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Frau misst Bauchumfang mit Zentimeterband.

Fett im Kampf gegen Übergewicht

Ein internationales Forscherteam hat eine neue Art von Fettzellen identifiziert: Dieses "beige Fett" verbrennt Energie, anstatt sie zu speichern. In Zukunft könnte es in der Adipositas- und Diabetestherapie eingesetzt werden.

Zellbiologie 13.07.2012

Weiße Fettzellen speichern Kalorien. Sie machen das Fett aus, dass für Übergewicht sorgt. Braune Fettzellen dagegen verbrennen Energie und wirken so einer Fettleibigkeit entgegen. Doch Menschen verlieren dieses energieverbrennende Fett nach der Kindheit fast gänzlich. Nun wurden bei Erwachsenen bräunliche Fettzellen gefunden, die viele positive Eigenschaften des echten braunen Fettes teilen.

Zur Studie:
"Beige Adipocytes Are a Distinct Type of Thermogenic Fat Cell in Mouse and Human" von Bruce Spiegelman et al. ist in Cell erschienen.

Beiges Fett zuerst bei Mäusen entdeckt

Auf die Spur des positiven braunen Fetts, sind die Wissenschaftler zuerst bei Mäusen gekommen. Nachdem bei den kleinen Wirbeltieren auch beige Fettzellen gefunden wurden, haben sich Forscher bei erwachsenen Menschen auf die Suche nach dem neuen Fett gemacht. "Wir haben einen dritten Typ Fettzellen identifiziert", berichtet Bruce Spiegelman von der Harvard Medical School. "Es gibt weißes, braunes und nun auch eine dritte Art Fett, die wir in fast allen Menschen vorfinden." Auch diese Art von Fettzellen verbrennt Kalorien und lagert sie nicht ein.

Mittels PET-Scan wurden die kleinen beigen Fettdepots in der Nacken- und Schlüsselbeinregion entdeckt. Diese Ablagerungen sind circa erbsengroß und befinden sich unter der Haut.

Die beigen Fettzellen sind beim Erwachsenen vom "dickmachenden" weißen Fett eingeschlossen. Das beige entsteht aus den weißen Fettzellen, indem sie sich "bräunen". Noch wissen die Forscher nicht, was den Umwandlungsprozess einleitet.

Beige macht schlank

Um zu erfassen, welche Gene in diesen Zellen aktiv werden, wurden für die Studie Mäusen beige Fettzellen entnommen. Deren Genexpressionsprofile zeigen Charakteristika der braunen und der weißen Fettzellen, ist jedoch einzigartig. Sowohl in den braunen als auch in den beigen Fettzellen befinden sich energiefressende Mitochondrien, die Eisen enthalten und so für den braunen bzw. beigen Farbton der Zellen sorgen.

Braunes Fett zeichnet sich durch den hohen Anteil eines Proteins aus, dem UCP1. Dieses Protein sorgt für den hohen Energieverbrauch und die Wärmeerzeugung der braunen Fettzellen. Beige Fettzellen können in ihrem Basiszustand nur wenig UCP1 aufweisen, ähnlich dem weißen Fettgewebe. Doch anders als das weiße, kann das beige Fett die Proteinproduktion ankurbeln. Dadurch kommen diese beigen Fettzellen auf einen gleich hohen Energieverbrauch wie die braunen.

Hormon und Kälte kurbeln Energieverbrennung an

Dieser Prozess kommt dann in Gang, wenn die beigen Fettzellen Kälte oder dem Hormon "Irisin" ausgesetzt werden. Es ist bereits bekannt, dass Irisin eine wichtige Rolle für den menschlichen Blutzuckerhaushalt und Fettstoffwechsel spielt. Nicht nur beim braunen, sondern auch beim beigen Fett kurbelt Irisin den Energieverbrauch an.

Die Forscher hoffen nun, dass Irisin das lange gesuchte Mittel zur Aktivierung der wertvollen energiefressenden Fettzellen ist und bald in der Therapie gegen Übergewicht eingesetzt werden kann. Zudem wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob es signifikante Unterschiede bei der Menge von beigen Fettzellen bei einzelnen Menschen gibt.

"In Zukunft müssen diese beigen Fettzellen, die wir alle mit uns herumtragen, weiter erforscht werden, um mögliche Therapien auszuloten" ergänzt Bruce Spiegelman. Denn das medizinische Potenzial der beigen Fettzellen sei offensichtlich. "Mäuse, bei denen die Produktion der beigen Fettzellen angeregt wurde, hatten wesentlich höhere Abwehrkräfte gegen Fettleibigkeit und Diabetes." Die Forscher um Spiegelman versuchen bereits, das beige Fett therapeutisch zu verwerten.

Marlene Nowotny, science.ORF.at

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