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Sägefisch in einem Aquarium

Der Elektro-Schlitzer aus dem Ozean

Der Sägefisch trägt ein Universalwerkzeug auf dem Kopfe, berichten Verhaltensbiologen. Er spürt mit seiner Säge die elektrischen Felder von Fischen auf - und spaltete diese mit einem Hieb in zwei Teile.

Sägefisch 07.03.2012

"Saws" titelt das Fachblatt "Current Biology" in seiner aktuellen Ausgabe. Das Cover ist wohl ein ironisches Sägefisch-Zitat von Steven Spielbergs Horrorklassiker, im Inneren geht es um folgende Frage. Wozu hat das Vieh seine Säge?

Cover von Current Biology mit Sägefisch

Current Biology

Die Studie

"The function of the sawfish’s saw", Current Biology (doi: 10.1016/j.cub.2012.01.055).

Pristis microdon ist eigentlich ein Rochen, auch wenn er auf den ersten Blick aussieht, als wäre er ein Hybrid aus Hai und Heckenschere. Während die Frage der systematischen Einordnung längst klar ist, haben sich Biologen lange den Kopf darüber zerbrochen, was er mit seiner bizarr verlängerten Schnauze tut.

Der knorpelige Auswuchs ist seitlich mit Zähnen besetzt und kann bis zu einem Viertel der Gesamtlänge des Tieres ausmachen. Über die Funktion der Nasensäge wurde viel spekuliert, manche meinten, der Sägefisch würde damit im Boden herumstochern, um Beute aus dem Sand zu holen. Andere vermuteten, er würde damit Fleischstücke aus Walkörpern schneiden. Und natürlich wurde auch gemutmaßt, das Ding sei eine Hiebwaffe.

Nur gilt die Vermutung in den empirischen Wissenschaften wenig (bis nichts), effektiv beobachtet wurde der waffenartige Einsatz der Knorpelsäge erst bei einer Art, nämlich bei Pristis pectinata - ein Sägerochen aus den Tropen bzw. Subtropen. Dessen australischen Verwandten Pristis microdon hat nun die Wienerin Barbara Wueringer genauer unter die Lupe genommen.

"Spießen Beute auf"

"Ich war überrascht zu sehen, wie gekonnt die Tiere ihre Säge einsetzen", sagt die an der University of Queensland tätige Biologin. "Sie verwenden die Säge, um ihre Beute aufzuspießen. Das erreichen sie, indem sie ihr Werkzeug mehrere Male pro Sekunde hin- und herschlagen."

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Wueringer hatte für ihre Studie unter anderem eine Kamera in einem Becken montiert, um das Verhaltensinventar der Sägerochen zu domumentieren. Das Ergebnis: Der australische Sägefisch ist der Musketier des Ozeans, er erledigt seine Beute mit Hieb und Stich.

"Die Hiebe waren manchmal so stark, dass sie die Beutefische in zwei Teile spalteten", so Wueringer. Und der Rochen drückt seine Beute auch damit zu Boden, bevor er sie ins Maul befördert. Die Säge ist jedoch nicht nur Waffe, sie ist eher ein nasales Multifunktionswerkeug.

Wie Wueringer mit ihrem Team berichtet, sitzen in der Säge tausende Elektrorezeptoren. Mit diesen spüren die Sägerochen das elektrische Feld von Beutetieren auf.

Nicht bestätigen konnten die australischen Biologen indes die Vermutung, die Tiere würden im Meeresboden nach Fressbarem herumstochern. Das stehe zwar in vielen Lehrbüchern, sei aber falsch. "Nun wissen, wir, dass der Sägefisch kein langweiliger Bodenbewohner ist. Er ist ein wendiger Jäger, der sich im dreidimensionalen Raum des Ozeans bewegt."

Robert Czepel, science.ORF.at

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