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Kleines Mädchen blickt in das Maul eines T-Rex-Modells

Fall der Riesen, Triumph der Zwerge

Vor 65 Millionen Jahren hat ein Massensterben die Regentschaft der Saurier beendet und den Aufstieg der Säugetiere begründet. Forscher wissen, warum: Ihre winzigen Eier wurden den Riesenechsen zum Verhängnis.

Dinosaurier 18.04.2012

Globaler "Impaktwinter"

Eigentlich bemerkenswert, dass erst jetzt, im Jahr 2012, die ökologischen Hintergründe jenes Machtwechsels bekannt werden, der schon seit Jahrzehnten in jedem Schulbuch steht. Zur Erinnerung: Vor 65 Millionen Jahren löste ein Asteroideneinschlag nahe der Halbinsel Yucatan im Golf von Mexiko eine tödliche Kettenreaktion aus. Die beim Einschlag freigesetzte Energie überstieg die Zerstörungskraft sämtlicher Nuklearwaffen auf der Erde.

Nach der Schockwelle folgte der Tsunami. Er löschte das Leben in küstennahen Regionen aus - weiter entfernt liegende Gebiete wurden durch einen klimatischen Langzeiteffekt entvölkert. Die in die Atmosphäre geschleuderten Staubmassen verdunkelten den Himmel für Monate. Durch den globalen "Impaktwinter" brachen die Nahrungsketten zusammen. Rund die Hälfte aller Tierarten starben aus, das Herrschergeschlecht der Riesenechsen trat ab und verschwand von der Bühne.

Die Studie:

"Ontogenetic niche shifts in dinosaurs influenced size, diversity and extinction in terrestrial vertebrates", Biology Letters (doi: 10.1098/rsbl.2012.0240).

Riesen mit winzigen Eiern

Was die naheliegende Frage aufwirft: Weshalb verschwanden nicht auch die Säugetiere? Wie überlebten sie die Katastrophe? Daryl Codron von der Universität Zürich hat nun mit drei Kollegen die Achillesferse der Dinos ausfindig gemacht, die unter solch katastrophalen Umständen zwischen Tod und Überleben entschied: Es ist das Ei der Echse.

Während Säugetiere ihren Nachwuchs lebend gebären, legen Reptilien bekanntlich Eier. Im Fall der Dinosaurier eine eher unökonomische Strategie: Denn Eier können nicht beliebig groß werden, da die dafür notwendige dicke Schale den Sauerstoffaustausch behindern würde.

Daher entstand bei den Riesenechsen, wie Codron im Fachblatt "Biology Letters" schreibt, eine extreme Größendiskrepanz zwischen neugeborenen und erwachsen Tieren. Eine Dino-Mutter mit vier Tonnen Körpermasse sei rund 2.500 Mal so schwer gewesen wie ihr frisch geschlüpftes Kind.

Grafik: Säugetiere vs. Dionsaurier

Universität Zürich/Jeanne Peter

Säugetiere besetzen ökologische Nischen durch verschiedene Arten. Dinosaurier besetzten aufgrund ihrer extremen Entwicklung verschiedene Nischen durch eine Spezies. Der Mangel kleiner Dinosaurierarten führte in eine ökologische Sackgasse.

Zum Vergleich: Elefanten-Mütter wiegen lediglich das 22-fache ihrer Kinder, obwohl sie durchaus in einer ähnlichen Gewichtsklasse spielen. Und: Säugetiere geben ihren Kindern mittels Muttermilch einen Energiebonus für den ersten Entwicklungsschub, sodass sie danach mehr oder minder ansatzlos in die ökologischen Nahrungsnische ihrer Eltern einsteigen können.

Wehrlos gegen Säugetiere

Bei den Riesenechsen war das Codron zufolge anders: Ökologisch betrachtet verhielten sich junge, halbwüchsige und erwachsene Dinosaurier wie verschiedene Spezies. Dementsprechend besetzten die großen Saurier auch jene Planstellen, an denen ansonsten kleinere Echsen hätten existieren können - sofern es sie gegeben hätte (siehe Grafik).

Dieser Mangel wurde den Dinos zum Verhängnis: "Nach einer globalen Katastrophe - wie dem Meteoriten-Einschlag - waren über Tausende von Jahren die Nischen für sehr große Lebewesen zerstört", sagt Marcus Clauss, ein Co-Autor der Studie. Der Grund: Während des globalen Winters wuchsen zu wenige Pflanzen, als dass größere Pflanzenfresser überleben hätten können. Damit verschwand auch die Nahrungsgrundlage der großen Fleischfresser.

Kleinere Tiere hatten es unter diesen Umständen zwar auch nicht leicht - doch sie konnten zumindest teilweise überleben. Sie fraßen, was an Pflänzchen übrig blieb, suchten Insekten und anderes wirbelloses Kleinzeug. Diese Strategie blieb den Dinos verwehrt: Nach Millionen Jahren des Erfolges durch Gigantismus waren kaum kleine Arten übrig geblieben. Im Kampf um die verbliebenen Nischen im Federgewicht setzten sich die Säuger durch.

Robert Czepel, science.ORF.at

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