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Impfung in den Oberarm

Botox gegen Riesenwuchs

Mit dem Nervengift Botulinumtoxin, kurz Botox genannt, lassen sich nicht nur Gesichtsfalten glätten. Schweizer Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es auch das Wachstum zügeln kann. Sie hoffen, dass sie damit in Zukunft Menschen mit Riesenwuchs behandeln können.

Medizin 03.08.2012

Übermäßiges Wachstum

Die Studie im "Journal of Clinical Investigation":

"A botulinum toxin–derived targeted secretion inhibitor downregulates the GH/IGF1 axis" von Emmanuel Somm et al.

Der Schauspieler Richard Kiel, bekannt als "Beisser" aus den James Bond-Filmen, ist wohl ihr berühmtester Vertreter: Bei Menschen mit der Krankheit Akromegalie produziert das Gehirn zu viele Wachstumshormone, weshalb ihre Knochen und Gewebe übermäßig wachsen. Oft leiden Betroffene an Herzkrankheiten oder Diabetes. Meist ist ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangsdrüse die Ursache, aber nicht alle können operiert werden.

Also überlegten Forscher vom Universitätsspital Genf: Wenn das Anti- Faltenmittel Botox Gesichtsnerven lähmen kann, warum nicht auch überaktive Hormon-produzierende Zellen? Das Team um den Pädiater Emmanuel Somm kombinierte das Botox mit verschiedenen Eiweißbausteinen, damit die entstandene Substanz ganz spezifisch auf die Hormon-abgebenden Zellen einwirken würde.

Überproduktion gezügelt

Tatsächlich stoppte das so entstandene Eiweiß bei Ratten die Produktion und die Absonderung des Wachstumshormons, wie die Forscher berichten. Entsprechend waren auch der Körper, die Organe und die Knochen der Tiere kleiner und leichter als bei unbehandelten Artgenossen.

Diese Ergebnisse zeigten, dass das Nervengift Botox auch andere Zelltypen als Nervenzellen beeinflussen kann, schreiben die Forscher. Ihre Resultate würden Grund zur Hoffnung liefern, dass mit solchen Substanzen auf Botox-Basis einst ganz gezielt die Hormonüberproduktion bei Menschen mit Akromegalie, aber auch anderen Hormonstörungen, gezügelt werden kann.

science.ORF.at/APA/sda

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