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Blutzellen unter dem Miksroskop

Therapie kann Krebszellen verändern

Krebstherapien können nach einigen Monaten ihre Wirkung verlieren. Die Ursachen haben nun Forscher durch Berechnungen und Experimente geklärt. Schuld daran sind offenbar Veränderungen in den Krebszellen.

Studien 14.06.2012

Unkontrolliertes Wachstum

EGFR ist ein Eiweißstoff, der Signale ins Zellinnere leitet und das Zellwachstum anregt. Ist er defekt, kann er Zellen unkontrolliert zum Wachsen und Vermehren bringen - ein Tumor entsteht. Mediziner blockieren den Eiweißstoff mit Antikörpern, doch dies ist fast immer nur für wenige Monate erfolgreich.

Dafür ist eine Veränderung in einem weiteren Eiweißstoff namens KRAS verantwortlich, fanden die Forscher heraus. Durch eine Untersuchung des Blutplasmas könne man dies schon zehn Monate früher erkennen, als das Fortschreiten der Krankheit in bildgebenden, radiologischen Verfahren sichtbar ist.

Therapie Mitursache des Übels

Studien

"The molecular evolution of acquired resistance to targeted EGFR blockade in colorectal cancers", Nature (doi:10.1038/nature11219).

"Emergence of KRAS mutations and acquired resistance to anti-EGFR therapy in colorectal cancer", Nature (doi:10.1038/nature11156).

Mit mathematischen Modellen haben nun Forscher gezeigt, dass diese zusätzlichen Veränderungen schon vor der Therapie im Tumor vorhanden waren, allerdings in nur wenigen Zellen. Diese Zellen werden durch die Therapie allerdings nicht gehemmt und vermehren sich schneller als die übrigen.

An der Publikation waren auch zwei Österreicher beteiligt, nämlich Johannes Reiter vom Institute of Science and Technology (IST) Austria und der an der Harvard Universität (USA) forschende Mathematiker und Biologe Martin Nowak.

Eine zweite Forschergruppe um David Solit (Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, USA) und Alberto Bardelli (Universität Turin, Italien) fand in Laborversuchen mit Krebszellen heraus, dass die Therapie zusätzlich die Entstehung von Veränderungen in KRAS fördert.

Regelmäßige Blutuntersuchungen und eine kombinierte Therapie könnten eine schnellere Diagnose ermöglichen und den Fortschritt der Krankheit möglicherweise aufhalten oder zumindest verlangsamen, so die Forscher.

science.ORF.at/APA

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