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Ein Mensch steht auf einer Waage, man sieht nur die Füße.

Sich zu dick fühlen könnte dick machen

Viele Jugendliche sind mit ihrem Gewicht unzufrieden. Manche sehen sich als zu fett an, obwohl sie es gar nicht sind. Das könnte Forschern zufolge zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Normalgewichtige Jugendliche, die sich zu dick fühlen, würden als Erwachsene tatsächlich dick werden.

Psychologie 10.08.2012

Die Gründe dafür seien vielfältig, schreiben Wissenschaftler von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim in ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift "Journal of Obesity" publiziert wurde. Sie hatten das Verhältnis zwischen wahrgenommenen und wirklichen Gewicht bei Teenagern und jungen Erwachsenen untersucht.

Durch Diät zunehmen

Nach den Forschern führt etwa psychosozialer Stress dazu, dass man an der Taille an Gewicht zulegt. Dieser Stress resultiere aus dem negativen Selbstbild und aus der Frustration darüber, keine Idealfigur zu haben.

"Eine andere Erklärung könnte sein, dass junge Menschen, die sich selbst als zu fett sehen, oft ihre Essgewohnheiten ändern - etwa indem sie eine Mahlzeit auslassen. Isst man kein Frühstück, kann das zu Fettleibigkeit führen", sagt NTNU-Forscher Koenraad Cuypers. Das liege daran, dass der Körper dann auf Sparflamme läuft und später zugeführte Nahrung schneller und effektiver ansetzt.

Wer zudem eine Diät macht und es nicht schafft, diese über einen längeren Zeitraum durchzuhalten, nehme dadurch ebenfalls zu. Schuld daran ist der sogenannte Jo-Jo-Effekt - wer stark abnimmt und dann wieder normal isst, nimmt meist mehr als das Abgenommene wieder zu.

Bewegung hat laut den Forschern keinen Einfluss auf das Verhältnis zwischen gefühlter und wirklicher Fettleibigkeit. Die falsche Selbstwahrnehmung überwiege als negativer Effekt.

Mehr Gewicht als Erwachsener

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch Wissen Aktuell am 10.8. um 13:55.

Für ihre Studie werteten die NTNU-Wissenschaftler zwei norwegische Gesundheitsumfragen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus. Die erste Umfrage wurde zwischen 1995 und 1997 durchgeführt, 1196 normalgewichtige Teenager nahmen daran teil. Bei einer Folgeunfrage im Zeitraum von 2006 bis 2008 wurden dieselben Teilnehmer, die nun zwischen 24 und 30 Jahre alt waren, erneut befragt.

Etwa 59 Prozent der normalgewichtigen jungen Frauen, die sich als Teenagerinnen zu dick gefühlt hatten, waren nach dem Body-Mass-Index (BMI) tatsächlich übergewichtig geworden. Wurde die Taille als Maßstab für Fettleibigkeit angenommen, stieg dieser Wert auf 78 Prozent. Normalgewichtige Jugendliche, die sich selbst als zu fett gesehen hatten, hatten als junge Erwachsene im Schnitt einen um 0,88 Punkte höheren BMI als die anderen. Zudem war ihr Hüftumfang durchschnittlich um 3,46 Zentimeter größer.

Mädchen mehr betroffen

Von den normalgewichtigen Mädchen fühlten sich 22 Prozent zu dick, bei den Burschen war es nur jeder Zehnte. Den Forschern zufolge könnte das auf die Medien zurückzuführen sein, die beim Thema Aussehen eher Mädchen als Burschen anvisieren würden. "Mädchen haben daher mehr psychosozialen Stress, eine Idealfigur erreichen zu müssen", sagt NTNU-Wissenschaftler Cuypers.

Nach Cuypers sollte sich die Gesellschaft weniger aufs Gewicht konzentrieren und stattdessen gesundheitsfördernde Maßnahmen hervorheben. Darunter fielen etwa richtige Ess- und Schlafgewohnheiten sowie mehr körperliche Bewegung. "Zudem sollten die Medien aufhören, den Supermodel-Körper als perfektes Ideal zu verkaufen, denn das ist er nicht", so der Forscher.

David Donnerer, science.ORF.at

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