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Ein Delphin schaut aus dem Wasser.

Delfine liefern Fische "ans Messer"

Des einen Freud, des anderen Leid: In der Laguna, einem Küstengebiet vor Südbrasilien, sind Delfine eine für Fische gefährliche Kooperation mit der lokalen Bevölkerung eingegangen. Sie signalisieren den Fischern, wo sich große Schwärme befinden - damit diese ebendort ihre Netze auswerfen.

Verhaltensforschung 02.05.2012

Aber nur eine kleine Gruppe unter der Delfinpopulation habe sich mit den Menschen verbündet, berichten der Verhaltensforscher Fabio Daura-Jorge von der Universität Santa Catarina in Brasilien und seine Kollegen. Sie sind offenbar die besonders sozialen Wesen in der Gruppe und geben diese Fähigkeit auch an ihren Nachwuchs weiter.

Hinweis auf Fischschwärme

Delfine haben Eingang in die Populärkultur in erster Linie aus zwei Gründen gefunden: weil sie so gelehrig und weil sie so hilfbereit sind. "Flipper" gilt wohl als Inbegriff des klugen und kooperativen Tümmlers. Er verlieh allen Delfinen ein so positives Image, dass es etwa die Macher der "Simpsons" wieder brachen und einen Angriff dieser Säugetiere auf die Menschen herbei zeichneten.

Was sich mit der nun vorliegenden Studie auf jeden Fall sagen lässt: Wenn Delfine einen Nutzen darin sehen, sind sie zu durchwegs unerwarteten Leistungen fähig: Meeresbiologen und Verhaltensforscher um Fabio Daura-Jorge berichten von einer Jagdstrategie, die sie bei Delfinen vor der südbrasilianischen Küste beobachtet haben.

Sie koordinieren sich nicht nur untereinander, um möglichst viel Beute zu machen, sondern beziehen auch die ansässigen Fischer in ihre Strategie mit ein. Sie treiben Schwärme von Meeräschen zu den Fischern und signalisieren durch einen charakteristischen Schlag mit der Schwanzflosse bzw. einer Kopfbewegung, wo die Menschen ihre Netze auswerfen sollen. Die Fischer wiederum sorgen dafür, dass vom Fang genug für die Delfine übrig bleibt.

Hochvernetzte "In-Group"

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 2.5., 13:55 Uhr.

  1. 45 Prozent der in der "Laguna" ansässigen Delfine kooperieren auf diese Weise mit den Menschen, berichten die Forscher, die mit ihrer Studie auch die interne Struktur der Tierpopulation klären wollten. Sie verwendeten dazu eine Methode, die man eher aus menschlichen Zusammenhängen kennt: Durch eine netzwerkanalytische Auswertung der Mensch-Delfin-Kontakte, aber auch der Interaktionen innerhalb der Delfingruppe kristallisierte sich eine hochvernetzte Gruppe aus rund 15 Tieren heraus, die mit den Menschen kooperierten. Sie grenzte sich deutlich gegen die Jäger ohne menschliche Hilfe ab. Nur ein Tier übernahm offenbar die Vermittlerfunktion und spielte den "'social broker' zwischen den Gruppen", wie die Forscher schreiben.

Warum aber arbeiten nicht alle Tiere mit den Menschen zusammen, wo sie doch prinzipiell die Möglichkeit dazu haben? Die Forscher beantworten diese Frage mit einem Hinweis auf die interne Struktur der kooperierenden Gruppe. Denn diese Tiere sind auch untereinander "sozialer" als die Tiere ohne Menschenkontakte. Diese hohe soziale Kompetenz könnte von den Elterntieren an den Nachwuchs weitergegeben werden, mutmaßen die Forscher und sehen sogar eine Parallele zu den Menschen, wo wiederum die Fischer ihren Kindern die Zeichensprache der Delfine erklären. Der Fantasie von Filmemachern werden wohl keine Grenzen sein, wie man diese Erkenntnis in Bilder gießen könnte.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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