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Jemand isst einen Hamburger

Müde Menschen greifen zu Junkfood

Dass Schlafmangel dick macht, ist schon länger bekannt. Mögliche Erklärungen für diesen Umstand liefern nun zwei Hirnstudien: Unausgeschlafene reagieren stärker auf den Anblick von Junkfood. Und eine vernünftige Auswahl fällt ihnen generell deutlich schwerer als ausgeruhten Menschen.

Hirnforschung 11.06.2012

Müdigkeit macht hungrig

Wenn man ständig zu wenig schläft, muss man nicht nur mit Müdigkeit rechnen, sondern auch mit gesundheitlichen Folgen. Unter anderem soll Schlafmangel diversen Studien zufolge zu Übergewicht und in der Folge auch zu Stoffwechselstörungen wie Diabetes Typ 2 führen, denn ein Defizit wirkt sich offensichtlich auf unser Essverhalten aus. Unausgeruhte Menschen essen nicht nur zu viel, sondern häufig auch das Falsche.

Die Studien:

"Sleep restriction increases the neuronal response to unhealthy food stimuli"
"Sleep deprivation disrupts human brain reactivity in response to food desire"

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 11.6., 13:55 Uhr.

Beim jährlichen Treffen der Associated Professional Sleep Societies in Boston (SLEEP 2012) werden nun gleich zwei neue Studien präsentiert, die zeigen, zu welcher Art von Fehlsteuerung der Schlafentzug im Gehirn führt.

Tröstendes Junkfood

Forscher vom St. Luke's Roosevelt Hospital Center und der Columbia University haben für ihre Untersuchung 25 normalgewichtige Frauen und Männer rekrutiert. Im Lauf von fünf Tagen bzw. Nächten durften die Teilnehmer entweder nur vier Stunden schlafen oder so lang sie wollten. Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) wurde danach erfasst und verglichen, wie ihr Gehirn auf den Anblick von ungesundem respektive gesundem Essen reagiert.

Bei der ungesunden Variante stellten die Forscher eine deutlich höhere Aktivität in sogenannten Belohnungszentren fest, wenn die Teilnehmer unausgeschlafen waren. Das untermauere frühere Studien, wonach Menschen nach Schlafentzug ein höheres Bedürfnis nach besonders süßem, salzigem oder fettem Essen verspüren.

Verlangen außer Kontrolle

Warum dieses Verlangen so schwer zu kontrollieren ist und was zudem zur Unmäßigkeit führt, zeigt die zweite aktuelle Studie von Forschern des Sleep and Neuroimaging Laboratory der University of California, Berkeley. Die 23 gesunden Teilnehmer durften eine Nacht ausschlafen, in einer weiteren wurden sie vorzeitig geweckt. An beiden Tagen wurde ihre Gehirnaktivität ebenfalls mittels fMRI erfasst. Während sie im Scanner lagen, mussten sie bewerten, wie sehr sie bestimmte Nahrungsmittel wollten oder nicht.

Die Aufnahmen zeigten, dass der Schlafentzug höhere Gehirnfunktionen im Frontallappen beeinträchtigt. Hier werden beispielsweise komplexe Entscheidungen getroffen, auch Kontrollmechanismen sollen hier angesiedelt sein. Sind diese außer Kraft, fällt eine sinnvolle und maßvolle Auswahl den Forschern zufolge schwer.

Denn normalerweise werden hier verschiedene Aspekte gegeneinander abgewogen, etwa der Geschmack in Relation zu den Inhaltsstoffen. Ständig übermüdeten Menschen ist demnach ein derartiges vernünftiges Abwiegen gar nicht möglich. In der Folge greifen sie zu ungesundem Essen, essen noch dazu zu viel davon und werden so auf lange Sicht übergewichtig.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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