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Ausschnitt des Covers des Buchs "Krawumm" von Florian Freistetter

Sternenkunde gegen den Weltuntergang

Florian Freistetter, Astronom, Wissenschaftsblogger und Gegner esoterischer Endzeitszenarien, lässt in seinem neuen Buch "Krawumm! - Ein Plädoyer für den Weltuntergang" von Atomkernen bis Universen so ziemlich alles miteinander zusammenstoßen, um anhand von Kollisionen den Kosmos zu erklären.

Buch 12.04.2012

Dabei scheut er sich nicht, Details wie die Radiokarbondatierung, Relativitätstheorie, Quantenmechanik und Stringtheorie zu erklären.

Therapie für Weltuntergangsjünger

Buchcover "Krawumm"

Ecowin Verlag

Florian Freistetter "Krawumm!", Ecowin Verlag, 218 Seiten, 22,90 Euro, ISBN: 978-3-7110-0025-5

Freistetter, der aus Österreich stammt und in Deutschland als Astronom tätig ist, hat ein Buch als Therapie für alle Weltuntergangsjünger vorgelegt, und alle, die es nicht werden wollen. Wenn man etwa glaube, dass ein bis dato völlig unbekannter "Planet X" im Jahr 2012 mit der Erde zusammenstoßen soll, "braucht man nicht nur jede Menge Vorstellungskraft, um wegen einer solchen Behauptung in Panik zu geraten, sondern darf auch keinerlei Ahnung von Astronomie haben", schreibt Freistetter.

"Das Universum ist groß und es ist im wesentlichen leer", so der Astronom. Trotzdem würden Planeten, Sterne und Galaxien es immer wieder schaffen, miteinander zusammenzustoßen. "Es steckt jedes Mal eine spannende Geschichte dahinter", und die erzählt Freistetter. Denn von den Kollisionen aus dem All habe man viel über das Universum gelernt. Was das so alles ist, erklärt der Autor auf anschauliche Weise.

So erfährt man, wie die Astronomen Planeten entdeckten und herausbekamen, aus welchen Teilchen die Sonne besteht. "Im Gegensatz zu anderen Naturwissenschaftlern haben die Astronomen ja das große Problem, dass ihre Forschungsobjekte alle unvorstellbar weit entfernt sind." Physiker könnten messen, Biologen und Mediziner sezieren, aber die Astronomen nur schauen, so Freistetter.

Unvorstellbare Relationen

Sein Erzählstil ist leger, zahlreiche Episoden aus der Geschichte der Astronomie lockern die nicht unschweren Themen auf. Abschweifungen sind nicht ausgeschlossen. Etwa wenn er erklärt, wie aus Staub Felsbrocken und später Planeten entstehen: "Staub hat ja nun leider die dumme Angewohnheit, im Laufe der Zeit immer größere Klumpen zu bilden (was jeder bestätigen kann, der einmal einen Blick hinter das Bücherregal oder unter das Bett wirft)."

Freistetter greift immer wieder zu anschaulichen Vergleichen, um die astronomischen Verhältnisse begreiflich zu machen, auch wenn er angesichts der gigantischen Ausmaße dabei manchmal kapitulieren muss. Was nicht weiter stört, denn gerade das macht die mitunter nicht vorstellbaren Relationen interessant.

So explosiv, wie der Titel vielleicht vermuten lässt, ist das Buch nicht. Es ist vielmehr ein unterhaltsam geschriebenes Wissenschaftsbuch, das dem Leser die Welt der Astronomie näher bringt. Am Ende weiß man, wieso kosmische Katastrophen das menschliche Leben auf der Erde ermöglicht haben. Dass man in den nächsten tausend bis hunderttausend Jahren keine Angst vor planetaren Kollisionen haben muss und wie man Asteroiden, die sich auf Kollisionskurs mit der Erde befänden, ablenken könnte. Ebenso weiß man, wieso man an Marsmännchen glaubte und was es mit Weißen Zwergen, Roten Riesen und Blauen Nachzüglern auf sich hat. Und bei der nächsten Party kann man mit der These beeindrucken, dass der Urknall durch die Kollision zweier Universen entstanden ist.

science.ORF.at/APA

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