiziert werden muss, so Gowers. Der Amsterdamer Verlag sei nicht der einzige Verleger mit solchen Praktiken, aber einer der schlimmsten, schreibt der Mathematiker.

Gowers hofft, dass der Protest keine Sache der Mathematiker bleibe, sondern sich auch Biologen und Mediziner anschließen. Bisher haben sich 900 Forscher mit Spezialisierung in diesen Fächern in das Online-Protest-Formular eingetragen. Je mehr es werden, desto wahrscheinlicher wird auch eine Reaktion seitens des Verlagshauses - schließlich gibt Elsevier seine bedeutendsten Journals in Biologie und Medizin heraus.

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