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T-Rex-Modell einer Dinosaurierschau

Der größte Beißer aller Zeiten

Forscher haben die Beißkraft lebender und ausgestorbener Landtiere mittels Computermodell berechnet. Die Spitzenposition hat - wie zu erwarten - der T-Rex inne: Sein Kiefer war ein in der Naturgeschichte einzigartiges Mordwerkzeug.

"Bite Club" 29.02.2012

Der Gattungsname "Tyrannosaurus" spricht für sich. Der T-Rex regierte als ultimativer Prädator die Kreidezeit, die 13 Meter lange und bis zu 6,8 Tonnen schwere Echse gab den König und Tyrannen in Personalunion. Schon frühere Untersuchungen hatten versucht festzustellen, mit welcher Kraft der Fleischfresser aus der Gruppe der Theropoden seinen Kiefer zuschnappen ließ. 8.000 bis 13.400 Newton lautete das Ergebnis - doch das ist einer neuen Studie zufolge deutlich zu niedrig gegriffen.

Forscher um Karl Bates von der University of London haben nun die morphologischen Kenndaten des Tyrannosaurus in ein Computermodell eingespeist: T-Rex biss demnach mit einer Kraft von 31.000 bis 57.000 Newton zu - wohlgemerkt pro Zahn.

Vergleich mit Alligator

Um das Modell auf seine Tauglichkeit zu prüfen, modellierten Bates und Kollegen auch die Beiß-Performance anderer Arten. Der neun Meter lange und etwa 1,7 Tonnen schwere Allosaurus kam demnach auf 5.300 bis 8.700 Newton (alle Angaben pro Zahn) und übertraf damit den heute lebenden Alligator deutlich (3.000 bis 5.700 Newton). Zum Vergleich der Mensch: Unsere Bisstärke liegt in der Größenordnung von 700 bis 1.000 Newton.

Dass der T-Rex aufgrund seiner überlegenen Körpergröße andere Fleischfresser in Sachen Kieferkraft aussticht, mag nicht weiter verwunderlich sein. Allerdings war er auch relativ gesehen eine Klasse für sich. Bateson und Co. haben nämlich die im Computermodell analysierten Spezies auf T-Rex-Größe "aufgeblasen", um zu sehen, wie sie unter diesen Umständen abschneiden würden.

Sowohl Alligator als auch Allosaurus wurden auch hier vom Tyrannosaurus klar distanziert. Bates schließt daraus, dass "T-Rex eines der gefährlichsten Raubtiere war, das jemals auf unserem Planeten gelebt hat". Ihm wird niemand widersprechen wollen.

Meister aller Klassen: Riesenhai

Einen ähnlichen Vergleich bei Landsäugetieren haben vor sieben Jahren australische Wissenschaftler vorgenommen. Was die absolute Beißkraft betrifft, liegt demnach der Löwe an der Front, Platz zwei geht an den ausgestorbenen Beutellöwen, Platz drei an den Tiger.

In der Kategorie "relative Bissigkeit" gibt es indes Überraschungen. Hier obsiegt ein fossiles Raubtier namens Priscileo roskellyae aus der Gruppe der Beuteltiere, gefolgt vom Beutellöwen. Löwe und Tiger rangieren - wegen ihrer großen Körpermasse - nur im Mittelfeld.

Bliebe in Folgestudien noch zu erörtern: ein großflächiger Vergleich von Meeresraubtieren. Für den im Pleistozän ausgestorbenen Riesenhai Megalodon, vermutlich der Fisch mit dem größten Kiefer aller Zeiten, wurde das bereits erledigt. Seine Zähne bohrten sich mit bis zu 180.000 Newton ins Fleisch seiner Beutetiere.

Robert Czepel, science.ORF.at

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